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Frankfurter Gesichter : Elke Jäger

  • -Aktualisiert am

Mit einer Auswahl von ungefähr 250 Paar Schuhen in allen möglichen Variationen und Farben frönt Elke Jäger einem typisch weiblichen Faible. Ungewöhnlich für eine Frau aber ist ihre berufliche Karriere.

          Mit einer Auswahl von ungefähr 250 Paar Schuhen in allen möglichen Variationen und Farben frönt Elke Jäger einem typisch weiblichen Faible. Ungewöhnlich für eine Frau aber ist ihre berufliche Karriere. Die Mutter dreier Kinder - 12, 14 und 18 Jahre alt - ist Chefärztin der Onkologie am Krankenhaus Nordwest mit 90 Betten. Gezielt geplant habe sie ihre Karriere nie, sagt sie, doch ihre Tätigkeit immer mit Konsequenz und Begeisterung verfolgt.

          1961 in Mainz geboren, studierte Jäger nach dem Abitur in ihrer Vaterstadt, in Würzburg und Köln Medizin. Am Krankenhaus Nordwest arbeitet die Krebsspezialistin seit 1992, zunächst als Oberärztin, 2003 übernahm sie die Leitung der Onkologie. Damit ist sie oft Überbringerin schlechter Botschaften; sie begleitet Patienten in ihrer tiefsten Lebenskrise, ermutigt sie bei Rückschlägen. Die Medizin könne bei bösartigen Erkrankungen heute sehr viel mehr bewirken als landläufig angenommen - das vermittelt sie den Kranken.

          Gesellschaft sollte normaler mit Krebs umgehen

          Um die Therapien weiter zu verbessern, forscht Jäger auf dem Gebiet der Tumor-Immunologie. In weltweiten klinischen Studien, an denen sich das Krankenhaus Nordwest beteiligt, soll herausgefunden werden, welche Rolle das Immunsystem bei der Abwehr und Kontrolle von Tumorerkrankungen spielen kann. Mit Erfolgsmeldungen über diese Behandlung ist sie vorsichtig. Man könne keine allgemeingültigen Aussagen treffen, doch bei bestimmten Tumoren, beispielsweise dem schwarzen Hautkrebs, lohne es sich, das Immunsystem gezielt zu stimulieren, sagt sie.

          Ein Anliegen ist es der Ärztin, daß die Gesellschaft normaler mit Krebs umgehe - im Sinne eines chronischen Leidens, an dem man nicht gleich sterben müsse. Das geplante Projekt mit dem Städel-Museum beispielsweise soll dazu beitragen, mit Tabus zu brechen. Gedacht sei an kleine Malschulen und Führungen zu Werken, in denen das Thema Krankheit verarbeitet werde. Schon etabliert ist das von ihr initiierte Gemeinschaftsprogramm mit der Universität Mainz „Sport und Krebs“. Selbst schwerkranke Patienten fühlten sich meist schon nach zwei Wochen moderatem Ausdauertraining deutlich leistungsfähiger und optimistischer, berichtet die begeisterte Sportlerin, die möglichst täglich joggt.

          Eine gute Chefin

          Laufen ist ihr Ventil, um den Kopf von den berufsbedingten Belastungen wieder frei zu bekommen. Natur und Ruhe genießt die Frühaufsteherin an Wochenenden, wenn sie morgens um sechs Uhr rudern geht. Dieser Sport verbindet die gesamte Familie. Ihr Ehemann, der einen Lehrstuhl für Toxikologie an der Universität Zürich hat, rudert dort im Professoren-Achter. Die drei Kinder sind ebenfalls begeisterte Ruderer.

          Und manchmal trifft sich die ganze Familie sonntags auf dem Wasser. Anschließend gibt es selbstgemachte Pasta: „Ich koche sehr gerne.“ Ebenso berühmt wie beliebt bei Freunden und Verwandten ist ihr Erdbeerkuchen, den Elke Jäger dick mit den leckeren Früchtchen belegt. Die Professorin gibt eben nicht nur in der Klinik eine gute Chefin.

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