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: Frankfurter Gesichter: Stavros Mentzos

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Zwei Jahre wollte Stavros Mentzos ursprünglich in Deutschland bleiben. Mitte der fünfziger Jahre war der gebürtige Grieche nach Hamburg gegangen, um Psychiatrie zu studieren. 1967 folgte er - mittlerweile ...

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          Zwei Jahre wollte Stavros Mentzos ursprünglich in Deutschland bleiben. Mitte der fünfziger Jahre war der gebürtige Grieche nach Hamburg gegangen, um Psychiatrie zu studieren. 1967 folgte er - mittlerweile promoviert und habilitiert - seinem akademischen Lehrer an die Frankfurter Universitätsklinik. Aus den zwei Jahren sind mittlerweile 48 geworden, der junge Mediziner ist heute einer der bedeutendsten Psychoanalytiker Deutschlands.

          Schon in Hamburg hatte Mentzos neben seiner Arbeit an der Nervenheilanstalt eine Ausbildung zum Psychoanalytiker begonnen - und zwar heimlich, wie er sich lachend erinnert. Sein damaliger Vorgesetzter sei nämlich ein notorischer Gegner der Psychoanalyse gewesen. In Frankfurt standen die Zeichen günstiger. Seit 1959 gab es das von der Universität unabhängige Sigmund-Freud-Institut, an dem psychoanalytisch geforscht und ausgebildet wurde. Und auch innerhalb der medizinischen Psychiatrie gewann die Psychoanalyse langsam an Einfluß. So wurde Mentzos, bald nachdem er seine Lehranalyse bei Margarete Mitscherlich beendet hatte, Leiter der neu eingerichteten Abteilung "Psychotherapie/Psychosomatik", die sich speziell der Auswirkung von Konflikten auf psychische Krankheiten widmete, und Inhaber des gleichnamigen Lehrstuhls.

          An diesem Lehrstuhl rief Mentzos Ende der achtziger Jahre das "Frankfurter Psychoseprojekt" ins Leben, ein in Deutschland wohl einzigartiges Zentrum für die psychoanalytische Behandlung schwerster seelischer Störungen. Das Projekt ist von der Überzeugung getragen, daß selbst eine Krankheit wie die Schizophrenie, die gemeinhin als vererbt und unheilbar gilt, in Maßen psychotherapeutisch zu beeinflussen ist.

          Wie er sich die Therapie der Psychosen vorstellt, hat Mentzos in den letzten Jahren immer wieder dargelegt. Dabei überschreitet der Fünfundsiebzigjährige nicht nur die Grenzen der klassischen Psychiatrie, sondern auch die der Psychoanalyse. Er weiß, daß jemand, der schizophren wird, dazu genetisch veranlagt ist und in akuten Phasen seiner Erkrankung Medikamente braucht. Ebensowenig scheut er sich - und das ist für einen Psychoanalytiker wohl noch ungewöhnlicher -, die Verhaltenstherapie mit ins Boot zu holen: Sie helfe dem Kranken, soziale Fähigkeiten wiederzuerlernen, die im Verlauf einer Psychose verlorengingen.

          Obwohl der Ausnahmewissenschaftler nun schon seit zehn Jahren emeritiert ist, scheint er an Rückzug nicht zu denken. Wie seine Frau hatte er gehofft, als Pensionär endlich mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können, mit dem Sohn und den beiden Enkeln. Oder beim Bergwandern in Griechenland, wo das Ehepaar ein altes Bauernhaus besitzt.

          Doch das "Frankfurter Psychoseprojekt" - das heute als eingetragener Verein fortbesteht - kann auf Mentzos nicht verzichten. Sein interdisziplinärer Ansatz bleibt die Basis der gemeinsamen Arbeit. Vor allem aber wird seine Erfahrung als Supervisor gebraucht. Denn die extremen Reaktionen der Psychotiker brächten die Therapeuten oft an den Rand ihrer Belastbarkeit, sagt Mentzos. Er helfe den jüngeren Kollegen dann, wieder ihre Mitte zwischen Empathie und respektvoller Distanz zu finden. BETTINA ENGELS

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