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: Frankfurter Gesichter: August Heuser

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Als Befehlsempfänger zu arbeiten hat sich im Leben von August Heuser mehr oder weniger auf die 18 Monate als Wehrdienstleistender beschränkt. Zumindest war sein Drang immer groß, möglichst selbständig zu sein und Einfluß auszuüben.

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          Als Befehlsempfänger zu arbeiten hat sich im Leben von August Heuser mehr oder weniger auf die 18 Monate als Wehrdienstleistender beschränkt. Zumindest war sein Drang immer groß, möglichst selbständig zu sein und Einfluß auszuüben.

          Deswegen hat es der heutige Direktor des Frankfurter Dommuseums und des Diözesanmuseums in Limburg nur ein Jahr, 1998, als Referent für Kunst und Kultur bei der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn ausgehalten: "In diesem goldenen Käfig hat jeder Bischof immer recht, und man muß sich verbiegen." Aber auch als Pastoralreferent in Pfarreien hatte er nach eigenen Maßstäben nicht genügend Raum für ein eigenständiges und erfülltes Arbeiten.

          Mit der Tätigkeit in Kirchengemeinden war 1980 erst einmal Schluß. Heuser, 1949 in Frankfurt geboren, arbeitete als Wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Katholische Theologie der Frankfurter Universität, wurde promoviert und kehrte nach Einsätzen in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, im Schuldezernat des Bistums Limburg und dem Jahr in Bonn nach Frankfurt zurück. Dort war er für einige Zeit Oberkustos am Dommuseum und Pastoralreferent in St. Gallus. Seit 2002 widmet er sich als Museumsdirektor ganz der Arbeit im Dom. Nun hat er auch die Leitung des Diözesanmuseums in Limburg inne. Darüber hinaus ist er Honorarprofessor im Fachbereich Katholische Theologie an der Goethe-Universität.

          Die Klammer um seine Vita sieht der Theologe, Pädagoge und Kunstgeschichtler in der Arbeit als "Lehrer" und Mann der Kirche: "Ich bin gerne Vermittler." Dazu hat er im Dom, in dem er regelmäßig Führungen anbietet, in seinen beiden Museen und an der Universität viel Gelegenheit. In einer Schule hat er nur einmal als Referendar gearbeitet. Zu massiv sind seine prinzipiellen Zweifel am Schulsystem, als daß er dessen Teil werden wollte. "Die Schule ist pädagogisch wenig sinnvoll, alles ist vorgeplant, es gibt nichts Überraschendes mehr. Gerade dann aber lernt der Mensch am meisten." Kirchliche Schulen nimmt er dabei nicht aus. Auf die Idee, Theologie zu studieren - in der Zeit der Achtundsechziger keine Selbstverständlichkeit -, kam Heuser aus Neugier. "Ich wollte wissen, ob das stimmt, was man mir im katholischen Internat so alles erzählt hat." Im Studium hat er manche "Krise" erlebt, wie er sagt, etwa in der Interpretation biblischer Wundergeschichten, die gewohnten Vorstellungen zuwiderlief. Krisen anderer Art erlebt er heute als Professor. Beispielsweise beherrschen längst nicht mehr alle Theologiestudenten die christlichen Grundgebete. "Theologie wird nicht selten als Verlegenheitslösung studiert", urteilt Heuser.

          Dabei habe die Kirche die Pflicht, aber auch die Möglichkeit, ihre Positionen in gesellschaftlichen Debatten klar zu vertreten, für Auseinandersetzungen zu sorgen. "Die Kirche muß wieder einüben, Stein des Anstoßes sein zu wollen." In großer Gefahr sieht Heuser auch eine andere Dimension der Kirche, die der Ästhetik. "Sie ist in die Museen abgewandert." Zu schlecht bestellt ist es seiner Beobachtung nach um die Kunst, eine ansprechende Liturgie zu feiern, zu wenig wissen die Menschen darüber, wie man sich angemessen in einer Kirche verhält. "Dabei ist der Glaube auch dies: eine Kategorie von Schönheit."

          STEFAN TOEPFER

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