https://www.faz.net/-gzg-ryab

: Frankfurter Gesichter: Wolf Rieck

  • Aktualisiert am

Büros verraten viel über ihre Besitzer, aber manchmal lügen sie auch. Wolf Riecks Arbeitszimmer hat die Deckenhöhe einer Altbauwohnung und ist so geräumig, daß es Universitätspräsidenten neidisch machen könnte.

          2 Min.

          Büros verraten viel über ihre Besitzer, aber manchmal lügen sie auch. Wolf Riecks Arbeitszimmer hat die Deckenhöhe einer Altbauwohnung und ist so geräumig, daß es Universitätspräsidenten neidisch machen könnte. Neben dem Konferenztisch ist ein Rednerpult aufgebaut, auf einem Schrank steht eine Metallskulptur: Stählerne Stangen formen das Wort BEWAEHRUNG, das A fällt nach unten, so daß man den Schriftzug auch anders lesen kann - BEWEHRUNG.

          Wolf Rieck ist ein Mann, der den imposanten Auftritt liebt, die große Geste, so spricht sein Büro, und es legt damit falsches Zeugnis ab vom Präsidenten der Fachhochschule Frankfurt. Das riesige Zimmer hätte er gerne gegen ein kleineres getauscht, beteuert er, aber das hätte zusätzlichen Aufwand bedeutet, wo doch schon überall in der Fachhochschule gewerkelt wird. Vom Katheder aus hält Rieck nicht Strafgericht über Untergebene, die zum Rapport antreten, er erledigt nur seine Schreibarbeiten gerne im Stehen. Und das doppeldeutige Metallkunstwerk zeugt eher vom Geschichtsbewußtsein des gebürtigen Thüringers als von grimmig-soldatischer Dienstauffassung. Eigenhändig hat er die Stäbe aus der Berliner Mauer herausgesägt, am 31. Dezember 1989. Ein Bildhauer bog sie zurecht, jetzt erinnern sie ihren Befreier weniger an die tägliche Pflichterfüllung als an das Glück der Wiedervereinigung, die Rieck seinerzeit "sehr bewegt" hat.

          Ohne Pathos erzählt der Zweiundsechzigjährige die Geschichte, ruhig und gelassen, so, wie er nun seit gut drei Jahren Hessens zweitgrößte Fachhochschule leitet. Es gibt Lautsprecher unter seinen Amtskollegen, Persönlichkeiten, die polarisieren, innerhalb wie außerhalb ihrer Wirkungsstätten, und die immer für ein kerniges Zitat gut sind. Rieck gehört nicht zu diesem Typus, und doch ist er jetzt Sprecher der Konferenz hessischer Fachhochschulpräsidien, oder vielleicht gerade wegen seines dezenten, dabei effizienten Agierens. Der Wirtschaftswissenschaftler, der einst als Personalstratege für die Frankfurter Flughafen AG tätig war, hat durchaus Geltungsbedürfnis, aber nicht für die eigene Person, sondern für die Einrichtung, die er vertritt. Es ärgert ihn, wenn die Universitäten auf die Fachhochschulen "herabsehen" und der "Mehrwert" keine Anerkennung findet, den die anwendungsorientierten Hochschulen "für die Gesellschaft und die Studierenden schaffen".

          Um der Konkurrenz besser entgegentreten zu können, bereitet Rieck mit seinem wortgewaltigen Präsidentenkollegen Clemens Klockner die Fusion der Fachhochschulen Wiesbaden und Frankfurt zur "Hochschule Rhein-Main" vor. Viel Überzeugungsarbeit wird er da im eigenen Haus leisten müssen, aber es dürfte ihm nicht schwerfallen, mit den Skeptikern ins Gespräch zu kommen. Mit den Menschen reden, das macht ihm mehr Freude als das Aktenstudium. Sein Schreibtisch bezeugt das: Wo der Hausherr "bedrohliche" Anhäufungen von Unterlagen wahrnimmt, sieht der Besucher nur einige niedrige Mappenstapel. Irgendwie sind Büros eben doch meistens ehrlich.

          SASCHA ZOSKE

          Weitere Themen

          Lambada im Erdbeerfeld

          Selbst pflücken : Lambada im Erdbeerfeld

          Nur die Schönen kommen in die Schale, aber bitte nicht zu dekorativ: Geht es gut, wenn eine ungelernte Kraft beim Pflücken mitmacht?

          Vier Festnahmen bei Corona-Demonstration

          Frankfurt : Vier Festnahmen bei Corona-Demonstration

          In Hessen wurden am Wochenende keine relevanten Verstöße gegen die Corona-Vorgaben gemeldet. Trotzdem weist die Frankfurter Polizei immer wieder auf die Einhaltung der Beschränkungen hin.

          Topmeldungen

          Ausschreitungen in Amerika : Die Polizei wird der Lage nicht Herr

          In Atlanta verletzt ein Wurfgeschoss einen Polizisten. In New York fährt ein Polizei-SUV in eine Menschenmenge. In Richmond wird ein Brand gelegt. Präsident Trump setzt auf die Armee, um „Amerika wieder großartig zu machen“.
          Das ungarische Parlament in Budapest

          Sondervollmachten sollen enden : War Ungarns Weg das richtige Modell?

          Die Sondervollmachten für Viktor Orbán haben viel Kritik hervorgerufen. Nun sollen sie enden – aber viele der von der ungarischen Regierung erlassenen Verordnungen werden in Gesetze umgewandelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.