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Peter Kohlgraf : Neuer Mainzer Bischof will Seelsorger bleiben

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Neuer Bischof von Mainz: Theologieprofessor Peter Kohlgraf Bild: dpa

Der Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann als Bischof von Mainz ist gefunden. Er heißt Peter Kohlgraf und ist in Mainz kein Unbekannter.

          Der künftige Mainzer Bischof Peter Kohlgraf will auch in seinem neuen Amt auf die Menschen zugehen und ihnen zuhören. „Ich hoffe, dass ich auch als Bischof wirklich Seelsorger bleiben kann“, sagte der 50-Jährige am Dienstag in Mainz. Kohlgraf wird nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz der jüngste Bischof einer Diözese in Deutschland sein. Derzeit ist er Dekan des Fachbereichs Praktische Theologie an der Katholischen Hochschule Mainz und Pfarrvikar in Rheinhessen. Er übernimmt den Dienst für die rund 740 000 Katholiken des Bistums in Hessen und Rheinland-Pfalz. Sein Vorgänger Kardinal Karl Lehmann war vor knapp einem Jahr an seinem 80. Geburtstag in den Ruhestand gegangen.

          Lehmann lobte seinen Nachfolger in dem traditionsreichen Amt: „Er ist nicht nur geeignet, sondern wird uns viel Freude machen“, sagte er bei der Vorstellung von Kohlgraf im Mainzer Dom. Kohlgraf verbinde die Theologie und den praktischen Glauben ganz konkret. Der neue Bischof bekräftigte, dass er in seinem Amt auf das Miteinander setzen wolle. „Ein Bischof bleibt ein normaler Mensch, der Hilfe und Weggefährten braucht“, sagte Kohlgraf. Ein Termin für seine Bischofsweihe steht noch nicht fest. Bis dahin leitet Prälat Dietmar Giebelmann das Bistum.

          Marx: Hirte und Seelsorger

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, setzt auf den neuen Bischof als Hirte und Seelsorger. „Vermitteln Sie den Menschen (...) eine Kirche, die zuhört und begleitet, eine Kirche, die hilft und Richtung gibt“, teilte Marx an Kohlgraf gerichtet mit. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, hofft auf eine Fortsetzung der engen ökumenischen Verbundenheit.

          Kohlgraf stammt aus Köln. Dort wurde er am Erzbischöflichen Priesterseminar ausgebildet und 1993 zum Priester geweiht. Mehrere Jahre lang war er Seelsorger und Religionslehrer in Schulen im Erzbistum Köln. Im Jahr 2000 promovierte er in Bonn, im Jahr 2010 habilitierte er sich in Münster. 2012 ernannte ihn Lehmann zum Professor für Pastoraltheologie an der Katholischen Hochschule Mainz. Seit diesem Wintersemester ist er Dekan.

          Kardinal Lehmann „glücklich“

          Kohlmann schien selbst überrascht über die Ernennung durch Papst Franziskus. „Ich hatte mich irgendwie auf einen ruhigen Lebensabend in den rheinhessischen Weinbergen eingestellt“, sagte er. Denke er an seine große Aufgabe, dann verspüre er ein „Beben und Zittern“. Allerdings empfinde er das Amt auch nicht als Bedrohung - dafür habe ihn sein Vorgänger mit zu großer „Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit“ empfangen.

          Kardinal Lehmann gilt als einer der prominentesten deutschen Katholiken. Er war 33 Jahre lang Bischof in Mainz und lebt dort auch weiter. Als langjähriger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Buchautor genießt er weltweit Ansehen. Mit zahlreichen Beiträgen prägte er immer wieder Debatten in der Öffentlichkeit mit. An Kohlmann gewandt sagte er bei der Vorstellung: „Ich bin sehr glücklich, dass Sie mein Nachfolger sind.“

          Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nennt Kohlgraf einen Seelsorger mit klarem Blick für die Menschen. Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) will mit dem neuen Bischof den „intensiven Dialog“ zwischen Politik und Kirche fortsetzen.

          Für einige Monate gab es in den benachbarten Bistümern Mainz und Limburg eine Doppelvakanz. In Limburg hatte Franz-Peter Tebartz-van Elst 2014 seinen Posten verloren, weil er unter anderem wegen der Kostenexplosion beim Bau des neuen Bischofssitzes in der Kritik stand. Kohlmann sagte, er brauche in seiner Bischofswohnung nur ein Bett, einen Stuhl - und Platz für seinen Flügel.

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