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Feldmann und die Kita-Affäre : Gut bezahlte Nebenrolle

Klärungsbedarf: Zübeyde und Peter Feldmann am Abend der Wiederwahl des Oberbürgermeisters Bild: Wonge Bergmann

Als Zübeyde Temizel noch am Konzept für eine Kita in Wiesbaden gearbeitet haben soll, besichtigte Peter Feldmann schon die „Dostluk“-Baustelle in Frankfurt. Und das ist längst nicht die einzige Ungereimtheit in der Sache.

          8 Min.

          Im Sommer 2015 berichtet das türkische Nachrichtenportal „Isvec Postasi“ über Pläne zur Eröffnung der deutsch-türkischen Awo-Kita „Dostluk-Freundschaft“ im Frankfurter Ostend. Der Artikel listet auf, wer sich alles um dieses Projekt verdient gemacht hat, und zeigt die Akteure im Bild. Zu sehen ist unter anderen das Ehepaar Hannelore und Jürgen Richter, damals noch die Geschäftsführer der Awo-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden, außerdem Klaus Roth, Abteilungsleiter Kindertagesstätten im Kreisverband Frankfurt. Am Bildrand, fast ein wenig schüchtern neben Jürgen Richter, dessen Brust vor Stolz geschwellt ist, sitzt eine junge Frau. Es ist Zübeyde Temizel. Sie soll die Kita einmal leiten.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zübeyde Temizel heißt mittlerweile mit Nachnamen Feldmann, im Frühjahr 2016 heiratete sie den Frankfurter Oberbürgermeister. Das Ehepaar steht seit geraumer Zeit in der Kritik, weil die seinerzeit 29 Jahre alte Temizel ohne nennenswerte Berufserfahrung Leiterin der im September 2015 eröffneten Kita wurde und dafür ein ungewöhnlich gutes Gehalt sowie einen Dienstwagen bekam. Zur Begründung gibt die Arbeiterwohlfahrt an, dass die Kita „Dostluk“ ein Leuchtturmprojekt sei, das „besonders hohe Ansprüche“ an eine Leitung stelle. Das Konzept stamme von Zübeyde Feldmann, die dafür nicht auf bestehende Modelle habe zurückgreifen können. Der Oberbürgermeister, der nach eigenen Angaben an der Gründung der Kita maßgeblich beteiligt war, hat außerdem bestritten, in der Sache Einfluss genommen zu haben – oder dass der Job aus persönlicher Gefälligkeit vergeben wurde. Stattdessen lobte er den außerordentlichen Fleiß seiner Frau, die sich in die Sache richtig „reingekniet“ habe.

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