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Streit um Großaquarium : Die Stadt und die Haie

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Bald in Pfungstadt zu sehen? Investoren planen dort ein umstrittenes Großaquarium Bild: dpa

Noch hat die Kommune ihnen das Gelände nicht verkauft, Tierschützer sind dagegen, aber die Investoren sind guten Mutes: dass sie in einem Industriegebiet in Südhessen ein gigantisches Aquarium bauen können.

          Es soll 550.000 Besucher im Jahr anziehen, 2019 eröffnet werden und das größte Projekt dieser Art in Europa sein: das Hai-Aquarium, das Investoren in Pfungstadt errichten wollen. Auf zwei Etagen sollen Exemplare von 36 der weltweit rund 500 Haiarten schwimmen, bis zu 150 einzelne Tiere, die kleinsten nur 20 Zentimeter kurz, die größten, Sandtigerhaie, bis zu 2,50 Meter lang. „Shark City“ nennen seine Erfinder das Vorhaben, mit dem sie in der Kommune im Südhessischen reüssieren wollen. Allein: Kaum war es bekanntgeworden, zeigten Beteiligte auf allen Seiten die Zähne. Pfungstadt ist zerrissen seitdem. Glühende Befürworter des Projekts und rigorose Widersacher stehen einander gegenüber und verstehen einander nicht. Wollen es auch nicht.

          Bekanntgeworden waren die Aquariums-Pläne eher beiläufig. Es geschah, als ein Redakteur des „Darmstädter Echos“ Mitte Juni nachfragte, was genau denn in einer Sitzung des städtischen Haupt- und Finanzausschusses ohne Aussprache einstimmig beschlossen worden sei. Und erfuhr, dass es sich um den Verkauf eines 21.000 Quadratmeter großen Grundstückes im Gewerbegebiet im Nordosten der Stadt, direkt an einer Umgehungsstraße, gehandelt habe. Über Jahre hinweg hatte zuvor die Kommune dieses schwierig in Dreiecksform zugeschnittene Gelände, das unter einer Starkstromleitung liegt, nicht losbekommen.

          Mit dem Ausschuss-Votum wurde die Vorgeschichte bekannt: Im Mai hatte die The Seven Seas Aquarium GmbH & Co. KG aus Grünstadt in der Pfalz in Pfungstadt angeklopft und ihr Projekt präsentiert. Die Verwaltung ließ sich die Finanzierung mit Eigenkapital und Geld der Banken erläutern, las die Machbarkeitsstudie und das Konzept. 20,5 Millionen Euro wollen die Investoren in „Shark City“ stecken, und sie argumentieren vor allem damit, dass es ihnen um den Tierschutz gehe. Dass es sich nicht um ein karitatives Vorhaben handelt, räumen sie erst auf Nachfrage ein.

          Hinter „Shark City“ stehen zwei junge Geschäftsführende Gesellschafter. Der 35 Jahre alte Thiemo Walt bringt nach eigenen Angaben 15 Jahre Erfahrung in der Meerwasser-Aquaristik mit, in der Pflege und Nachzucht von Fischen und Korallen. Sein Kollege Thomas Walter, 36 Jahre alt, verweist auf zwölf Jahre Erfahrung in Wareneinkauf und Vertrieb, ist Fachwirt im Bankwesen. Ihnen steht Alexander Dressel zur Seite, 32 Jahre alt, er soll der zoologische Leiter von „Shark City“ werden und derzeit acht Jahre Erfahrung mit Großaquarien haben.

          Rückenflosse abgetrennt

          Noch im Juni gingen Stadtverwaltung und Investoren in die Offensive. Dressel und Walter versprachen, auf Tierschutz größte Rücksicht zu nehmen, 85 Prozent der Haie, die sie zeigen wollten, seien Zuchttiere. Hauptanliegen sei es, aus dem „Pfungstädter Zentrum für Haie“ die Botschaft auszusenden, dass es sich bei Haien nicht, wie so oft kolportiert, um blutrünstige Tiere handele, sondern dass die Tierart in Gefahr sei. Jedes Jahr, so die Argumentation, würden 100 Millionen Haie getötet, davon allein 70 Millionen für das sogenannte Haifinning. Dabei wird die Rückenflosse abgetrennt, das lebende, aber zum Schwimmen nicht mehr fähige Tier sinkt dann und verendet. Haie, so die „Shark City“-Männer, benötigten eine Lobby, einen Ort, von dem aus das Thema Artenschutz mit Aufklärung vorangetrieben werde, und als diesen Ort hätten sie Pfungstadt auserkoren. „Ein neues Bewusstsein für die Bedeutung der Tiere soll entwickelt werden, indem man mitten in Europa Familien, Kindern und Touristen die Angst vor den faszinierenden Tieren nimmt.“ Das Aquarium, sagen sie auch, wolle artgerecht halten, große Arten wie Tigerhai und Hammerhai seien als potentielle Bewohner der Becken nicht vorgesehen.

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