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Frankfurter Gesichter : Eberhard Kramer

Ein kurzes Zögern, dann nickt er. Eberhard Kramer hat, wie er sagt, bisher wenig über seine Wirkung auf andere nachgedacht. Die Haltung stets korrekt, bedächtig die Wortwahl, klar die Gedankenführung - manchem kommt das etwas preußisch vor.

          Ein kurzes Zögern, dann nickt er. Eberhard Kramer hat, wie er sagt, bisher wenig über seine Wirkung auf andere nachgedacht. Die Haltung stets korrekt, bedächtig die Wortwahl, klar die Gedankenführung - manchem kommt das etwas preußisch vor. „Warum eigentlich nicht“, sagt der Präsident des Frankfurter Landgerichts und lächelt sein warmherziges Lächeln, „wenn die Tugenden gemeint sind.“ Man merkt, er fühlt sich wohl an seinem Platz, oder wie er es formulieren würde: „Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht.“ In der Sache aufzugehen, sich selbst zurückzunehmen - Eberhard Kramer verkörpert Pflichtbewußtsein wie wenige im nicht uneitlen Justizbetrieb.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sich dem Recht zu verschreiben hat in seiner Familie Tradition. Der Vater war stellvertretender Regierungspräsident in Trier, die Familie zog seiner Karriere wegen aus Berlin an die Mosel. Weil seine Mutter von dort stammte, machte Kramer in Österreich Matura. Es sei für ihn keine Frage gewesen, auch Rechtswissenschaften zu studieren. Daß bei gesellschaftlichen Empfängen manch einer nicht weiß, wo der schlanke große Mann im gutsitzenden Anzug „hingehört“, damit kann der Dreiundsechzigjährige leben.

          Er arbeitet daran, die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Bedeutung der Rechtsprechung abzubauen. Gelegentlich referiert er deshalb darüber, wie sehr die Justiz zum Alltag gehöre und für die Menschen da sei. Als Vorsitzender einer Zivilkammer ist ihm der Kontakt zu den Rechtsuchenden geblieben. „Gute Justiz kostet Zeit“, lautet sein Credo.

          Grummeln unter den Richterkollegen

          Zunächst ist der Präsident eines der größten Landgerichte in Deutschland aber Organisator und Chef. Sein Werdegang hat ihn für die Aufgabe prädestiniert: 1973 holte man den jungen Zivilrichter, der beide Examina mit Prädikat absolviert hatte, ins Ministerium nach Wiesbaden. Was nach Kramers damaliger Vorstellung vielleicht ein Jahr dauern sollte, mündete in eine klassische Ministeriallaufbahn: Haushaltsreferent, stellvertretender Leiter der Abteilung Justizverwaltung, Leiter der Gruppe Personalwesen.

          Eberhard Kramer erinnert sich noch an das Grummeln unter den Richterkollegen, als er im Februar 1985, noch nicht 43 Jahre alt, zum Vizepräsidenten des Oberlandesgerichts berufen wurde. Aber damals verstummten die Nebengeräusche schnell, der vermeintliche Karrierist bewies, daß er ein versierter Verwalter war. Effektivität steht oft im umgekehrten Verhältnis zur öffentlichen Wahrnehmung - um Kramer wurde es in diesem Sinne still. Ganz im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten, dem damaligen Präsidenten des OLG, Horst Henrichs. Dessen Gewerkschaftsaffäre und späteren Abgang erlebte Kramer allerdings Ende 1997 schon aus kollegialer Perspektive: 1991 ins Ministerium als Leiter der Abteilung Justizverwaltung zurückberufen, trat er im April 1996 das Amt des Landgerichtspräsidenten an.

          Das bewegte Berufsleben kontrastiert zu seiner gelassenen Art. Entspannung findet Eberhard Kramer, Vater zweier erwachsener Töchter, auf Radtouren mit seiner Frau. Allerdings hält er nichts von Rundum-Sorglos-Paketen, bei denen das Gepäck ins nächste Hotel chauffiert wird. Wenn schon, dann richtig, mit dem Nötigsten in Radtaschen. Und mit ganz viel Kultur am Wegesrand. Alles habe mit den Schlössern der Loire angefangen, erzählt er - und plötzlich gerät der Präsident ins Schwelgen.

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