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Pfarrer Nulf Schade-James : Das Reich Gottes, die CDU und die Liebe zu einem Mann

  • -Aktualisiert am

Meinungsstark: der evangelische Pfarrer Nulf Schade-James Bild: von Siebenthal, Jakob

Nulf Schade-James ist evangelischer Pfarrer im Gallus. Der Weg, offen mit seiner Homosexualität umzugehen, war nicht leicht, aber er hat in seiner Kirche einiges bewegt.

          4 Min.

          Nulf Schade-James ist ein Mensch, der meistens gut gelaunt ist. Er hat die Gabe, andere anzustecken mit seiner Fröhlichkeit. Der Geistliche aus dem Gallus ist aber auch jemand, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Wenn er sich aufregt, dann bekommt seine Umgebung auch das mit. Dieser Tage ist Schade-James nicht nur fröhlich, sondern immer wieder verstimmt.

          Wer nachfragt, erfährt, was den Pfarrer der Kirchengemeinde Frieden und Versöhnung so „maßlos ärgert“: die Debatte um die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften. Er ist „genervt“ von der Scheinheiligkeit in den Parteien, die ein „C“ in ihrem Kürzel haben. Hätte er „genug Geld“, dann würde er einen Prozess gegen die CDU führen, „um das ,C‘ herauszuklagen“. Die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren sei alles andere als christlich, meint Schade-James. Verantwortlich für den „menschenunwürdigen Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren“ macht der evangelische Theologe den unkritischen Blick auf die biblischen Texte und das Ausblenden des Hintergrunds dafür, dass im Christentum Homosexualität zur Sünde erklärt wurde. „Es gibt in der Bibel so viele Stellen, die eine Gesetzmäßigkeit fordern, an die wir uns doch auch nicht mehr halten, weil sie unzeitgemäß sind“, sagt er.

          Coming-out als „unvermeidbare Entscheidung“

          Schade-James ist einer der ersten evangelischen Pfarrer in Deutschland, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Und er ist Frankfurts erster Pfarrer, der mit einem Mann „verheiratet“ ist. Es war kein einfacher Weg, den der Vierundfünfzigjährige beschritten hat. Es war für ihn eine „unvermeidbare Entscheidung“, dass er sich als ein Mann der Kirche öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Schade-James sieht es nicht als einen Widerspruch an, schwul und evangelischer Geistlicher zu sein. Seine Kirche musste er aber erst davon überzeugen.

          Bevor er 1985 ein Vikariat antrat, hatte er die Kirchenleitung in Darmstadt darüber informiert, dass er homosexuell ist. Er musste versprechen, es nicht ohne Rücksprache in der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

          „In meiner Gemeinde habe ich nie Widerstand erlebt“

          Bei seiner Gemeinde im Gallus, in der er sich seit 1989 mit einer befreundeten Pfarrerin eine Stelle geteilt hatte, brauchte er nach Ablauf der Probezeit keine Überzeugungsarbeit mehr zu leisten. Der Vorstand der Kirchengemeinde wähle ihn, wissend, dass Schade-James homosexuell ist, einstimmig zum Pfarrer und gab ihm auch die Erlaubnis, mit seinem Mann in das Pfarrhaus einzuziehen. „In meiner Gemeinde habe ich nie Widerstand erlebt“, sagt Schade-James. Für diejenigen, die ihn als schwulen Pfarrer nicht gewollt hätten, sei es zu spät zum Protestieren gewesen. „Sie hatten ja mitbekommen, dass ich ein guter Pfarrer bin und ein Mann, der den Menschen zugewandt ist“, so Schade-James, der für viele nur der „Nulf“ ist. Diesen Spitznamen hatte ihm im ersten Semester seines Theologiestudiums eine Kommilitonin gegeben. Seinen eigentlichen Vornamen - Arnold - benutzt er kaum noch. Wert legt er hingegen auf seinen Doppelnamen, den er seit der Verpartnerung mit seinem langjährigen Lebensgefährten David im Mai 2002 trägt.

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