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Perönlich : Frankfurt und Frankfurter: Diether Dehm

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Diether Dehm ist eigentlich diplomierter Heilpädagoge. Das haben wir bisher nicht gewußt und sind deshalb um so erfreuter, daß er es in seiner Bewerbung für eine Bundestagskandidatur bei der PDS Niedersachsen erwähnt hat.

          Diether Dehm ist eigentlich diplomierter Heilpädagoge. Das haben wir bisher nicht gewußt und sind deshalb um so erfreuter, daß er es in seiner Bewerbung für eine Bundestagskandidatur bei der PDS Niedersachsen erwähnt hat. Jetzt verstehen wir viel besser das ausgeprägte Sendungsbewußtsein des früheren Frankfurter Stadtrats, der 1998 aus der SPD ausgetreten ist und es danach bei der PDS bis zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gebracht hat. Irgendwann in seiner revolutionären Jugend wollte der Heilpädagoge Dehm offenbar nicht mehr einzelne Kinder und Jugendliche heilen, sondern ganz Deutschland oder gar die ganze Welt.

          So ist er Politiker geworden - und dazu noch Autor und Liedermacher, denn Dehm weiß, daß allein mit Umverteilungssozialismus die Seelen der Menschen nicht zu heilen sind, dafür bedarf es auch der Kunst und der Musik. Die muß aber jetzt etwas hintanstehen, wenn Dehm Wahlkampf für sich und die Postkommunisten macht, die ihn auf Platz eins der niedersächsischen Landesliste gesetzt haben. Vielleicht hat er, der einst für die SPD die Parteihymne „Das weiche Wasser bricht den Stein“ erfunden hat, aber noch ein bißchen Zeit, eine PDS-Hymne zu komponieren. Am besten mit einem Text, in dem Tiere auftauchen, denn Tiere kommen beim Wähler immer gut an. Zum Beispiel Ochsen und Esel. Wie wäre es mit der Anfangszeile: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Diesen schönen Vers hat übrigens ein früherer Chef von Dehms Partei namens Erich Honecker gern gebraucht. Tradition verpflichtet.

          Immer zuwenig Zeit für Kultur. Sozialdezernent Franz Frey hat einfach zu viele Verpflichtungen. Jetzt hat er den Dreh gefunden - indem er in seiner Eigenschaft als SPD-Vorsitzender für „Rock und Talk im Park“ am Samstag im Museumspark am Schaumainkai Behinderte und die Frankfurt City Blues Band eingeladen hat. Damit versöhnt er nicht nur Kultur und Soziales, sondern verbindet für sich selber Pflicht und Vergnügen. Und was ist mit der Stadtpolitik? Kommt die nicht zu kurz, wenn Frey dauernd Wahlkampf machen muß? Oder zugespitzt gefragt: Wird der Vierer platzen? Niemand muß sich da Sorgen machen, weiß Frey, denn: „Wir haben die Luft rechtzeitig rausgelassen.“

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