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Pflegedienst : „Ohne die Schwestern wäre es hart“

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Schwieriger Einsatz

„Solche Kinder sind oft tracheotomiert. Das heißt, sie werden durch einen Luftröhrenschnitt beatmet“, erzählt Andrea Schweda. Tagsüber muss durch die externe Beatmung Sauerstoff zugeführt werden, nachts kontrollieren Monitore die Atmung, weil sie im Tiefschlaf möglicherweise aussetzt. „So ein Einsatz bindet dann eine Zeitlang auch mal mehrere Kolleginnen im Wechsel für je acht Stunden.“ Die Eltern seien erst einmal verunsichert und ängstlich, fänden zu wenig Schlaf und kaum in den Alltag zurück. „Wir können sie dann anlernen, beraten, entlasten.“ Ob und inwieweit die Eltern die Ratschläge der Schwestern annehmen, steht ihnen frei. „Die Eltern haben die Verantwortung, wir helfen und beraten, betreuen und begleiten, bleiben aber immer nur Gast in diesen Familien.“

Viele Stunden am Tag und in der Nacht begleiten die Mitarbeiter von Kidicare die besonders betroffenen Familien. Viele ihrer kleinen Patienten können sie mit der Zeit wachsen, sich entwickeln und gesunden sehen. Kinder mit mehrheitlich Entwicklungsverzögerungen oder orthopädischen Diagnosen wie die fröhliche Vivienne, aber auch Kinder mit Herzproblemen haben durch mehrere Operationen und vielfältige Therapien gute Aussicht auf Genesung. Manche der schwer oder chronisch kranken Kinder hingegen schaffen es nicht. Auch und gerade dann benötigen die Familien medizinische Betreuung und begleitende Unterstützung.

Wichtige Spenden

Trotz professioneller Distanz und Supervision ist das für die Krankenschwestern und Pfleger immer eine schwere Phase. „Wir verbringen so viel Zeit mit den Kindern, in den Familien. Wenn wir den gemeinsamen Kampf um das Wohlergehen und Leben dieser Kinder nicht gewinnen können, das tut dann auch uns weh“, sagt Andrea Schweda.

Können die Kinder einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, werden vor allem die schwerstkranken Kinder begleitet. Nur so lassen sich eine möglicherweise plötzlich auftretende Verschlechterung oder ein Krampfanfall rechtzeitig erkennen oder behandeln. Schulen wie die Bodelschwingh-Schule haben eigene Physiotherapeuten oder Krankenschwestern. Dadurch gewinnen die Kidicare-Mitarbeiter wieder Zeit für ein neues Kind, eine neue Familie, die ihre Unterstützung braucht.

Finanziert wird die Arbeit durch die Krankenkassen und durch Spenden, die die Johanniter-Unfall-Hilfe für das Kidicare-Projekt einwirbt. Auch Benefizveranstaltungen von Vereinen, Organisationen, Privatpersonen helfen. „Ohne die Johanniter-Unfall-Hilfe als Träger könnten wir noch weniger Kinder und Familien betreuen“, sagt die Qualitätsmanagerin des Projektes. Denn ihr Team nimmt nur dann neue Kinder oder Familien in die ambulante Pflege auf, wenn sie sie personell angemessen und dauerhaft betreuen können. „Die Familien müssen sich auf uns verlassen können.“ Nadine Sauter ist dankbar für die kontinuierliche Betreuung und Begleitung. Sie sagt: „Ich weiß nicht, wie ich es allein schaffen sollte.“

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