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Peter Maffay-Konzert : Noch viel zu erzählen

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Nicht ohne seine akustischen Gitarre: Peter Maffay beim Konzert in der Frankfurter Festhalle. Bild: Wonge Bergmann

Mit der akustischen Gitarre über sieben Brücken: Peter Maffay samt großem Ensemble gastiert in der komplett bestuhlten Frankfurter Festhalle.

          „MTV Unplugged“ und kein Ende. Kaum hakte Marius Müller Westernhagen die letzten Termine ab und kündigte neue für den Sommer 2018 an, zeigt sich mit Peter Maffay der nächste Großmeister aus dem deutschen Rock-Betrieb vom Virus befallen. Eine Infektion, die auch schon die Kollegen Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Scorpions, Die Ärzte, Die Toten Hosen und Die Fantastischen Vier befiel. Man sollte sie nicht unterschätzen. Denn es gilt, einen ganzen Abend lang im Sitzen sämtliches Material akustisch zu spielen. Ganz so schlimm kann es aber gar nicht werden, denn in einer Großraumarena findet schließlich auf jeden Fall lindernde Technik ihren Einsatz. Aber das Gesamtpaket „MTV Unplugged“ mit Fernsehausstrahlung, Auswertung auf CD und DVD sowie Motto-Tournee durch die Republik verspricht lukrative Einnahmen. Steht so ein Ereignis an, fallen von Künstlerseite aus nicht selten salbungsvolle Worte wie „Herausforderung“, „Wahrhaftigkeit“ und „Leidenschaft“.


          Auch Peter Maffay, dessen Durchbruch 1970 noch als Schlagerinterpret stattfand und der später in moderate Rock-Gefilde wechselte, macht da keine Ausnahme. Erzielte Maffay doch mit seinem Album „MTV Unplugged“ doch seine 18. Nummer-eins-Notierung in den Media Control Charts. In der komplett bestuhlten Frankfurter Festhalle erklärt er nach recht stürmischem Auftakt mit der von bluesiger Mundharmonika unterfütterten Rhythm'n'Blues-Ode „Bring mich nach Haus“ sein derzeitiges abendliches Steckenpferd: „Immer wieder ein Fest, die Halle mit den vielen fröhlichen Gesichtern. Wir werden uns noch viel zu erzählen haben, das heißt: wir euch“, sagt der 68 Jahre alte Haudegen kumpelhaft. Es folgen zwei Stunden einer mehr oder weniger unverstärkt bestrittenen Werkschau.

          Ein skurriles Sammelsurium

          Ein ziemlich umfangreiches Ensemble samt Chor, Blechbläsern, Perkussionisten, einer Geigerin sowie den üblichen Verdächtigen aus Schlagzeuger Bertram Engel, Gitarrist Carl Carlton und Keyboarder Pascal Kravetz assistieren der edelzerknitterten Lederhaut ebenso wie diverse Sangesgäste. Johannes Oerding hüpft schon recht früh am Abend und nicht zum letzten Mal bei der melancholischen Endzeitballade „Eiszeit“ ins Rampenlicht, um den Klassiker mit satt ins Soulige driftender Falsetteinlage zu veredeln. Mit großer Spielfreude streunen Maffay und die Seinen durchs handverlesene Repertoire. Tatsächlich handelt es sich um ein skurriles Sammelsurium aus nahezu vierzig Jahren. Grub der unermüdliche Tausendsassa zahlloser Projekte sowohl künstlerischer wie auch sozialer Natur doch bei der Auswahl ganz tief in der eigenen Mottenkiste, um vom Publikum stürmisch beklatschte und textsicher mitgesungene Preziosen wie „So bist Du“ oder „Und es war Sommer“ zutage zu fördern. Nicht fehlen darf unter weiterem Einsatz von Oerding das einst massiv erfolgreiche Karat-Cover „Über sieben Brücken musst Du geh'n“, aus einer Ära, als der von Mauer und Stachdrahtzaun getrennte deutsche Osten noch DDR hieß.


          Durch stilistische Vielfalt zeichnen sich die zahllosen Neu-Arrangements aus. Maffay und Konsorten, darunter auch der in Dietzenbach ansässige Bassist Ken Taylor samt singendem Sohnemann Leon, lassen von Slide- und Pedal-Steel-Gitarren umflorten, Blues, Americana, Rhythm'n'Blues, Rock und Rock'n'Roll ebenso erklingen, wie sie gerne wuchtig Episches bei Bruce Springsteen mit saftigen Saxofonsoli abkupfern.


          Als weiterer Weggefährte aus alten Tagen gesellt sich der Amerikaner Tony Carey hinzu. Carey, einst Keyboarder bei Ritchie Blackmores Rainbow, steuert die gefühlvolle Ballade „Room With A View“ bei. Mit Sängerin Elif als Unterstützung gelingen der Tabaluga-Evergreen „Ich wollte nie erwachsen sein (Nessajas Lied)“, „Sonne in der Nacht“ und „Freiheit die ich meine“. Das Beste kommt zum Schluss: Im Finale lässt der harte Kern der Maffay-Band in wüster Hardrock-Manier weitere gut abgehangene Oldies donnern. Nunmehr mit elektrifizierten Instrumenten.

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