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: Frankfurter Gesichter: Thomas Gebauer

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Er hat den Friedensnobelpreis erhalten. Nicht den ganzen, aber einen Teil. Denn Thomas Gebauer hat die "Internationale Kampagne zum Bann von Landminen" miterfunden, die 1997 zu einem internationalen Verbot dieser heimtückischen Waffen geführt hat.

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          Er hat den Friedensnobelpreis erhalten. Nicht den ganzen, aber einen Teil. Denn Thomas Gebauer hat die "Internationale Kampagne zum Bann von Landminen" miterfunden, die 1997 zu einem internationalen Verbot dieser heimtückischen Waffen geführt hat. Und genau diese Kampagne hat das Osloer Komitee damals ausgezeichnet, die andere Hälfte des Preises ging an Jody Williams, die Sprecherin der Initiative.

          Geboren worden ist die die Idee zu einer weltweiten Aktion gegen Landminen 1991 in Washington - in einem italienischen Restaurant namens "Tomato", wo Gebauer, schon damals bei "Medico international" tätig, und sein Freund Robert Muller, langjähriger Präsident einer Organisation der Vietnam-Veteranen, Nägel mit Köpfen machten: Ihrer beider Organisationen, so verabredeten sie es an diesem Tag, stellen Geld für Mitarbeiter zur Verfügung, die die Anti-Minen-Kampagne führen sollten. Darüber hinaus gelang es Gebauer und Muller bald darauf, vier weitere Nichtregierungs-Organisationen für das Vorhaben zu gewinnen - 1992 wurde dieses so erfolgreiche Bündnis formell geschmiedet.

          Gebauer hat sich damals einen Smoking ausgeliehen für den großen Festakt im Osloer Rathaus am 10.Dezember 1997, wo er und seine Mitstreiter mit dem Nobelpreis geehrt wurden. Den obligatorischen Besuch beim norwegischen König ließ er aus, statt dessen übernahm er die Aufgabe, die Glückwünsche des Ministerpräsidenten und des Parlaments entgegenzunehmen. Die Medaille von damals verwahrt der 49 Jahre alte Vater zweier Kinder in seinem Schrank im Büro von "Medico" an der Obermainanlage7.

          Seit acht Jahren leitet der studierte Psychologe, der in Konstanz geboren wurde und in Hanau Abitur gemacht hat, als Geschäftsführer die Hilfsorganisation "Medico", die weltweit in Krisengebieten operiert - von Afghanistan bis Südafrika. Gebauer ist keiner vom Stamme der naiven Gutmenschen, sondern ein politischer Kopf und begabter Stratege, der Ziele hat und setzt. Nicht nur die Anti-Minen-Kampagne geht mit auf sein Konto, auch die Ächtung von "Blutdiamanten", mit denen zum Beispiel die Bürgerkriegsparteien in Angola über Jahrzehnte ihre Schlächtereien finanziert haben, hat Gebauer vorangetrieben. Derzeit beschäftigt er sich mit Überlegungen, eine Kampagne zur Errichtung eines internationalen Zivilgerichtshofs analog zum Internationalen Strafgerichtshof in die Wege zu leiten.

          Angefangen hat Gebauer als Tellerwäscher - was wörtlich zu nehmen ist, denn als Zivildienstleistender bei "Medico" mußte er schon mal Geschirr spülen. In der Hauptsache kümmerte er sich damals aber um die Öffentlichkeitsarbeit. Und sah in seinem ersten Urlaub sein erstes Lager: in der Westsahara, wo sahaurische Flüchtlinge untergekommen waren. Nach dem Zivildienst blieb er bei "Medico" und kümmerte sich um Hilfsprogramme in Mittelamerika.

          Als Psychologe hat Gebauer ein Gespür für die psychischen Belastungen, denen Opfer von Kriegen und Diktaturen ausgesetzt sind. Er sorgte dafür, daß Hilfe für Traumatisierte mittlerweile zu einem der Schwerpunkte der "Medico"-Arbeit geworden ist. Wenn Gebauer selbst einmal Aufmunterung braucht, packt er seine Geige aus und spielt mit Freunden Streichquartette.

          HANS RIEBSAMEN

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