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: Frankfurter Gesichter: Helmut Gold

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Jahrzehnte nach einem Bergwerksunfall findet man den gut erhaltenen Leichnam eines jungen Mannes, und eine uralte Frau erkennt in ihm ihren Verlobten. Die Kalendergeschichte "Unverhofftes Wiedersehen" von Johann Peter Hebel bringt Helmut Gold ins Schwärmen.

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          Jahrzehnte nach einem Bergwerksunfall findet man den gut erhaltenen Leichnam eines jungen Mannes, und eine uralte Frau erkennt in ihm ihren Verlobten. Die Kalendergeschichte "Unverhofftes Wiedersehen" von Johann Peter Hebel bringt Helmut Gold ins Schwärmen. Denn der heutige Direktor des Frankfurter Museums für Kommunikation hat einst über Bergbau in der Literatur der Romantik promoviert, sich dabei mit Industriegeschichte ebenso beschäftigt wie mit der Kunst, mit den Gefahren der Technik, auch mit ihren Segnungen und vor allem mit den Auswirkungen auf die Menschen und ihren Umgang miteinander.

          Seit sieben Jahren steht der 1958 in Wetzlar geborene Museumsleiter nun der Frankfurter Einrichtung vor, die schleichend ihren Namen geändert hat von Postmuseum über Museum für Post und Kommunikation hin zum Museum für Kommunikation. Anfang Juli wurde es wiedereröffnet, nachdem erstmals seit 1990 die Dauerausstellung neu konzipiert worden ist.

          Es gebe kaum einen vielseitigeren Beruf als seinen, meint Gold, der froh ist, nicht eng mit der städtischen Kulturpolitik verflochten zu sein. Sein Museum gehört einer Stiftung, der sowohl die Deutsche Post als auch die Deutsche Telekom jährlich feste Beträge zukommen lassen und - wenn auch nicht immer automatisch - Ausstellungs- und Museumsstücke geben.

          Gold studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Gießen und Frankfurt, fand Mitte der achtziger Jahre am Deutschen Literaturarchiv in Marbach den Einstieg in Museumswesen, als er sich vor allem mit der Literatur im Industriezeitalter befaßte. Anfang der neunziger Jahre war Gold schon einmal in Frankfurt an dem Haus am Museumsufer, als er an der Ausstellung "Das Fräulein vom Amt" mitarbeitete. Damals hatte er an verschiedenen Einrichtungen immer wieder Verträge, die meist an Projekte gebunden und somit befristet waren, es ihm aber auch immer ermöglichten, sich einer Sache konzentriert zu widmen.

          Vor seiner festen Anstellung als Museumsleiter in Frankfurt im Jahr 1997, die er als glücklichen Zufall bezeichnet, hatte er fünf Jahre zur Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gehört, in der er zu einem Querschnittsreferat zählte, das Filme herstellte, Broschüren entwickelte und Ausstellungen konzipierte, darunter Wanderausstellungen des Dresdner Hygienemuseums.

          Begeistert berichtet Gold davon, daß er als Museumsdirektor keinesfalls nur mit Organisation und Finanzdingen beschäftigt sei. Es bleibe ihm immer noch Raum, einzelne Sonderausstellungen zu entwickeln. Und hier will er sich und dem Motto seines Hauses treu bleiben. Es stelle dar, wie Menschen zu allen Zeiten mit Kommunikationsmedien lebten und arbeiteten. Leider, räumt er ein, sei es im Museumsbetrieb so, daß man immer nur für eine überschaubare Zeit sich mit Kollegen zusammentue, die von außen kämen, eine Ausstellung konzipierten und danach wieder weiterzögen. Er selbst genieße es, an einem Ort zu bleiben und hier die Dinge nach seinem Ermessen zu steuern. Mit seiner Frau und seinen zwei und sieben Jahren alten Kindern wohnt er oben in Sachsenhausen, nicht allzu weit von seinem Arbeitsplatz.

          Stillstand, sagt Gold, falle in so einer Einrichtung auf, die sich einerseits der Kulturgeschichte, andererseits der Technik verpflichtet sehe. Und weil man ständig mit Neuerungen zu tun habe, merke man nicht, wie schnell die Zeit vergehe. Und wieder verweist er auf Hebels Kalendergeschichte. WERNER BREUNIG

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