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Pflegedienst : „Ohne die Schwestern wäre es hart“

  • -Aktualisiert am

Entlastung durch professionelle Handreichung: Emily Sauter vertraut Schwester Birgit. Bild: Cornelia Sick

Die Pflegekräfte des Pflegedienstes in Mainz betreuen Familien mit schwerkranken Kindern zu Hause. Für die Eltern ist das seltene Angebot eine unschätzbare Hilfe.

          5 Min.

          Wenn Nadine Sauter zum Friseur will oder selbst einmal zum Arzt muss, plant sie das früh. „Dann spreche ich das mit den Schwestern ab, damit eine von ihnen hier sein kann“, sagt sie. Denn allein lassen kann die Mutter ihre neunjährigen Zwillinge niemals. Obwohl die Mädchen schulpflichtig sind, ist eigentlich immer eines von beiden zu Hause–wegen eines Infekts, einer Medikamentenumstellung, eines anstehenden Arzttermins.

          Emily und Vivienne waren Frühgeborene, besonders Emily hatte einen schweren Start ins Leben. Beide Mädchen mussten nach der Geburt zwei Monate lang in der Kinderklinik betreut werden, bis heute lebt Emily mit schwersten Einschränkungen, leidet unter Epilepsie, Spastik und Lungenproblemen, sitzt im Rollstuhl, muss gefüttert und gewickelt werden. Vivienne hat es leichter, sie kann nach mehreren orthopädischen Operationen inzwischen selbst sitzen und laufen, „sogar rennen“, sagt sie, und eilt auf immer noch etwas wackeligen Beinen durch die kleine Wohnung der Familie in Mainz-Kostheim.

          Beide Mädchen gehen auf die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Wiesbaden. Sie werden morgens von einem Fahrdienst abgeholt und mittags oder nachmittags wieder nach Hause gebracht. Dennoch stellt der Alltag mit den Zwillingen Nadine Sauter vor immer neue Herausforderungen. Dauernde Aufsicht ist unerlässlich, ein empfindliches Immunsystem zieht Infekte an, regelmäßige Arztbesuche sind nötig. Hinzu kommen neue Medikamente, außerdem macht das kindliche Wachstum oft neue Hilfsmittel wie Orthesen oder einen Rollstuhl nötig.

          Hilfe bei der Pflege

          „Ohne die Schwestern wäre es hart“, sagt die freundliche kleine Frau mit dem gepflegten schwarzen Haar, die früher als Arzthelferin gearbeitet hat. Als sie vor neun Jahren mit ihren Mädchen aus dem Krankenhaus kam, standen ihr die Mitarbeiter des ambulanten Kinderpflegedienstes Kidicare der Johanniter-Unfall-Hilfe in Mainz rund um die Uhr zur Seite. Sie halfen bei der Pflege der immer noch zarten Babys, bei der nächtlichen Monitorüberwachung, bei den immer wieder auftretenden Krampfanfällen und beim ständig notwendigen Inhalieren.

          „Emily hat zu Anfang 20 Stunden am Tag geweint“, erinnert sich Birgit von Rymon-Lipinski, Kinderkrankenschwester von Kidicare. „Und keiner konnte sagen, warum. Da haben wir die Mama echt bewundert.“ Mittlerweile kommt sie eigentlich nur noch einmal in der Woche, um Nadine Sauter zur Seite zu stehen. „Oder wenn eines der Kinder krank ist“, sagt die erfahrene Pflegerin. So wie zurzeit, denn Emily leidet unter einem Infekt, der zwar um diese Jahreszeit nicht unüblich ist, das Kind aber noch schwerer atmen lässt als sonst–und seit Wochen den Schulbesuch unmöglich macht. „Wir sind hier, damit die Mutter auch mal kurz entspannen kann“, sagt Schwester Birgit.

          „Es entlastet mich sehr, es beruhigt mich einfach, wenn sie da ist“, sagt die Mutter der Mädchen. Schwester Birgit kennt die Anzeichen drohender Krampfanfälle und weiß, was sofort unternommen werden muss. Sie tröstet mit liebevoller Gelassenheit, wenn Emily wieder weint und niemand sagen kann, warum. Sie füttert und wickelt das zarte blonde Mädchen im Rollstuhl, inhaliert mit ihr, und spielt auch mit Vivienne–eine Betreuung, die Mutter Nadine kaum jemand anderem zumuten kann. „Emilys Krampfanfälle können jederzeit auftreten. Wenn man das nicht kennt, ist es schon erschreckend“, sagt Sauter, die auch aus der eigenen Familie durchaus Hilfe erfährt. „Aber das traut sich auch nicht jeder zu, und ich gehe dann auch ungern länger weg.“

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