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Frankfurter Gesichter : Marion Herzog-Hoinkis

Marion Herzog-Hoinkis Bild: F.A.Z. - Zeichnung Oliver Sebel

Von heute auf morgen hat Marion Herzog-Hoinkis damals das Fotoatelier ihres plötzlich verstorbenen Vaters an der Bockenheimer Anlage 7 übernehmen müssen. Noch heute wohnt sie in diesem Haus, wenngleich sie das Atelier inzwischen aufgegeben hat.

          Von heute auf morgen hat Marion Herzog-Hoinkis damals das Fotoatelier ihres plötzlich verstorbenen Vaters an der Bockenheimer Anlage 7 übernehmen müssen. Noch heute wohnt sie in diesem Haus, wenngleich sie das Atelier inzwischen aufgegeben hat. Ewald Hoinkis war ein bekannter Kunstfotograf, ein Verfechter der „Neuen Sachlichkeit“. In Berlin ist die 1929 in Görlitz geborene Marion Herzog-Hoinkis als Kind in einer Künstlerumgebung aufgewachsen, im Atelier des Vaters verkehrten bekannte Lichtbildner und Autoren.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daß sie in des Vaters Fußstapfen treten würde, war früh klar, denn Marion Herzog-Hoinkis stand ihm schon als Mädchen und junge Frau als eine Art Assistentin zur Seite. Als sie dann 1960 eilends mit ihrem Mann Gerhard Hertz Herzog aus Fürstenfeldbruck nach Frankfurt kam, um das väterliche Geschäft fortzuführen, mußte sie, um standesrechtlich überhaupt zugelassen zu werden, zuerst einmal eine Prüfung als Fotografen-Gesellin und danach als Fotografen-Meisterin ablegen. Mit ihrer Industrie- und Werbefotografie gewann Marion Herzog-Hoinkis später einige Preise. Eine ihrer Leidenschaften ist immer das Kochen gewesen, ihre Sammlung von Kochbüchern umfaßte zeitweise 2000 Bände. Einige hat Marion Herzog-Hoinkis für Unternehmen wie Nestle oder Milupa selbst verfaßt, zum Beispiel das Buch „So kocht man in der Bundeswehr“.

          Geburtsstunde des Struwwelpeter-Museums

          Am wichtigsten ist schließlich für sie das Werk des Frankfurter Kinderbuchautors und Irrenarztes Heinrich Hoffmann geworden. Marion Herzog-Hoinkis und ihr Mann erkannten irgendwann in den siebziger Jahren, daß der berühmte „Struwwelpeter“ des Doktor Hoffmann keineswegs eine verstaubte Kinderbuchfigur war, daß der berühmte Langhaarige vielmehr für Unangepaßtheit und Aufmüpfigkeit stand. Künstler wie Otmar Alt oder Conrad Felixmüller folgten einem Aufruf der Herzogs, den Struwwelpeter neu zu interpretieren. Die Ergebnisse konnte das Publikum 1976 in der Paulskirche betrachten, wo die Heinrich-Hoffmann-Ausstellung einen Teil der Informationsschau „Psychisch Kranken besser helfen“ bildete. Dies war die eigentliche Geburtsstunde des späteren Struwwelpeter-Museums in der Schirn Kunsthalle, das vor kurzem auf Geheiß der Stadt mit dem Heinrich-Hoffmann-Museum an der Schubertstraße verschmolzen wurde.

          Von diesem Heinrich-Hoffmann-Museum, das sie 1977 mitbegründet hatten, haben sich die Herzogs wegen inhaltlicher Differenzen getrennt und 1982 ihr eigenes „Struwwelpeter-Museum“ gegründet, wo Originale aus dem Besitz der Familie Hessenberg, den Hoffmann-Nachfahren, zu sehen waren. Mit List und Zähigkeit haben Marion Herzog-Hoinkis und ihr Mann alle finanziellen Barrieren überwunden und Zehntausenden von Frankfurt-Besuchern Frankfurts bösen Buben nahegebracht. „Das Museum war mein Leben“, sagt Marion Herzog-Hoinkis. Und in der Tat hat sie unendlich viel Zeit und Kraft in diese ihre Gründung investiert - ehrenamtlich natürlich.

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