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: Frankfurter Gesichter: Otto Romberg

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Als Jugendlicher ist er den Nazis entkommen, als Mann den Kommunisten. Jahrgang 1932, Geburtsstadt Budapest, Religion jüdisch: Diese Kombination bedeutete in jenen Zeiten höchste Gefahr. Doch Otto Romberg ...

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          Als Jugendlicher ist er den Nazis entkommen, als Mann den Kommunisten. Jahrgang 1932, Geburtsstadt Budapest, Religion jüdisch: Diese Kombination bedeutete in jenen Zeiten höchste Gefahr. Doch Otto Romberg hat Glück gehabt, er wurde nicht nach Auschwitz deportiert wie so viele seiner jüdischen Landsleute. Später, unter den Kommunisten, hat Romberg sich nicht mehr auf sein Glück verlassen, sondern ist nach dem gescheiterten ungarischen Aufstand von 1956 nach Österreich geflohen. Dort hat er seine Journalistenkarriere fortgesetzt, zuerst als Polizeireporter, von 1959 an als Deutschlandkorrespondent.

          Ein Schlüsselerlebnis waren für Romberg die ersten Hakenkreuz-Schmierereien an Synagogen im Köln-Bonner Raum. Das war 1960, und Romberg spürte, daß es für ihn nur zwei Möglichkeiten gab: Deutschland schleunigst zu verlassen oder etwas gegen den wiederaufkeimenden Antisemitismus zu tun. Der Emigrant aus Ungarn hat sich für letzteres entschieden, in seinem Fall die Gründung einer Zeitschrift. Einer Zeitschrift, die sich für Toleranz und Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden einsetzt, den Antisemitismus bekämpft und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel befördert.

          Kaum ein damaliger Beobachter hat der "Tribüne" eine lange Lebensdauer eingeräumt, denn allzu dünn war die Finanzdecke und allzu groß Rombergs Idealismus. Bei DuMont druckte man die erste Ausgabe von 1962 nur gegen Vorkasse, das Risiko, auf den Kosten sitzenzubleiben, erschien den Verlagsleuten zu hoch. Wahrscheinlich wäre die "Tribüne" bald wieder eingestellt worden - "Nach einem halben Jahr waren wir praktisch pleite" -, hätte Romberg nicht Walter Hesselbach, den Chef der gewerkschaftseigenen "Bank für Gemeinwirtschaft", getroffen. Der kommentierte das Zeitschriftenprojekt mit einem Wort: "Anzeigen!" Eine solche Finanzierungsmethode war Romberg und seiner Frau Vera, die mit ihm zusammen die "Tribüne" herausgibt, bis dahin nicht in den Sinn gekommen. Hesselbach vermittelte den Kontakt zum mächtigen IG-Metall-Chef Otto Brenner und zum nicht weniger einflußreichen DGB-Vorsitzenden Ludwig Rosenberg - die ersten Inserate fanden ihren Weg in die neue Zeitschrift.

          Jetzt im Dezember ist die 176. Ausgabe der "Tribüne" erschienen. Romberg, ihr Gründer und bis heute ihr Besitzer und Verleger, hat in dieser Zeit mit fast alle Großen der deutschen Politik Interviews geführt: in neuerer Zeit mit Helmut Kohl, Roman Herzog, Gerhard Schröder oder Angela Merkel. Er hat Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Helmut Schmidt, Bruno Kreisky oder Joseph Fischer als Autoren gewonnen. Alle Höhen und Tiefen der deutsch-israelischen Beziehungen, alle Schwierigkeiten und Erfolge im Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Deutschland, alle judenfeindlichen und rassistischen Wellen und Ereignisse sind in der "Tribüne" registriert und kommentiert worden. "Zeitschrift zum Verständnis des Judentums" lautet der Untertitel der Tribüne. "Verteidiger des Judentums" müßte Rombergs Ehrentitel heißen. HANS RIEBSAMEN

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