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: Frankfurter Gesichter: Roland Lambrette

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Westend-Kind nennt Roland Lambrette sich. Im Westend ist er zur Welt gekommen und aufgewachsen, dort war er Teil der Hausbesetzer-Szene, und im Westend ist das "Atelier Markgraph" entstanden, dessen Teilhaber und Geschäftsführer er ist.

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          Westend-Kind nennt Roland Lambrette sich. Im Westend ist er zur Welt gekommen und aufgewachsen, dort war er Teil der Hausbesetzer-Szene, und im Westend ist das "Atelier Markgraph" entstanden, dessen Teilhaber und Geschäftsführer er ist. Die Firma arbeitet nicht nur in, sondern immer öfter auch für Frankfurt, im Auftrag der Tourismus und Congress GmbH zum Beispiel, die das Museumsuferfest ausrichtet. Im vergangenen Sommer hat das Atelier die Untermainbrücke für drei Tage zu einer "Klangpassage", einem begehbaren, illustrierten und vertonten Abriß der Frankfurter Musikgeschichte, umgestaltet. Während des Museumsuferfestes 2003 ließ "Markgraph" das international mehrfach preisgekrönte "Schiff der Ideen" über den Main fahren, als Plattform für die Museen an seinem Ufer. Die Agentur hat den Stand entworfen, mit dem sich Hessen und die Rhein-Main-Region nächste Woche auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin präsentieren werden und sie bereitet das Frankfurter Programm zur Fußballweltmeisterschaft 2006 mit vor. Wieder wird der Fluß einbezogen werden, mit einer von beiden Ufern aus zu sehenden Leinwand, gleichzeitig sollen Großprojektionen auf die Hochhäuser die Skyline verfremden.

          Zu den vielen Projekten, die Lambrette mit seinem Team realisiert hat, zählt das Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München und "Lab 01", das "Markgraph" zur Weltausstellung 2000 im Auftrag von Daimler-Chrysler auf Tour geschickt hat. Das war eine mobile Wissenschaftsausstellung, in der Besucher unter anderem mit Maschinen kommunizieren konnten. Vermittlung, besonders gerne von naturwissenschaftlich-technischen Inhalten, ist so etwas wie das Lebensthema des 1951 geborenen Lambrette. Ohne Vater ist er mit einer starken Mutter in einer Welt aufgewachsen, die voller Bilder war. Hanna Lambrette hat sie in ihrer Werkstatt gerahmt, die 14 Skizzen zur "Commedia dell'arte" zum Beispiel, die Chagall Ende der Fünfziger für das Frankfurter Schauspiel gemalt hat und die zur Zeit in der Londoner Tate Gallery restauriert werden.

          Die heute 83 Jahre alte Hanna Lambrette ist keine Frau, die sich als Alleinerziehende jemals versteckt hätte, auch nicht zu einer Zeit, als das alles andere als selbstverständlich war. Sie war 1974 Mitbegründerin des damaligen Verbandes für ledige Mütter und erhielt 1994 für ihr jahrzehntelanges Engagement den Tony-Sender-Preis der Stadt Frankfurt. Ihr Sohn sagt, er fühle sich der Kommune tief verbunden, "auch wenn es in unserer Branche niemanden gibt, der sich nicht schon überlegt hat, ob er nicht lieber nach Berlin gehen soll".

          Ob er gehen soll oder nicht, hat sich Roland Lambrette nicht lange gefragt, als er noch als Schüler bei der Konzertagentur Lippmann und Rau angefangen hat zu arbeiten und dabei die Chance bekam, in den Sommerferien Jimi Hendrix als Tourmanager zu begleiten. "Das war eine Zeit des Aufbruchs damals", blickt er zurück. Später hat er Pädagogik studiert und mit Freunden eine Art Wohnzimmer-Agentur betrieben, bis 1984 die ersten Großaufträge kamen und die Firma dann sehr schnell wuchs. Heute hat das Atelier zwischen 50 und 60 Mitarbeiter, je nach Projekt. Firmensitz ist an der Hamburger Allee, in einem Hinterhaus des Kinos "Orfeos Erben". Lambrette, der zwei erwachsene Kinder hat, reist viel, er kann seine Heimatkommune mit der Welt vergleichen. Frankfurt, "das ist ein gelebtes Bekenntnis zur Zukunft", sagt er; auf die Frage, ob ihm in der Stadt etwas fehle, antwortet er, es sei "die Patinafähigkeit".

          JACQUELINE VOGT

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