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: Frankfurter Gesichter: Susi Bär

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Es ist nicht jedermanns Sache, sich auf eine Bühne zu stellen, mit dem Mikrophon in der Hand Käufer anzulocken und außergewöhnliche Kleidungsstücke anzupreisen. Schon gar nicht, wenn es sich bei den Kleidern um Abendroben oder Pelzmäntel schon länger vergangener Modeepochen handelt.

          Es ist nicht jedermanns Sache, sich auf eine Bühne zu stellen, mit dem Mikrophon in der Hand Käufer anzulocken und außergewöhnliche Kleidungsstücke anzupreisen. Schon gar nicht, wenn es sich bei den Kleidern um Abendroben oder Pelzmäntel schon länger vergangener Modeepochen handelt. Susi Bär scheint das keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten, und sie schafft es auch noch, Abnehmer für ganze Umzugskartons voller Röcke in verschiedenen Größen zu finden - "ist doch eine originelle Geschenkidee für die nächste Party". Freilich, bei fünf Euro je Kiste ist das in jedem Fall ein Schnäppchen, selbst wenn nur ein Teil dabei ist, das gefällt und paßt. Vor allem ist es ja schließlich auch noch für einen guten Zweck. Denn es ist die Bühne des Dominikanerklosters, auf der sich Susi Bär als Verkäuferin beim "Pfennigs-Basar" für die Multiple Sklerose Gesellschaft und den Hospizverein ins Zeug legt. Und man kann sich die Fünfunddreißigjährige mit blondem Pferdeschwanz und verschmitztem Lächeln gut vorstellen, wie sie zum Abendessen bei Freunden erscheint und statt Blumen ein Überraschungspaket mit Röcken oder Blusen überreicht.

          Der Umgang mit Kisten ist der Speditionskauffrau schließlich von Hause aus vertraut - seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie im Umzugsunternehmen Fermont mit, das ihrer Familie gehört. Nach der Schulzeit in Frankfurt hatte sie zunächst bei Fuhrunternehmen in München und Hamburg gelernt, anschließend Praktika bei Speditionen in New York und Toronto absolviert. Ihr Interesse galt dabei besonders dem Marketing und den Kunsttransporten. Dies sind auch die Schwerpunkte ihrer Arbeit in dem Fuhrunternehmen, das 150 Mitarbeiter im Rhein-Main-Gebiet beschäftigt. Engagement in den nationalen und internationalen Verbänden der Branche ist für sie ebenso selbstverständlich wie bei der Frankfurter Industrie- und Handelskammer. Selbst einen Lastwagen lenken dürfte Bär allerdings nicht, denn dazu fehlt ihr die Fahrerlaubnis. Den notwendigen Führerschein zu machen hätte damals rund 10000 Mark gekostet, zuviel für etwas, das man nicht wirklich brauche, habe ihr Vater seinerzeit beschlossen. Ans Steuer der Lastwagen traut sie sich dennoch - wenn auf dem Firmengelände rund um die ehemaligen Polizei-Pferdeställe in Rödelheim rangiert werden muß.

          "Wir packen's!" lautet der Werbeslogan des Unternehmens, und er paßt bestens zu Susi Bär. Schwierigkeiten in der Männerwelt des Fuhrgewerbes kennt sie nicht. Ihre Mutter Sigrid hat als langjährige Geschäftsführerin die nötige Vorarbeit geleistet. Daß sie als jüngste von drei Töchtern in das vor 111 Jahren gegründete Unternehmen einsteigen würde, sei eigentlich immer klar gewesen, sagt sie - als wäre es der Wunschtraum eines jeden Mädchens, Automechanikerin zu werden.

          Das Unternehmen durch eine wirtschaftlich nicht eben leichte Zeit zu steuern, sieht sie als Herausforderung, sucht nach Lösungen für bessere Transportwege und Verpackungsmaterialien. Viel Freizeit läßt das der jungen Frau, die ihren Familienstand mit "ledig (vergeben)" angibt, nicht. Entspannung findet sie bei Spaziergängen durch Frankfurt, ihrer Heimatstadt, für die sie sich immer aufs neue begeistern kann.

          PATRICIA ANDREAE

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