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Frankfurter Gesichter : Christa Schleeweit

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Wer in den letzten Augusttagen des vergangenen Jahres durch Frankfurts östlichsten Vorort spazierte, entdeckte dort an höchst unterschiedlichen Orten bunte Plakate, die eine Aufführung des "Schelms von Bergen" ankündigten.

          Wer in den letzten Augusttagen des vergangenen Jahres durch Frankfurts östlichsten Vorort spazierte, entdeckte dort an höchst unterschiedlichen Orten bunte Plakate, die eine Aufführung des „Schelms von Bergen“ ankündigten. Wer sich allerdings dann erst zum Kartenkauf entschloß, dessen Aussichten standen schlecht:

          Die vier Freiluftvorstellungen vor der Schelmenburg (bei schlechtem Wetter in der Stadthalle) - jede erlaubte immerhin bis zu 800 Besuchern den Zutritt - waren längst ausgebucht. Der Grund dieser ungewöhnlichen Attraktivität ist ein doppelter: Dieses „Heimatspiel“ wird nur alle vier Jahre aufgeführt, und es gehört ohne Zweifel zur gewachsenen Identität dieser kleinen Stadt, die erst 1977 ihre kommunale Selbständigkeit verlor, um Teil der großen Mainmetropole zu werden.

          Kommunikativ, resolut und fröhlich

          Der Autor Carl Weil war übrigens ein Autodidakt und ein echter Bergen-Enkheimer dazu, dessen Großmutter und Mutter in der Triebstraße ein Lebensmittelgeschäft betrieben. Zum ersten Mal konnte man sein Stück 1954 an der Ostseite des Alten Rathauses (heute: Heimatmuseum) sehen. Den Stoff dazu lieferte die Sage: Ein Henker soll auf einem Maskenball unerlaubt mit der Kaiserin getanzt haben. Als die Masken fielen und das Entsetzen groß war, tilgte der Kaiser die Schmach seiner Gattin, indem er den Inkriminierten in den Adelsstand erhob („So ward der Henker ein Edelmann“, spottete Heinrich Heine in seiner gleichnamigen Ballade).

          Die Frau hinter diesem wichtigen Projekt heißt Christa Schleeweit: kommunikativ, resolut und fröhlich. Sie kennt die Aufführungspraxis aus dem Effeff, denn seit 1981 fungiert sie als Regisseurin, was auch die Verantwortung für den Einsatz von insgesamt 70 Laiendarstellern mit einschließt. Doch ihre eigene Geschichte beginnt noch viel früher: Sie war schon bei der Uraufführung 1954 mit dabei und spielte damals, fünfzehnjährig, die Hofdame Adelgunde; später dann, 1957 und 1958, schon die Kräuterfrau Sybille, die mit ihren geheimnisvollen Aktivitäten die ganze Handlung erst in Gang setzt und an der bis heute ihr Herz hängt.

          Einmaleins des Regiehandwerks

          Zu ihren schönsten Erinnerungen zählt ein Vorfall, daß während einer Aufführung draußen, zu der auch immer Pferde, Ziegen, Gänse und Hühner eingesetzt werden, ein Schwarm Enten bei ihrer Weissagung über die Szene flog und so dem Ganzen eine eigentümliche Authentizität verlieh. Christa Schleeweit - in Frankfurt zwar geboren, aber eigentlich immer hier vor dessen Toren zu Hause - hat schon manche aus ihrer vielköpfigen Familie zum Mitmachen animieren können und weiß darüber schöne Anekdoten zu erzählen.

          Der Begeisterung für das Theater aber hat sie schon auf der Schule gefrönt und später bei Liesel Christ das Einmaleins des Regiehandwerks gelernt (wobei sie ernsthaft überlegt, ob sie sich nicht einmal beim Volkstheater als Darstellerin melden soll). Auf jeden Fall ist sie entschlossen, auch in Zukunft den „Schelm von Bergen“ zum Erfolg zu führen.

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