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: Frankfurter Gesichter: Hans Joachim Mendig

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Auch wer ihm noch nie begegnet ist, kennt höchstwahrscheinlich mindestens eines seiner Produkte. Sie heißen zum Beispiel "Ein Fall für zwei", "Die Kommissarin" oder "Wolffs Revier". Hans Joachim Mendig ...

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          Auch wer ihm noch nie begegnet ist, kennt höchstwahrscheinlich mindestens eines seiner Produkte. Sie heißen zum Beispiel "Ein Fall für zwei", "Die Kommissarin" oder "Wolffs Revier". Hans Joachim Mendig ist Fernsehproduzent und gleichzeitig so etwas wie ein Botschafter Frankfurts: Seine beiden wichtigsten Serien spielen in der Stadt, und Mendig zeigt dabei en passant immer wieder gern die schöneren Seiten der Mainmetropole. Die liebt er nämlich, er ist sogar mit Frau und vierzehnjährigem Sohn von Neu-Isenburg nach Sachsenhausen gezogen, seine Büros befinden sich in Wiesbaden, München und Rödelheim, das Büro des Rechtsanwalts, der mit einem Privatdetektiv knifflige Fälle löst, liegt im 27.Stock des BCN-Hochhauses am Nibelungenplatz.

          Geboren wurde Mendig im November 1953 in Bonn. Daß er zum Fernsehen kam, verdankt er einem langweiligen Professor, in dessen Statistik-Vorlesung er mit einem Kommilitonen ins Plaudern geriet. Der berichtete von seiner Nebentätigkeit beim WDR. Als auch Mendig dort einen Job bekam, war es um ihn geschehen, die Studioatmosphäre elektrisierte ihn für immer. Nach dem Examen begann der Diplom-Betriebswirt als Redaktionsassistent beim Bayerischen Rundfunk in München, lernte beim ZDF in der Sendeleitung als "Mädchen für alles" das Metier, stellte sich als Trainee in einer Werbeagentur auf die Bedürfnisse der Konsumzielgruppe der Vierzehn- bis Neunundvierzigjährigen ein und betreute seit 1983 in Frankfurt bei der Werbetochter des Hessischen Rundfunks als Redakteur und bald als Programmchef Serien im Vorabendprogramm - die erfolgreichste hieß "Treffpunkt Airport" mit Talk, Musik und Informationen am und über den Frankfurter Flughafen.

          Doch Mendig wollte irgendwann auf die andere Seite wechseln, wollte selber Filme produzieren und verkaufen. In der Monaco Film Gruppe fand er seinen neuen Arbeitgeber, zu ihr gehörte auch die Wiesbadener Odeon Film, die seit 1981 "Ein Fall für zwei" produziert. Odeon hat mittlerweile als Aktiengesellschaft die Stürme am Neuen Markt überstanden, 55 Prozent gehören der Bavaria, Hans Joachim Mendig ist ihr Vorstandsvorsitzender. Neben dem Dauerbrenner um Detektiv Matula und seinen inzwischen vierten Anwalt (von Dr. Renz über Dr. Franck und Dr. Voss zu Dr. Lessing) entstehen unter Mendigs Ägide auch noch Serien wie "SK Kölsch", "Der Landarzt", "Der letzte Zeuge" oder "Unter weißen Segeln". Überdies produziert Odeon auch Kinofilme, das Unternehmen hält die Filmrechte an Erich Kästners Werk. "Emil und die Detektive" und "Das fliegende Klassenzimmer" waren Kassenerfolge, bald soll "Das doppelte Lottchen" in einer Zeichentrickversion herauskommen.

          Mendig, der in seiner freundlichen, unaufdringlichen Art so gar nicht dem Bild des dröhnend daherkommenden Produzenten entspricht, strebt nicht nach Höherem, sondern steht zu dem, was er macht: Unterhaltung - aber nach allen Regeln des Handwerks. Ihm gefällt dabei, daß er Kreatives und Kaufmännisches kombinieren kann und beinahe täglich Bewährungsproben in angewandter Psychologie zu meistern hat. Über sein Metier sagt er: "Man muß den Erfolg erschnüffeln und wenn man ihn riecht, umsetzen." Der Spaß daran ist ihm anzumerken. PETER LÜCKEMEIER

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