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Ethikberatung für Angehörige : Hilfe bei Konflikten in der Pflege

Im Sinne des Patienten: Eine ambulante Ethikberatung will Angehörige und Ärzte bei schweren Entscheidungen unterstützen. Bild: dpa

Lebensverlängernde Maßnahmen ja oder nein? Nicht immer sind sich Angehörige, Ärzte oder Patienten in Behandlungsfragen einig. In Frankfurt und Offenbach startet jetzt ein Projekt, das ihnen helfen soll.

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          Boris Knopf weiß um die Symbolkraft eines leeren Platzes. Der unbesetzte Stuhl erinnere die Gesprächspartner immer daran, dass eine Person am Tisch fehle. Dass über einen Menschen entschieden werde, der nicht in der Lage sei, für sich Stellung zu beziehen. Knopf ist einer von zwölf ambulanten Ethikberatern, die ab Donnerstag in Frankfurt und Offenbach ihre Arbeit aufnehmen. Und er besteht oft in einer Gesprächsrunde auf den Stuhl, der leer bleibt.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          2016 wurde der Verein für ambulante Ethikberatung in Hessen auf Initiative der Landesärztekammer gegründet. Damals wurden zwei Modellregionen ausgewählt. In Marburg-Biedenkopf ist das Projekt bereits angelaufen, nun soll es in Frankfurt und Offenbach starten. Zwölf Ehrenamtliche haben sich dafür ausbilden lassen. Viele von ihnen kommen aus der Pflege oder der Medizin.

          Empfehlung im Sinne des Patienten

          Die Berater sollen vermitteln, wenn sich in einer Behandlungssituation Ärzte, Angehörige oder Patienten nicht einig sind. Oft gehe es um die Frage, ob lebensverlängernde Maßnahmen für Pflegebedürftige gewünscht oder noch vertretbar sind. Aufgabe sei es, alle an einen Tisch zu holen, das Gespräch zu moderieren und die Fakten zu sortieren, sagt Knopf. „Wir versuchen in einer Situation, die für alle Beteiligten emotional belastend ist, eine neutrale Perspektive einzunehmen.“

          Dabei gelte es, den Willen des Patienten herauszuarbeiten und am Ende eine Empfehlung auszusprechen. Ob diese dann berücksichtigt werde, sei zweitrangig, erklärt Heike Heidelberger. Gemeinsam mit Boris Knopf koordiniert sie die Arbeit der Berater. Getroffen wird sich an einem neutralen Ort, der Verein stellt lediglich eine Aufwandsentschädigung in Rechnung.

          Beratung für Ärzte und Angehörige

          Im stationären Bereich, wie etwa im Krankenhäusern, hat sich die Ethikberatung bereits etabliert. Im ambulanten Bereich jedoch fehlte bisher ein vergleichbares Angebot. Projektkoordinatoren Boris Knopf und Heike Heidelberger arbeiten hauptberuflich im Palliativteam Frankfurt. Sie haben regelmäßig mit Patienten und Angehörigen zu tun, die oftmals unvorbereitet mit Themen wie Tod, Würde und Ethik konfrontiert werden. Menschen, die Entscheidungen treffen sollen, deren Tragweite sie in innere Konflikte stürzen können – und denen sie sich nicht gewachsen fühlen.

          Die moderne Medizin fordere alle Beteiligten auf, genau zu bewerten, welche Lösung die beste für den Einzelnen sei. Nicht alles Machbare sei sinnvoll oder von dem Patienten gewünscht, sagt Knopf. Am Donnerstag wird die Arbeit der Ethikberatung in den Räumen der Landesärztekammer vorgestellt. Zu den Gästen gehören Haus- und Fachärzte. Sie sollen das Angebot nutzen, aber auch Angehörige über die Arbeit der Berater informieren.

          Die Ethikberater sind erreichbar von montags bis donnerstags jeweils von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 97672711.

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