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: Frankfurter Gesicht: Werner Rosmaity

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Schuld ist Hilmar Hoffmann. Der muß irgendwann einmal gesagt haben, Frankfurt sei keine Filmstadt. Das hat Werner Rosmaity unglaublich geärgert. Er empfand es als Verrat. Wahrscheinlich auch an seiner Person.

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          Schuld ist Hilmar Hoffmann. Der muß irgendwann einmal gesagt haben, Frankfurt sei keine Filmstadt. Das hat Werner Rosmaity unglaublich geärgert. Er empfand es als Verrat. Wahrscheinlich auch an seiner Person. Also hat er sich gesagt, dem werde ich es zeigen. Was da geschah - Hilmar Hoffmann hatte wohl keine Ahnung davon. Dafür bekam Frankfurt sein drittes Programmkino, was im Vergleich zu anderen Städten ohnehin erbärmlich wenig ist.

          Das Filmtheater Valentin in der Windthorststraße - in den Fünfzigern als Theater geplant - war das Truppen-Kino der bis 1992 in Höchst stationierten Amerikaner. Es hat eine feste Gemeinde in einer sozial nicht ganz leichten Ecke im Westen von Frankfurt. Das "Valentin" ist ein Stück Bildungsbürgertum im sozialen Brennpunkt.

          In diesem schwierigen Umfeld vor knapp zehn Jahren ein anspruchsvolles Kino aufzumachen - Werner Rosmaity muß ein Phantast sein oder ein Film-Besessener mit sozialer Ader und Engelsgeduld. Der Hamburger, Jahrgang 1951, sagt von sich, er sei ein Schwärmer, habe Schwierigkeiten gehabt, erwachsen zu werden. Dabei kann der "Valentin"-Geschäftsführer sich noch heute begeistern - in erster Linie für Filme natürlich. Wenn er von etwas fest überzeugt ist, fällt es ihm nicht schwer, andere davon zu überzeugen.

          Der Cineast kann aber auch rechnen, schließlich hat er in Frankfurt - er verließ Hamburg um einer schönen Frau willen - sechs Semester Betriebswirtschaft studiert. Weil das die Eltern erwarteten. Der Vater war Kaufmann. Danach belegte er Pädagogik mit Schwerpunkt Sozialpädagogik. Erzieher wollte er jedoch nicht werden, allenfalls Medienpädagoge. Denn irgendwann hatte er seine erste Super-8-Kamera in der Hand. Mit sechs Gleichgesinnten hob er 1986 die "Medienwerkstatt Frankfurt" aus der Taufe, deren Geschäftsführer er ebenfalls ist. Dort können Kinder und Jugendliche in die Rolle von Filmemachern schlüpfen. Momentan dreht er im Auftrag des Amts für multikulturelle Angelegenheiten einen Film über verschiedene Schultypen in sieben Sprachen.

          Morgens Medienwerkstatt, abends "Valentin". So ging es jahrelang. Werner Rosmaity lebt für den Film, wenn auch nicht vom Kino. Dafür spielt das "Valentin" zu wenig ein. Obwohl es reichlich mit Preisen bedacht ist. Seit 1995 bekommt es regelmäßig den Hessischen Kinopreis, sechsmal erhielt es den Deutschen Kinoprogrammpreis. Gerade wieder. Das Geld fürs Leben verdient er in seiner Eigenschaft als Medienpädagoge.

          Tausende Filme hat Werner Rosmaity schon gesehen. Wenn sie gefühlvoll und gut sind, leidet er mit. Immer noch. Wenn nicht, achtet er mehr auf die Machart, auf die Beleuchtung und die Kamerasequenzen. Freilich geht er viel zu Festivals. Das betrachtet er als Kombination aus Arbeit und Lustgewinn. Eine andere Freude ist für ihn, Frankfurt zu verteidigen. Zum Beispiel in Hamburg. Sein Traum jedoch ist, einen Verleih zu gründen, um die ganz ausgefallenen Filme nach Frankfurt zu holen. Schon wegen Hilmar Hoffmann. CORNELIA VON WRANGEL

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