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Straße in Wiesbaden : Ein Nazi als Namensgeber

Seit Jahrzehnten: Eine 300 Meter lange Straße im Komponistenviertel ist nach Hans Pfitzner benannt. Bild: Marcus Kaufhold

Der Komponist Hans Pfitzner gilt als ein unbelehrbarer Antisemit. Deswegen soll eine Wiesbadener Straße nicht länger nach ihm heißen, wie eine Initiative fordert. Doch es gibt Widerspruch.

          3 Min.

          Je näher die Abstimmung am 22. Januar rückt, desto größer wird der Druck auf den Wiesbadener Ortsbeirat Nordost. Ortsvorsteher Theo Baumstark (CDU) hat die Anrufe und Briefe nicht gezählt, die ihn in zunehmender Zahl erreichen. Und immer geht es um die Erinnerung an Hans Pfitzner. Nach dem 1949 verstorbenen Komponisten, Dirigenten und Autor politischer Schriften ist eine 300 Meter lange Straße im Komponistenviertel benannt. Ein Fehler, wie Baumstark ohne Zögern sagt. Nun geht es um die Frage, wie mit diesem Fehler umzugehen ist. Die Wogen schlagen hoch.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Knapp 500 Wiesbadener sind in der unscheinbaren Wohnstraße gemeldet. Die Hausnummern enden mit der Zahl 32. Benachbarte Straßen sind unter anderem nach den Komponisten Richard Wagner, Engelbert Humperdinck und Arthur Honegger benannt, und dabei soll es auch bleiben. Doch der 1869 in Moskau geborene Pfitzner gilt als überzeugter Antisemit, dessen Name aus dem Stadtbild verschwinden soll. Zumindest wenn es nach Renate Grigoleit und ihrer Initiative geht, die bislang 1200 Unterschriften für eine Umbenennung gesammelt hat. Dass Pfitzner noch immer die Ehre einer nach ihm benannten Straße widerfährt, wertet sie als „Schande für Wiesbaden“.

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