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Petra Roth im Beirat : Neues Domizil für Atelierfrankfurt

Bald ein Künstlerhaus: das Gebäude im Ostend. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Das Atelierfrankfurt, ein von einem gleichnamigen Verein getragenes und der Stadt Frankfurt gefördertes Künstlerhaus, zieht ins Ostend und vervierfacht dort seine Fläche.

          Das Atelierfrankfurt, ein von einem gleichnamigen Verein getragenes und der Stadt Frankfurt gefördertes Künstlerhaus mit vielen Ateliers und Ausstellungsflächen im Gallus, zieht ins Ostend und vervierfacht dort seine Fläche. Das neue Domizil an der Schwedlerstraße bietet Platz für 160 bis 200 Ateliers, am alten Standort war nur Raum für 45. Außerdem soll das Atelierhaus zu einem Kulturzentrum ausgebaut und um die Sparten Tanz, Theater, Musik und Design ergänzt werden. Auch mehr Gastateliers für internationale Künstler sind geplant. „Das hebt das Atelier in eine andere Dimension“, sagte der Vorstand Jörg Mugrauer am Montag.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Laufe des ersten Halbjahrs 2013 will das Atelierfrankfurt umziehen. Im Haus Schwedlerstraße 1-5 stehen der Künstlergemeinschaft künftig 9000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Der Eigentümer und Kunst-Sammler Michael Loulakis bietet das bis vor einem Jahr von der Commerzbank als Aktenlager genutzte Gebäude bis 2018 für eine Miete von zwei bis fünf Euro pro Quadratmeter an. Eine Verlängerung des Vertrags ist möglich.

          Loulakis zufolge ist das Gebäude für die Zwecke des Atelierfrankfurt ideal. Das 1912 errichtete Bürohaus im Osthafen war einst der Firmensitz der Lebensmittel-Einzelhandelskette Jakob Latscha und beherbergte später die Verwaltung der Alexander Loulakis Getränkevertrieb GmbH. Der Vater des jetzigen Eigentümers hatte eine Leidenschaft für Schellackplatten. Diese Sammlung mit mehr als 400000 Titeln und Michael Loulakis’ eigene Kunstsammlung sind schon heute an der Schwedlerstraße zu sehen.

          Die Betriebskosten für das neue Atelierhaus sind bisher zu 80 Prozent gedeckt: Die Hälfte zahlen der Verein und die Künstler, 15 Prozent stammen vom Kulturamt, weitere 15 Prozent übernimmt Loulakis selbst. Für die übrigen 20 Prozent, eine jährliche Summe von 100000 bis 120000 Euro, werden noch Förderer gesucht. Ungedeckt sind auch noch die Umbaukosten. Um Zwischenwände und Türen in dem weitgehend intakten Gebäude einzuziehen, fehlen noch 300.000 bis 350000 Euro. Loulakis zufolge ist die Bausubstanz gut. Erst vor fünf Jahren sei die Heizung ausgetauscht worden.

          Das Künstlerhaus ist nicht nur als Arbeitsraum und wegen seiner Ausstellungen, sondern auch als Veranstaltungsort beliebt. Ein Clubraum an der Hohenstaufenstraße wurde zunächst von der Veranstaltungsreihe „Freitagsküche“, später vom „Salon Noir des Artistes“ genutzt. Auch im neuen Domizil soll es eine Kantine als „Kommunikationsraum“ geben, sagt Projektleiterin Corinna Bimboese. In der Nachbarschaft wird zudem der Kunstverein Familie Montez sesshaft, der in einen der Bögen der Honsellbrücke zieht.

          Unklar ist noch, wie es am alten Standort weitergeht

          Bimboese beschreibt das Atelierfrankfurt als „sehr lebendigen und etablierten Off-Space“. Mit dem Umzug wachse es zur größten Einrichtung seiner Art im Rhein-Main-Gebiet. Die Zielgruppe seien vor allem junge Künstler. Jedes Jahr werden in fünf Blöcken gleichzeitig drei bis sechs Ausstellungen gezeigt.

          Unklar ist noch, wie es am alten Standort weitergeht. Das Atelierfrankfurt wurde 2004 gegründet und nutzt seither das frühere Hauptverwaltungsgebäude der Andreae-Noris Zahn AG an der Hohenstaufenstraße 13-25, das zuletzt Teil des Polizeipräsidiums war. 80 Prozent der Räume sind an bildende Künstler vermietet, die übrigen an Grafiker, Filmemacher und Architekten. Der Projektentwickler CA Immo hatte die Immobilie 2008 vom Land erworben, weil sie zum Teil dem Neubau des Büroturms Tower185 im Weg stand. Der Mietvertrag mit der Künstlergemeinschaft wurde für fünf Jahre bis Herbst 2013 zu günstigen Konditionen verlängert. Bimboese dankte dem Eigentümer gestern für diese „großartige Unterstützung“.

          Künstler brauchten preiswerte Räume

          „Die Nutzung war temporär gedacht“, sagte ein Sprecher von CA Immo auf Anfrage. Wie es mit dem Altbau weitergeht, werde man sehen, wenn das nahgelegene Einkaufszentrum Skyline Plaza fertig ist. Anders als von Atelierfrankfurt dargestellt, müsse das Gebäude aber nicht einer Straße weichen. Diese Taxi-Vorfahrt auf der Rückseite des Tower 185 sei bereits fertig. Es gibt Stimmen, die auf eine Erhaltung des Altbaus drängen. Anders als das 1915 errichtete Polizeipräsidium steht das dem Augenschein nach aus der gleichen Epoche stammende Gebäude aber nicht unter Denkmalschutz. Wie zu hören ist, soll die Bausubstanz angeblich marode sein.

          Das Kulturamt hat die neue Bleibe vermittelt. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) ist mit der Lösung zufrieden. „Es gibt dem Atelierfrankfurt einen wirklichen Schub.“ Gerade für Absolventen der hiesigen Kunsthochschulen sei das Angebot attraktiv. Künstler brauchten bezahlbare Ateliers. „Es ist wichtig, dass Produktionsorte in der Stadt sind und nicht JWD.“ Im Ostend entstehe ein neues Kraftzentrum für die zeitgenössische Kunst. Die unter anderem im Atelierfrankfurt angebotene Ausstellungsreihe „Open Doors“ solle künftig unter dem Titel „Frankfurter Ateliertage“ stattfinden.

          Als neue Vorsitzende des Beirats will die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) das Atelierfrankfurt ehrenamtlich unterstützen. „Ich will mein hervorragendes Netzwerk in der Kunst- und Kulturszene nutzen“, sagte sie unter dem Applaus der Künstler. In Konkurrenz zu anderen Städten sei es „ungeheuer wichtig“, den Künstlern preiswerte Räume zu bieten. „Der Wettbewerb der Städte geht über die Kultur“, sagte Roth.

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