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: Freizeitvergnügen auf dem Acker

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lhe. Die Zeit der gackernden Hühner auf dem Hof von Landwirtschaftsmeister Klaus Keller in Wehrheim (Hochtaunus- Kreis) ist vorbei. Noch vor einigen Jahren war aus seinen Ställen auch das Grunzen von ...

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          lhe. Die Zeit der gackernden Hühner auf dem Hof von Landwirtschaftsmeister Klaus Keller in Wehrheim (Hochtaunus- Kreis) ist vorbei. Noch vor einigen Jahren war aus seinen Ställen auch das Grunzen von 150 Zuchtsauen zu hören - jetzt parken Autos mit auswärtigen Kennzeichen vor dem Hof und Kinderjubeln hallt über das Gelände. Einen Großteil seines Einkommens verdient Keller mit einem Labyrinth aus zwei Meter hohen Topinamburpflanzen. Rund 4000 Besucher zahlen während der Saison Eintritt dafür. Irrgärten wie der auf Hof Köppelwiese sind für manche Landwirte inzwischen beliebtes Zubrot, wenn nicht Haupteinnahmequelle, sagt Bernd Weber vom Hessischen Bauernverband.

          Kellers Pflanzen sind eine Besonderheit, denn sie verschwinden im Herbst nicht spurlos, das Labyrinth wächst alle Jahre wieder in der gleichen Form. Andere Landwirte setzen auf Mais, den sie am Ende des Sommers ernten. Aber egal, welche Pflanze gewählt wird: "Das bringt die Landwirtschaft ins Gespräch", sagt Verbandssprecher Weber. Er erinnert an das "Maisterwerk 1999" bei Büttelborn. Mit Hilfe moderner Satellitennavigation hatte der Kreisbauernverband auf 30 000 Quadratmetern aus 360 000 Maispflanzen einen Irrgarten anlegen lassen. "Das hat auch in anderen Landkreisen für einen Aha-Effekt gesorgt." Die Landwirtsfamilie Schäfer aus Vöhl-Basdorf am Edersee (Waldeck-Frankenberg) beispielsweise habe sich inspirieren lassen.

          Bis 6. Oktober dauert dieses Jahr bei Schäfers die Labyrinth- Saison. Rund 10 000 Besucher werden bis dahin durch die grünen Gänge des 30 000 Quadratmeter großen Areals gelaufen sein, schätzt Friedrich Schäfer. Irrgänger wie der acht Jahre alte Felix und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Georg brauchen eine Dreiviertelstunde, bis sie zum Ausgang kommen. In der Hand halten sie einen ausgefüllten Fragebogen, denn das Labyrinth ist mit einem Preisrätsel verbunden.

          Unterwegs haben sie unter anderem herausgefunden, wie lange ein Ferkel bei seiner Mutter bleibt und wie viel Gras eine Kuh frisst.

          Von ländlicher Ruhe kann mancherorts nicht mehr die Rede sein: Mit Gewinnspielen, Ausstellungen und Festen sind Labyrinthe regelrechte Freizeitanlagen geworden. Bei Schäfers rührt die Großmutter Waffel- Teig für die Imbissbude, auf dem Grill liegen Würstchen von einem benachbarten Landwirt, eine andere Frau aus dem Ort backt regelmäßig Kuchen. "Das ist für einige Familien zum zweiten Standbein geworden", sagt Friedrich Schäfer.

          Manchmal sind es nicht nur einzelne Bauern, die beschließen, ein Maisfeld umzuwidmen, sondern ganze Dorfgemeinschaften. In Breuna hat sich der "Arbeitskreis Unser Dorf" in diesem Jahr zusammengetan und unweit der Autobahn 44 auf einem Hektar ein Maislabyrinth angelegt.

          Die Landwirte schlugen die Schneisen, Saatgutfirmen traten als Sponsoren auf, Flugblätter wurden kostenlos gedruckt, berichtet Irene Dippel vom Heimat- und Verkehrsverein Breuna. Gelegentlich bieten die Bauern auch Führungen an. Dann erzählen sie über Pflanzen und die Landwirtschaft - aber den schnellsten Weg zum Ziel verraten sie nicht.

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