https://www.faz.net/-gzg-704bn

Pfingstreitturnier : Es hagelt Absagen

  • -Aktualisiert am

Er geht an den Start: Hubertus Schmidt. Bild: dpa

Die Niederländer sagen nach Kritik an ihren Reitmethoden für das Pfingstreitturnier ab. Auch die deutschen Reitstars fehlen in Wiesbaden.

          3 Min.

          „Die Holländer lade ich nicht mehr ein.“ Der Cheforganisator der Dressur beim Wiesbadener Pfingstreitturnier, Jochen Kettner, ist verärgert. Nach der Absage fast aller prominenter deutscher Dressurreiter haben nun auch die Niederländer um den ehemaligen Totilas-Reiter Edward Gal den Start im Viereck vor dem Biebricher Schloss abgesagt. Während die Deutschen nicht anders können, weil sie bei den wegen der Fußball-EM vorgezogenen deutschen Meisterschaften in Balve zur Olympia-Sichtung müssen, gibt es für die Absage aus den Niederlanden keinen Grund. Zumindest keinen offensichtlichen. Doch die Kritik an den holländischen Reitmethoden ist in Deutschland gerade wieder besonders laut. Missfallen am Abreiteplatz bekamen die Niederländer früher schon zu hören. Auch damals hagelte es Absagen für deutsche Turnierveranstalter.

          Natürlich gibt es im Biebricher Schlosspark so oder so einiges zu sehen. Ingrid Klimke und Hubertus Schmidt etwa sind beide Reitmeister - ein Titel, der nur selten und nur für herausragende Leistungen im Sattel im Sport und in der Ausbildung von Pferden verliehen wird. Frauen mit diesem Ehrentitel gibt es überhaupt nur zwei. Ingrid Klimke, Mannschaftsolympiasiegerin von 2008 in der Vielseitigkeit, ist eine davon. Sie wird in dieser anspruchsvollen Disziplin mit ihren Pferden Escada und Tabasco und mit Liostro in der Dressur antreten. Mit seinem talentierten Hengst Lento hat der Mannschaftsolympiasieger von 2004, Hubertus Schmidt, gerade das Hamburger Dressur-Derby gewonnen. Im Schlosspark wird er ihn im Grand Prix Special vorstellen. Mit Bukowski will er zudem in der Flutlichtkür am Sonntagabend auf Sieg reiten. Mit 285000 Euro Preisgeld pro Etappe ist die Global Champions Tour (GCT) die höchstdotierte Springsportserie der Welt, und mit fünf Sternen hält sie Höchstschwierigkeiten wie bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften bereit. Erstmals konnte sich der Wiesbadener Reit- und Fahrclub in diesem Jahr die attraktive Serie, zusätzlich zur ohnehin schon spannenden Riders Tour, sichern. Reichlich internationale Spitzenreiter haben sich dadurch in die hessische Landeshauptstadt locken lassen. Besonders häufig im Parcours zu sehen ist am Pfingstwochenende der Olympiazweite von 2008, Rolf-Göran Bengtsson. Der Schwede reist mit drei Pferden an und scheint in Olympiajahren immer einen besonderen Lauf zu haben. Gerade wurde er mit seinem Hengst Casall Zweiter bei der GCT in Hamburg. Mit ihm wird er auch in Wiesbaden starten. Edwina Tops-Alexander, Siegerin der GCT 2011, wird Bengtsson jedoch nicht allein das Feld überlassen. Wie immer wird die zierliche Amazone, Ehefrau von Tour-Veranstalter Jan Tops, vollen Einsatz bringen. Auch mit Pius Schwizer und Steve Guerdat ist zu rechnen. Die beiden Schweizer gehören zu den Olympia-Aspiranten ihres Landes, ebenso wie die Engländer Michael Whitaker und Ben Maher. Selbst Reiter aus den Vereinigten Staaten, wie Lauren Hough und Richard Spooner, kämpfen um das attraktive Preisgeld.

          Gerngesehene Dauergäste im Park

          Nur bei den deutschen Stars gilt auch im Springen: Fehlanzeige. Für den Vorjahressieger des Großen Preises, den viermaligen Olympiasieger Ludger Beerbaum, wird es keine Wiederholung geben. Ebenso wenig wie für Marco Kutscher, Christian Ahlmann und Marcus Ehning. Denn für sie heißt es: Vorreiten in Rom. Dort findet ein Nationenpreis statt, bei dem Bundestrainer Otto Becker den größten Teil seines Kaders sehen möchte. „Es kann nicht sein, dass einem Turnier wie Wiesbaden auch noch im Parcours die besten deutschen Reiter entzogen werden“, sagt Jochen Kettner, der auch für die GCT verantwortlich ist. „Eine solche vorolympische Sichtung hätte man bei dem internationalen Starterfeld auch bei uns abhalten können.“

          Dafür reiten außer der dreimaligen Wiesbaden-Siegerin Meredith Michaels Beerbaum drei deutsche Nachwuchshoffnungen auf Angriff: Philipp Weishaupt aus dem Stall von Ludger Beerbaum war Ersatzreiter bei der WM 2010 in Kentucky und der EM im vergangenen Jahr, und die erst 21 Jahre alte Katrin Eckermann hat zur Überraschung aller als Zweite die Riders Tour 2011 nur knapp hinter Ludger Beerbaum beendet. Der gleichaltrige Andreas Kreuzer wurde vergangenes Jahr auf Anhieb Dritter im Großen Preis von Aachen.

          Bei den Vielseitigkeitsspezialisten sind Stars wie Michael Jung und Ingrid Klimke gerngesehene Dauergäste im Park. Während Klimke zusätzlich noch in der Dressur startet, wird Multitalent Jung noch das ein oder andere Mal den Springreitern das Siegen schwermachen. Und die wissen: Mit dem amtierenden Welt- und Europameister in der Vielseitigkeit ist auch im Parcours zu rechnen.

          Weitere Themen

          Was Tourismus künftig leisten kann

          Urlaub in der Region : Was Tourismus künftig leisten kann

          Warum kommen die Leute in den Spessart? Und wie lässt sich der Tourismus mit dem Naturschutz vereinbaren? Ein Forschungsprojekt untersucht Potentiale des Urlaubs in der Region.

          Geldwäsche-Berichte setzen Deutscher Bank zu Video-Seite öffnen

          „Fincen-Files“ : Geldwäsche-Berichte setzen Deutscher Bank zu

          Die Aktien der Deutschen Bank und anderen Großbanken haben zum Wochenbeginn nach Medienberichten über Datenlecks bei der weltweiten Bekämpfung von Geldwäsche an Wert verloren. Im Zentrum: Die Deutsche Bank.

          Topmeldungen

          Paul Rusesabagina vor Gericht in Ruandas Hauptstadt Kigali am 14. September

          „Hotel Ruanda“-Star entführt : In der Höhle des Löwen

          Während des Völkermords in Ruanda rettete er Tutsi das Leben. Nun ließ Präsident Kagame den einstigen Helden Paul Rusesabagina entführen. Seinen Prozess will die Juristin Amal Clooney beobachten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.