https://www.faz.net/-gzg-agm14

Frankfurter Fotografie Forum : Im Auge des Betrachters

Die Witwe von Peter Fink brachte viele seiner Werke vor mehr als 20 Jahren nach Frankfurt. Bild: F.A.Z.

Die Schau „My Mind’s Eye“ im Fotografie Forum zeigt das vielschichtige Werk des amerikanischen Fotografen Peter Fink. Der Künstler entdeckte die Kamera erst spät. Dann wurde sie aber zu seinem ständigen Begleiter.

          3 Min.

          Als Fotograf war Peter Fink ein Spätberufener. Der im Jahr 1907 in Grand Rapids als Samuel Nelson Peter Finkelstein geborene Amerikaner arbeitete nach einem Kunststudium in Chicago zunächst als Designer, unter anderem in der Teppichindustrie. So kam er in den frühen Vierzigerjahren nach New York, wo er als Art Director für V’Soske, einen Spezialisten für massgefertigte Teppiche mit den Designs amerikanischer Künstler, tätig war. In jener Zeit, in seinen Dreißigern, begann er zu fotografieren, auf Farbfilm dokumentierte er die kunstvollen Webwaren.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch schon bald war ihm die Kamera mehr als nur Mittel zur Dokumentation. Mit einem ausgeprägten Sinn für Schönes gesegnet und in einer Welt von Kunst, Design, Mode und Luxus unterwegs, speicherten die Fotografien nicht nur Finks Eindrücke, sondern auch seinen Blick auf die Dinge und die Welt. Die Kameralinse war sein Aufnahmegerät und sein Übersetzer – „my mind’s eye“, wie er es einmal beschrieb und wie nun eine vorzügliche Retrospektive seines Werks im Fotografie Forum Frankfurt betitelt ist. Die zeigt 242 Objekte, darunter mehr als 200 Vintage Prints aus dem Nachlass des 1984 verstorbenen Fotografen, der zu den Stars seiner Zeit gehörte und heute doch fast schon vergessen ist, obwohl seine Arbeiten in bedeutenden Sammlungen, darunter etwa in dem Metropolitan Museum of Art in New York, der Bibliothèque Nationale in Paris und dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, zu finden sind.

          Ein ständiger Begleiter

          Wenn nun ausgerechnet in Frankfurt an Peter Finks fotografisches Werk erinnert wird, hat dies mit familiären Verbindungen zu tun. Über die Witwe des Fotografen, Monique Fink, war dessen umfangreiches Archiv vor mehr als zwanzig Jahren nach Deutschland gelangt, wo es aber, von zwei kleineren Ausstellungen 1999 in den damaligen Amerika-Häusern in Frankfurt, Mainz und Heidelberg sowie 2005 in der Kunsthalle Mannheim abgesehen, in Speditionsräumen lagerte, bis im Jahr 2018 Moniques Bruder, der Frankfurter Anwalt Robin Fritz, beim Fotografie Forum anfragte, ob es Interesse gäbe, dieses Archiv intensiv zu sichten. Nur zu gern machten sich Andrea Horvay und Celina Lunsford (die seinerzeit an der Konzeption der Ausstellungen in den Amerika-Häusern beteiligt war) an die Arbeit und wurden nicht nur von der Menge, sondern auch von der Qualität und Vielschichtigkeit des Nachlasses überrascht.

          Den Markt in Tripoli fotografierte Fink 1965. Bilderstrecke
          Peter Fink : Fotos aus der „Schau“

          Hatte Fink anfangs die Kamera zur Dokumentation benutzt, wurde sie ihm schon bald zum ständigen Begleiter und auch zum Arbeitsgerät. Fink war nämlich zum französischen Modelabel Lucien Lelong gewechselt, wo er nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war, sondern auch selbst Mode fotografierte und in diesem Zuge eine intensive Reisetätigkeit begann, die er bis ins hohe Alter pflegte. Sowohl dienstlich als auch privat war er in vielen europäischen Ländern sowie in Nordafrika unterwegs, wo er aber nicht nur Mode fotografierte oder Designstudien dokumentierte, sondern auch seine Eindrücke von den Örtlichkeiten und dem dortigen Leben festhielt.

          Architektur und Natur

          Auf diese in aller Welt entstandenen Aufnahmen haben Lunsford und Horvay den Schwerpunkt der Ausstellung gelegt, die Fink als einen Meister der Street Photography zeigt, der mit einem besonderen Auge für den Moment Motive voller Intensität festhielt. In ihrer Qualität sind diese Straßenszenen jenen Fotos berühmter Zeitgenossen Finks etwa von der Agentur Magnum ebenbürtig und wirken zudem oft nachgerade poetisch. „Peter Fink war ja kein Agenturfotograf mit einem bestimmten Auftrag und daher auch keinem Druck ausgesetzt. Er konnte sich also Zeit lassen“, beschreibt Celina Lunsford einen wichtigen Aspekt in Finks Tätigkeit, der erst in den Sechzigerjahren begann, auch Auftragsserien etwa für die American Federation of Art oder das berühmte Magazin Life zu fotografieren, dabei aber keinem Produktionsdruck ausgesetzt war.

          Neben Mode, Design und Porträts von Berühmtheiten wie Brigitte Bardot widmete sich Fink zunehmend der Architekturfotografie und begann nun auch zu experimentieren, etwa mit der Wirkung von Spiegelungen, wie seine eindrucksvolle Serie „Refractions“, die Fassaden von Hochhäusern in New York, Chicago oder San Francisco in geradezu abstrakter Weise präsentiert. Sie stehen in reizvollem Kontrast zu einer weiteren Facette in Finks Werk, der Naturfotografie. 1966 hatte sich der Fotograf, der in New York im berühmten Dakota Building am Central Park und damit in der Nachbarschaft von Prominenz wie John Lennon und Yoko Ono wohnte, eine Scheune im ländlichen Connecticut zum Atelier umgebaut, wo er mit Hingabe Pflanzen und Blumen fotografierte. Wenn diese Aufnahmen an die Gemälde alter Meister in den Museen erinnern, ist das nur folgerichtig. Fink, der selbst zu Lebzeiten Aufnahme in Museumssammlungen gefunden und dessen Arbeiten weltweit in gut fünfzig Einzelausstellungen präsentiert worden waren, sah sich zuvörderst der Schönheit verpflichtet.

          „My Mind's Eye“ ist bis 9. Januar 2022 im Fotografie Forum Frankfurt, Braubachstr. 30–32, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 18 Uhr. Ein Katalog und eine Sonderedition mit vier Originalabzügen von Fink-Fotografien sind erschienen.

          Weitere Themen

          Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

          Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

          Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

          Topmeldungen

          NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel

          Verteidigungsplanung der NATO : Die Kunst flexibler Abschreckung

          Die NATO richtet ihre Verteidigung auf hybride Kriegsführung aus. Nun wird ermittelt, was die Mitglieder dafür können müssen. Das ist auch für die nächste Bundesregierung von Bedeutung.
          IWF-Chefökonomin Gita Gopinath

          Führungswechsel : Chefvolkswirtin verlässt den IWF

          Gita Gopinath geht zurück an die Harvard-Universität. Ihr Rücktritt erfolgt in einer Zeit, in der die Chefin des Währungsfonds in der Kritik steht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.