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Porträt : Frankfurter Gesichter: Dieter Heitkamp

Für Verbindungen, die sich später als folgerichtig erweisen und neue Räume öffnen, ist Dieter Heitkamp Fachmann. Das fängt schon damit an, dass der Choreograph und Tanzprofessor eigentlich Kunst studieren wollte.

          Für Verbindungen, die sich später als folgerichtig erweisen und neue Räume öffnen, ist Dieter Heitkamp Fachmann. Das fängt schon damit an, dass der Choreograph und Tanzprofessor, der seit 2001 die Abteilung Zeitgenössischer und Klassischer Tanz (ZuKT) an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst leitet, eigentlich Kunst studieren wollte. Weil er wegen angeblich mangelnder künstlerischer Eignung abgelehnt wurde, tat er eben das Zweitliebste: Er studierte in Berlin Sport und Biologie. Das eine, weil ihn die Bewegung faszinierte, das andere, weil er der organischen Beschaffenheit, der des menschlichen Körpers zumal, auf den Grund gehen wollte.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass Heitkamp, Jahrgang 1957, dann doch noch in der Klasse des Fotokünstlers Dieter Appelt an der Berliner Hochschule der Künste studiert hat, straft nicht nur die ersten Gutachter Lügen: Im Dreiklang der Fächer ist aus Heitkamp ein Hauptvertreter der sogenannten Kontaktimprovisation geworden, die er vor 30 Jahren als einer der ersten in Deutschland praktizierte.

          Was das ist, hat er gerade erst im Frankfurter Mousonturm mit seinen Studenten in der Tanzvorlesung "Hautsache Bewegung" gezeigt, klug, leicht, ernst und doch auch voller Schalk und Ironie - was man auch auf den vielen Porträts sieht, die der Fotograf Udo Hesse von ihm gemacht hat und die bis zum 8. Juni im Goethe-Institut (Diesterwegplatz 72) zu sehen sind. Dass im jüngsten Projekt, das Heitkamp mitverantwortet, nämlich dem von der Bundeskulturstiftung geförderten Netzwerk "Tanzlabor21/Rhein-Main", nicht nur die Tanzausbildung und der Aufbau junger Choreographen, sondern auch die Vermittlung von Tanz ans Publikum vorangetrieben werden soll, fügt sich da nahtlos ins Bild.

          Weit in die achtziger Jahre

          Vielleicht, weil Kontaktimprovisation in der Essenz "Berühren und berührt werden" bedeutet. Und die Technik wohl bewirkt, was der international gefragte Meister von ihr behauptet: Sie vermittle Erfahrungen, die auch in anderen Lebensbereichen fruchtbar würden.

          Heitkamp selbst hat mit der Kontaktimprovisation zum Tanz gefunden und in Berlin prompt mit Gleichgesinnten die legendäre Tanzfabrik begründet, an der er 20 Jahre lang als Choreograph, Tänzer und Organisator tätig war. Sein Einsatz für freie professionelle Tänzer und für seine Studenten, von denen sich etliche Absolventen im neugegründeten "Tanzlabor"-Projektensemble wiederfinden, speist sich aus diesen Erfahrungen: Seit er 1998 als Gastprofessor nach Frankfurt kam, treten die jungen Tänzer vom ersten Jahr an öffentlich auf, in "Projekten", die beim Publikum außerordentlich beliebt sind. Dort zeigen sie sich als Choreographen, als klassische Solisten und in Heitkamps eigenen Arbeiten - neuen und solchen wie "Pizza Girl", das vor 20 Jahren für William Forsythe entstand. Denn Heitkamps Beziehung zu Frankfurt reicht weit in die achtziger Jahre und bis ans legendäre TAT zurück, wo Festivals den zeitgenössischen Tanz "Bestandsaufnahmen" unterzogen. Eine logische Linie zum Tanzlabor, das er nun mit zum Erfolg führen will.

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