https://www.faz.net/-gzg-rwju

: Frankfurter Gesichter: Carola Moritz

  • Aktualisiert am

Noch heute verklären sich die Gesichter von Eltern und Lehrern, wenn sie Carola Moritz begegnen. "Sie sind doch das Sams", erinnern sie sich, obwohl es schon zehn Jahre her ist, daß die Schauspielerin in der Rolle des liebenswerten Kobolds von Paul Maar brillierte.

          2 Min.

          Noch heute verklären sich die Gesichter von Eltern und Lehrern, wenn sie Carola Moritz begegnen. "Sie sind doch das Sams", erinnern sie sich, obwohl es schon zehn Jahre her ist, daß die Schauspielerin in der Rolle des liebenswerten Kobolds von Paul Maar brillierte. Kindertheater zählt noch immer zu den drei professionellen Lieblingsbeschäftigungen der Bühnenkünstlerin, auch wenn sich "Die Katakombe" nur noch eine Produktion jährlich für das Theaterpublikum von morgen leisten kann. Das Musical "Jim Knopf und die wilde 13" von Konstantin Wecker steht sogar schon seit zwei Jahren auf dem Spielplan des kleinen Theaters in der Pfingstweidstraße am Zoo und zieht in der Inszenierung von Moritz und dank des RMV-Kombi-Tickets noch immer Zuschauer von Limburg bis Heppenheim an.

          "Die Katakombe" hatte es noch nie leicht. Als Carola Moritz vor 20 Jahren zum Ensemble stieß, manövrierte Gründungsvater Marcel Schilb sein freies Theater gerade wieder durch eine der zahlreichen Finanzkrisen. Die junge Schauspielerin debütierte in der Eisler-Oper "Johann Faustus" und widmete sich danach einem Kinderzirkusstück mit Clowns und Pantomime. Die Zeit der "Grips"-Epigonen war vorbei, die Kinder wollten ohne pädagogischen Zeigefinger, aber mit Phantasie unterhalten sein. Aus Kinderbüchern zimmerte Moritz eigene Stücke und entdeckte dabei ihre Liebe zur literarischen Bühnenbearbeitung. Seitdem dramatisiert und inszeniert sie auch Weltliteratur wie "Werther", "Effi Briest", Bölls "Ansichten eines Clowns" oder Abende mit Texten von Kästner und Tucholsky.

          Schließlich kommt sie aus einer Buchhändlerfamilie. 1959 in Stuttgart geboren und dort aufgewachsen, stand sie zwar schon mit sechs Jahren als tanzendes Rattenbaby im "Nußknacker" auf der Bühne des Württembergischen Staatstheaters, begleitete aber auch ihre Eltern regelmäßig zur Frankfurter Buchmesse. Bücher oder Bühne - das war hier die Frage. Da sie als Tänzerin "anatomisch limitiert" war, verabschiedete sie sich mit 16 vom klassischen Ballett an der Cranko-Schule und ließ sich nach dem Abitur an der Musikhochschule Köln zur Bühnentänzerin ausbilden. In der Operetten-Pampa am Stadttheater Hildesheim wurde das "Mädel im Trikot" aber nicht glücklich. Zurück in Stuttgart, ließ sich Moritz privat zur Schauspielerin ausbilden und trat als Gast in Eßlingen und Tecklenburg auf, bevor sie 1985 nach Frankfurt kam.

          Hier nahm sie neben ihren Auftritten als Schauspielerin und Tänzerin noch sechs Jahre lang Gesangsunterricht bei Michael Flöth an Dr. Hoch's Konservatorium. Als Sängerin konnte sie nun auch Chanson-Abende wie "Moulin Rouge", Zwanziger-Jahre-Revues und musikalische Stücke wie ihre unvergessene "Lola Blau" aufführen. 1995 übernahm sie neben Schilb die Leitung des Theaters. Zwischen den zwei bis drei Premieren im Jahr, dem Marketing, den Wiederaufnahmen und der dramaturgischen Vorbereitung findet sie immer noch Zeit, um sich von den Berliner und Frankfurter Bühnen inspirieren zu lassen - oder zu lesen. "Ich bin ein bekennender Walser-Fan", gesteht Carola Moritz fast ein wenig verlegen und empfiehlt sich mit verschmitztem Lächeln als Dame Kobold.

          CLAUDIA SCHÜLKE

          Weitere Themen

          Vom Reifrock verschluckt

          Aufführung im Staatstheater : Vom Reifrock verschluckt

          An Absurdität nicht zu überbieten: Uwe Eric Laufenberg hat in kürzester Zeit Samuel Becketts „Glückliche Tage“ auf die Bühne des Staatstheaters Wiesbaden gebracht.

          Maske, Macadamia und Tamarinde

          FAZ Plus Artikel: Lokaltermin : Maske, Macadamia und Tamarinde

          Das Hotel Roomers in Frankfurt hat vor einem halben Jahr einen kulinarischen Neustart gewagt. Mit dem Restaurant Burbank hat eine Kombination von japanischer und panasiatischer mit europäischem Einfluss in die Räume Einzug erhalten.

          Topmeldungen

          Tourismus : Schweiz buhlt um Deutsche

          Den Eidgenossen fehlen die ausländischen Gäste, vielen Hotels droht der Konkurs. Nun wollen sie bei deutschen Touristen punkten – mit praktischen und geldwerten Angeboten.
          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt es nichts Gutes.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.