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Frankfurter Gesichter : Christian Garbe

Er behauptet bisweilen von sich, im Grunde ein schlichter Mensch zu sein. So wie Ökonomen eben seien.

          Er behauptet bisweilen von sich, im Grunde ein schlichter Mensch zu sein. So wie Ökonomen eben seien. Diese Selbstcharakterisierung ist allerdings weniger wörtlich zu nehmen, denn als Sinnbild anzusehen: Garbe folgt als Geschäftsführer des Frankfurter Innovationszentrums Biotechnologie (FIZ) einer klaren, einfachen Linie. Mit Blick auf die Ansiedlung eines Unternehmens im FIZ interessiert ihn der Markt, auf den eine Geschäftsidee zielen muß. Er will eine Antwort auf die Frage:

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wie kann ich mit Wissenschaft Geld verdienen?“ Und diese Frage stellt er zu recht - schließlich leben viele Biotech-Firmen weiter mehr von Versprechen und Umsatzphantasien als von realen Gewinnen. Nur Geld zu verbrennen und am Ende kein Produkt zu haben, das Abnehmer findet - das ist mit ihm nicht zu machen: „Letztlich geht es um die Frage: verkaufst du oder verkauft du nicht?“ Das hat er schon im August 2002 gesagt - kurz nachdem er seinen Posten angetreten hatte bei dem Unternehmen, hinter dem das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und die Industrie- und Handelskammer Frankfurt stehen.

          Vorliebe für Anglizismen

          Die Unternehmens- wie die Kapitalmarktsicht kannte er seinerzeit schon: Der verheiratete Agrarökonom, der 1996 mit einer spieltheoretischen Analyse der europäischen Umweltpolitik promoviert worden war, hatte vier Jahre lang für den Pharmakonzern Novartis in Basel gearbeitet und für die Frankfurter DZ Bank als Analyst die Biotech-Branche beobachtet. Aus jener Zeit mag auch die Vorliebe für Anglizismen stammen, die Kapitalmarktmenschen gerne im Munde führen.

          Mit einem konnte er bei seinem Amtsantritt aber nicht dienen: engeren Bindungen an die wesentlichen Spieler in Landes- und Kommunalpolitik und in der Wirtschaft. „Ich kam nach Frankfurt und kannte niemanden“, erinnert sich der Hüne mit dem an den Schläfen leicht ergrauten, gegelten Blondhaar, der mit Anzug und Krawatte stets wie aus dem Ei gepellt aussieht und nach der Arbeit gern Tennis spielt und Fitneß betreibt, was die sportlich-kräftige Statur erklärt.

          Blick nach Asien

          Doch der relativ unverstellte Blick von außen und die Unabhängigkeit von lokalen Seilschaften haben sich zumindest nicht als hinderlich erwiesen. Auch nicht, daß Garbe einen aus neun Forschern bestehenden naturwissenschaftlichen Beirat berufen hat, in dem auch Wissenschaftler aus der Region sind, nicht zuletzt aber Forscher aus dem Ausland. „Der Ministerpräsident hat mich arbeiten lassen“, sagt er.

          Auf das Zwischenergebnis kann Roland Koch gelassen schauen. Mit dem Geschäftsführer, der bei Besuchen in seiner alten Heimat Hameln gern auf die Jagd geht, haben die Gesellschafter einen Treffer gelandet, wie die Entwicklung zeigt. Das FIZ hat mit dem Frankfurter Arzneimittelhersteller Merz einen namhaften Neuzugang gemeldet, ist ausgebucht und wird von Herbst an erweitert. Außerdem blickt Garbe, der sich als Europäer sieht, nach Asien: „Das ist ein großer Markt, da müssen wir dabei sein.“ Und der Markt - das ist, wie er meint, letztlich „der Patient im Bett“.

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