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Frankfurter Gesichter : Paulus Christmann

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Der Treffpunkt könnte nicht besser passen. Das neue schwarzverklinkerte Haus der Chöre hinter dem Rundfunkgebäude, ausschließlich zum Üben von vier Chören gebaut, ist wie ein Hinweis auf die drei Berufe des Dirigenten und Chorleiters Paulus Christmann.

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          Der Treffpunkt könnte nicht besser passen. Das neue schwarzverklinkerte Haus der Chöre hinter dem Rundfunkgebäude, ausschließlich zum Üben von vier Chören gebaut, ist wie ein Hinweis auf die drei Berufe des Dirigenten und Chorleiters Paulus Christmann. Er ist der künstlerische Leiter der „Frankfurter Mendelssohntage“, seit November Chordirektor des mit 140 Sängern größten hiesigen Chors, der Frankfurter Singakademie, und als drittes seit 1998 Leiter des mit 110 Sängern größten deutschen Männerchors, des Polizeichors, der freilich inzwischen auch Sänger aus anderen Berufen aufgenommen hat.

          Damit nicht genug. Der Fünfunddreißigjährige arbeitet als Musikwissenschaftler an einem empirischen musikpädagogischen Thema, nämlich darüber, wie Schulmusiker ausgebildet werden müßten: Vielen Kindern bleibe der Zugang zur Musik verwehrt, weil sie fachfremd unterrichtet würden. Und schließlich war der junge Mann als Dirigent an den Bayerischen Rundfunk geraten, für den er nun eine Akademie für zeitgenössische Kammermusik aufbaut und einmal wöchentlich betreut. Über seine Agentur wird er zudem als Dirigent vermittelt.

          „Wir sind schon auf allen Kontinenten aufgetreten“

          Der gebürtige Kelkheimer hatte in Köln als Baß Operngesang studiert, fühlte sich aber so abhängig in diesem Beruf, daß er in Köln und Mainz auf das Studium von Dirigieren und Musikwissenschaft umschwenkte. Damit war der Weg zu den Chören nicht weit. Im Polizeichor hatte er schon als Zwanzigjähriger Proben übernommen: „Ich habe ihn richtig entstaubt, und wir sind schon auf allen Kontinenten aufgetreten.“

          Natürlich auch mit Mendelssohn-Werken. Der Komponist liegt ihm als sein Promotionsthema am Herzen. Und so haben die „Frankfurter Mendelssohntage“ auch die (kostspielige) Patenschaft für die Grabstelle der Ehefrau des Musikers Cecile übernommen, die in ihrer Heimatstadt Frankfurt jung gestorben ist. Die Bankenstadt Frankfurt schmücke sich nicht genügend damit, daß „alle hier waren, Mozart, Heine, Schumann“, findet Christmann. Er sucht unaufhörlich Förderer, auch für die traditionsreiche Singakademie. Und das Stiftungsrecht müsse unbedingt geändert werden, damit die Einrichtung einer Stiftung auch zugunsten der Musik interessanter werde.

          Der junge Mann ist ständig unterwegs und hat nur wenig Zeit, mit Freunden auszugehen wie in die neue orientalische Lieblingsbar oder seine Leidenschaft Schwimmen und Saunieren zu pflegen. Künstlerisch liegt ihm am Herzen, Dirigenten „für die Zukunft“ zu unterrichten. Der Orchesterklang sei im Gegensatz zu alten Aufnahmen einförmig geworden. Doch gerade deutsche Orchester hätten mit dunklen Farben soviel an Potential, daß auch über die Mendelssohnpflege noch etwas passieren müsse. Und Frankfurt? „Das ist so interessant geworden, weil so international. Ich genieße das.“

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