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: Frankfurter Gesichter: Bergit Gräfin Douglas

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          2 Min.

          Geld zu spenden ist gut. Noch besser ist es, Einfluß darauf zu nehmen, wie gespendetes Geld verwendet wird. Das hat sich auch Bergit Gräfin Douglas gesagt, als sie vor neun Jahren gefragt wurde, ob sie Vorsitzende des Frankfurter Kinderschutzbunds werden wolle. Also sagte sie zu - ohne zu wissen, daß mit dieser ehrenamtlichen Tätigkeit viel Arbeit verbunden sein würde. "Doch irgendwann wurde sie eine richtige Droge", sagt sie.

          Das galt vor allem für die Umwandlung des früheren Pfarrhauses und der benachbarten Orangerie im Günthersburgpark in das neue Zentrum des Kinderschutzbunds. Heute wird es eröffnet. Das "Kinderhaus", in dem auch drei Therapeuten arbeiten, ist größer als die frühere Niederlassung in Bockenheim, und die Orangerie bietet viel Platz für Veranstaltungen. Für die Sanierung der Gebäude hatten die Leser dieser Zeitung Geld gespendet. Und natürlich hat auch Gräfin Douglas einen maßgeblichen Anteil am Gelingen des ehrgeizigen Projekts, allein durch ihre Bereitschaft, auf Menschen zuzugehen und um ihre Hilfe zu bitten.

          Daneben kommen ihr in ihrem ehrenamtlichen Engagement aber auch ihre Fähigkeiten als Geschäftsfrau - Gräfin Douglas ist selbständige Innenarchitektin - zugute: Organisationstalent genauso wie der Wille, Pläne konsequent zu verfolgen. Wie sie erzählt, war dies gerade zu Beginn ihrer Amtszeit gefragt, als "Fundraising" beim finanziell angeschlagenen Kinderschutzbund noch ein Fremdwort war. Dessen Arbeit hält sie für unerläßlich: "Unsere Gesellschaft muß sich für Kinder, die ja ihre Basis bilden, stark machen." Zu Beginn ihrer Arbeit als Vorsitzende habe sie nicht gedacht, wie viele Kinder unter Gewalt oder Vernachlässigung litten. "Und dafür muß man nicht in sogenannte soziale Brennpunkte gehen."

          Die seit 20 Jahren mit Christoph Graf Douglas verheiratete Siebenundfünfzigjährige weiß, was Kindererziehung bedeutet: Sie hat fünf Kinder; zwei hat sie in die Ehe mit dem selbständigen Kunstberater mitgebracht. Abgesehen von kurzen Pausen nach den Geburten ist sie immer ihrem Beruf nachgegangen, und an Aufträgen hat es nie gemangelt. "Ich wollte schon immer unabhängig sein und selbst über meine Zeit verfügen." Daher wollte sie auch nicht als Grundschullehrerin - vor ihrer Ausbildung zur Innenarchitektin in London hatte sie ein Pädagogikstudium absolviert - tätig sein.

          Was hoher Arbeitseinsatz bedeutet, weiß Bergit Gräfin Douglas schon seit Kindertagen. Schließlich ist sie die Tochter des Industriellen Rudolf August Oetker. Verwöhnt wurden sie und ihre acht Geschwister jedoch nicht unbedingt, wie man meinen könnte. "Mein Vater war liebevoll, aber sehr streng, viel Geld hatten meine Geschwister und ich nicht." Gelegentlich habe dies in ihrer Jugendzeit die "Lebensfreude" etwas eingeschränkt, "doch ich lebe in Frieden mit meinen Eltern und meiner Erziehung".

          In Frankfurt lebt sie inzwischen seit 23 Jahren. Hierhin war die damals zweifache Mutter nach ihrem mehrjährigen Aufenthalt in England, wo ihr erster Mann arbeitete, und nach der Scheidung von ihm ganz bewußt gezogen. "Frankfurt ist eine ungeschminkte und keine Schicki-Micki-Stadt", sagt sie, und gerade das hat sie gereizt. "Außerdem hat sich gerade damals viel getan, etwa mit dem Aufbau des Museumsufers." Ein Neuanfang waren jene Jahre nicht nur für die Stadt, sondern auch im Leben von Gräfin Douglas. Damals konnte sie noch nicht ahnen, daß sie einmal einen weiteren Neubeginn maßgeblich mitgestalten würde: den des Frankfurter Kinderschutzbunds. stefan toepfer

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