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Frank Sauerland : Frankfurter Gesichter

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Diesen Mann mit dem Adjektiv "facettenreich" zu beschreiben, wäre untertrieben. Frank Sauerland lebt äußerlich wie intellektuell von Gegensätzen - und ist als guter hessischer Beamter doch ganz eins mit seinem Kultusministerium.

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          Diesen Mann mit dem Adjektiv „facettenreich“ zu beschreiben, wäre untertrieben. Frank Sauerland lebt äußerlich wie intellektuell von Gegensätzen - und ist als guter hessischer Beamter doch ganz eins mit seinem Kultusministerium. Sogar seine liberale Gesinnung läßt er im Amt ruhen.

          „Eindimensionale Menschen finde ich langweilig“, kommentiert Sauerland selbst seinen Charakter. Vor vier Jahren zum Leiter des Amtes für Lehrerausbildung berufen und seit 2005 Chef des daraus entstandenen fast gleichnamigen Amtes für Lehrerbildung, ist der 52 Jahre alte Pädagoge Hessens höchster Lehreraus- und -fortbilder. Gemeinsam mit seinen 1100 Mitarbeitern begleite er die Pädagogen des Landes nach der Umstrukturierung des Amtes und der Einführung der Fortbildungspflicht nun „von der Wiege bis zur Bahre“.

          Germanist und England-Fan

          Stets im korrekten Nadelstreifenanzug unterwegs, „weil ich ein anglophiler Mensch bin und sogar mehrmals im Jahr nach London reise und mir dort auch stets mein Rasierwasser und meine Seife kaufe“, ist Sauerlands Frisur weniger englisch: halblang trägt er das weiße, nach hinten gekämmte Haar. Denn als Germanist hat der England-Fan eine Vorliebe für die Romantik und war schon früh von einem Bild des deutschen Dichters Novalis begeistert: „Der sah eigentlich schon damals aus wie die heutigen Rock-Stars.“ Aus Faszination wurde Pragmatismus: Er habe die Mähne gelassen - „allein schon wegen des Wiedererkennungswertes. Die Leute wissen sofort, wer ich bin, und sind gleich viel freundlicher zu mir“.

          Eigentlich aber geht er seinem „Traumjob“ nach, denn „ich darf eine Struktur mitkreieren, die ich für die beste in Deutschland halte“. Kein anderes Bundesland habe die drei Phasen der Lehrerbildung - Studium, Referendariat und Fortbildung - unter einem Dach vereint. Die Struktur ist geschaffen, nun müssen die Lehrer davon profitieren. Denn wissenschaftlich seien die Pädagogen gut ausgebildet, pädagogisch und fachdidaktisch gebe es hingegen Nachholbedarf, zumal die „Klientel“ immer heterogener werde und die unterschiedlichsten Probleme habe. Auch müßten die Lehrer lernen, „out-put-orientiert“ zu arbeiten, wofür die Einführung von Standards unerläßlich sei, resümiert Sauerland und greift zur Tasse mit Tweety-Emblem.

          Comic-Liebhaber

          Überall in seinem Büro hinter dem Hauptbahnhof steht, liegt und hängt der possierliche gelbe Kanarienvogel - Sauerland ist ganz nebenbei noch Comic-Liebhaber und -sammler. Seine Eltern hatten in seinem Geburtsort Rüsselsheim einen Laden mit angeschlossenem Kiosk. Dort durfte er die Heftchen zwar lesen - mußte sie zwecks Verkauf aber immer wieder abgeben. Als „Aufarbeitung meiner Kindheit“ stellt sich Sauerland die Comics jetzt in den Bücherschrank im ländlichen Trebur.

          Dort steht auch ein roter Morgan-Sportwagen in der Garage, und dort wird sich Sauerland wahrscheinlich in 13 Jahren nach seiner Pensionierung auch an den Schreibtisch setzen um seinen nächsten Traum zu verwirklichen: eine John-Wayne-Biographie zu schreiben.

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