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Für die Mülleimer zuständig : Der Herr der Papierkörbe

Kennt die Stadt, ihren Rhythmus und ihre Mülleimer: Peter Hilbert Bild: Wolfgang Eilmes

Aus Kunststoff oder Metall, mit Aschenbecher oder ohne: Gut 7500 Mülleimer gibt es auf den Straßen und Plätzen der Stadt. Peter Hilbert kennt die Geschichte jedes einzelnen.

          3 Min.

          Er hat jeden von ihnen montiert und weiß genau, wo sie stehen: die 7500 Frankfurter Abfalleimer. Nur jene, die in den Parks und Grünanlagen, am Mainufer und an den Haltestellen von Bussen und Bahnen stehen, sind Peter Hilbert nicht vertraut. Für die sind andere zuständig. Von allen anderen kennt der Dreiundsechzigjährige die Typbezeichnung und die Gewichtsklasse, er weiß um ihre Macken und kennt ihre Vor- und Nachteile – denn der „Schwanheimer Bub“, wie Hilbert sich selbst bezeichnet, arbeitet für die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH, kurz FES, und ist dort für das Aufstellen und Austauschen der Papierkörbe im öffentlichen Raum zuständig. Als er diese Aufgabe vor 32 Jahren übernahm, gab es noch keine FES, sondern nur das Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung. Ende Februar geht er in Rente.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Besondere sind aber nicht die vielen Jahre, die Hilbert nun schon im Dienste der FES bei Wind und Wetter in der Stadt unterwegs ist. Das geht auch anderen in dem Unternehmen, das zur Hälfte der Stadt gehört, so. Aber Hilberts Job gibt es im Grunde nur einmal – und darum gibt er ihn im nächsten Jahr vertrauensvoll an einen von ihm selbst ausgesuchten Nachfolger weiter. Der heißt Ronny Wagner und ist auch schon seit 35 Jahren bei der FES. Wagner stamme aus Nied, sagt Hilbert. Und er sei wie er selbst: immer zuverlässig. Das sei wichtig.

          „Ich arbeite sehr autonom“

          Hilbert arbeitet eigenständig. Kein Vorgesetzter schreibt ihm einen Einsatzplan. „Ich habe schon eine besondere Position“, sagt er, „ich arbeite sehr autonom.“ Auch darum hat er Freude an seiner Arbeit. Und weil sie „so abwechslungsreich“ ist. Bei den Kollegen gilt Hilbert wegen seiner unkomplizierten, freundlichen und zupackenden Art schon jetzt als Legende. Er kennt alle Kniffe, wenn es um Mülleimer geht. Und so weiß er zum Beispiel auch, wann man am besten auf die Zeil fährt, um einen der 50 Kilogramm schweren 100-Liter-Metallmülleimer, die dort im Boden verankert sind, auszutauschen.

          Immer im Einsatz: Peter Hilbert ist für mehrere tausend Mülleimer in der Stadt zuständig.

          Hilbert kennt seine Stadt und ihren Rhythmus. Und er weiß auch, wann er sich geschlagen geben muss, wie etwa damals, als er an der Mainzer Landstraße einen jener blauen Kunststoffpapierkörbe mit dem Schriftzug „Wir sind für Sie da – FES“, Typus V 3000, anbringen sollte. Den brannten Unbekannte nach nur wenigen Tagen ab. Und als er dann das Modell in der viel teuereren Aluminiumausführung anbrachte, das aus Brandschutzgründen auch in den U-Bahnhöfen genutzt wird, habe den jemand nach kurzer Zeit kaputtgetreten. „Nun gibt es dort eben keinen Papierkorb mehr“, sagt Hilbert. Das könne man gegenüber dem Steuerzahler nicht vertreten.

          Auf dem kleinen Dienstweg

          Dass jedes Jahr in der Silvesternacht zwischen 50 und 60 Mülleimer zerstört werden, nimmt Hilbert dagegen relativ gelassen hin. „Das ist eben so.“ Zumindest kann er sich darauf verlassen, dass ihn die Kollegen, die mit Kehrmaschinen und Besen unterwegs sind, anrufen, wenn sie einen abgerissenen, zusammengeschmolzenen oder ramponierten Abfallbehälter entdecken. „Das machen wir alles auf dem kleinen Dienstweg“, sagt Hilbert, „sonst würde es zehn bis 14 Tage dauern, ehe ein Neuer beantragt wäre.“ 15 bis 20 Papierkörbe montiert Hilbert jeden Tag. Für keinen braucht er länger als 15 Minuten. Dass er sich durch das Anbringen der zum Teil schweren Metalleimer noch keine körperlichen Beschwerden eingehandelt hat, führt er auf sein Sportprogramm zurück: Hilbert ist Fußballtrainer beim TuS Hornau in Kelkheim, bis zu seinem 50. Geburtstag hat er selbst noch gekickt. Wird Hilbert über Schäden informiert, kann er das mitunter sofort erledigen. Er braucht keine Karte, keinen Computer. Wo seine Körbe hängen und um welches Modell es sich jeweils handelt, das hat er im Kopf. Und ein kleines Sortiment der insgesamt zehn verschiedenen Behältnis-Typen, die die FES mittlerweile nutzt, hat er immer in seinem Fahrzeug parat.

          Auch seinen Favoriten: den blauen V 3000 mit Aschenbecher. Gut 2000 Exemplare gibt es davon in der Stadt, manche noch in Orange und ohne den Metall-Aschenbecker im Deckel. Sie müssen aus Brandschutzgründen ausgetauscht werden, und Hilbert will das bis Ende Februar noch schaffen. Bis vor kurzem musste er wegen der Sauberkeitskampagne #clean ffm aber erst einmal 500 zusätzliche grüne Papierkörbe installieren.

          In dieser Woche war Hilbert für den Weihnachtsmarkt im Einsatz: 70 Papierkörbe auf dem Römerberg, dem Paulsplatz, an der Neuen Kräme und auf dem Friedrich-Stoltze-Platz musste er abmontieren, weil der Markt mit eigenen Mülleimern bestückt wird. Deshalb ist er dann auch am 24. Dezember wieder im Einsatz; Er muss die Papierkörbe wieder installieren, damit für das Große Stadtgeläut am Heiligen Abend und für die Weihnachtsfeiertage alles gerichtet ist. Aber das macht ihm nichts aus. Denn – wie Nachfolger Wagner es so passend formuliert: „Die Papierkörbe, die sind schon sein Ding.“

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