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: Charly Körbel und die Kirche

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In Zeiten wie diesen ist die evangelische Kirche froh über Sympathieträger, wie Karl-Heinz "Charly" Körbel einer ist. Während allein in Frankfurt jährlich 1700 Menschen ihren Austritt aus der evangelischen ...

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          In Zeiten wie diesen ist die evangelische Kirche froh über Sympathieträger, wie Karl-Heinz "Charly" Körbel einer ist. Während allein in Frankfurt jährlich 1700 Menschen ihren Austritt aus der evangelischen Kirche erklären, hat sich der frühere Eintracht-Star im Februar für das Gegenteil entschieden. Körbel hat dafür ein Angebot genutzt, das der Evangelische Regionalverband im Dominikanerkloster macht. Dort gibt es im "Evangelischen Info-Center" eine Eintrittsstelle, in der man "unbürokratisch" in den Schoß der Kirche zurückfinden kann. 103 von 256 Menschen, die in diesem Jahr wieder in die Kirche eingetreten sind, haben das dort getan. Und wenn unter ihnen ein Prominenter ist, dann ist das schon, wie am Donnerstag geschehen, eine Pressekonferenz wert.

          "Die Resonanz auf meinen Wiedereintritt ist so groß wie das Interesse an mir, als ich noch Spieler und Trainer war", sagt Körbel erstaunt. Kein Wunder - möchte man doch gerne wissen, was einer wie der frühere Bundesliga-Rekordspieler und heutige Berater des Eintracht-Vorstands über Glauben und Kirche denkt. Zunächst dies, daß die Kirche offenbar anders geworden ist, irgendwie offener. "Es war ein sehr nettes Gespräch in der Eintrittsstelle", sagt Körbel. "Der Eintritt war sehr unkompliziert. Das ist das Wichtigste, denn die Leute haben Schwellenangst." Das weiß auch Esther Gebhardt, die Vorsitzende des Regionalverbands. "Wir wollen den Leuten die Angst nehmen mit diesem niedrigschwelligen Angebot." Keine Glaubensprüfung also, vielmehr "kundenfreundliche" Öffnungszeiten, wie es heißt - die Kirche hat aus dem Mitgliederschwund ihre Schlüsse gezogen.

          Charly Körbel findet das gut so. Er hegt keinen Groll mehr gegen seine Kirche - anders als 1985, als er sie verließ. Daß Kirche sich verändert hat, habe er nicht zuletzt an seinem neuen Wohnort, Königstein im Taunus, feststellen können. "Der Gottesdienst für die neuen Schüler in der Bischof-Neumann-Schule war toll", berichtet er. Seine Tochter besucht seit kurzem diese katholische Schule. "Das hat mich bestätigt, daß mein Eintrittsentschluß richtig war."

          "Ich bin in letzter Zeit auf andere Gedanken gekommen", erzählt Körbel. Gedanken, die aus Schicksalsschlägen in seiner Familie, vor allem aber aus seiner Arbeit als Leiter der Eintracht-Fußballschule und dem Kontakt zu Unicef herrühren. In der Schule hat er soziales Engagement gezeigt und behinderte sowie nichtbehinderte Kinder zusammengebracht. Mehr und mehr erfuhr er dank seiner Unicef-Kontakte über das Leben anderer Kinder, die es wirklich schwer haben. Das relativiert manches. "Irgendwann hat es dann ,klick' gemacht", sagt Körbel - der Wunsch, zur Kirche zu gehören, war da, denn "sie gibt Geborgenheit". Ein Kirchgänger sei er deswegen nicht geworden. Um Angebote seiner Königsteiner Gemeinde wahrzunehmen, fehle ihm die Zeit. "Man kann auch anders zeigen, daß man Christ ist."

          Manche Szenen von damals hat er immer noch vor Augen: Wie sich seine katholische Frau und er vor ihren beiden Pfarrern "wie auf einer Anklagebank" gefühlt hätten, als sie heiraten wollten. 1977 war das. Wie es hieß, er müsse seine Kinder katholisch taufen lassen. Wie er nach weiteren Erlebnissen mit Kirchenleuten merkte: "Das ist nicht meine Schiene." Finanzielle Gründe hätten keine Rolle gespielt. Dem Einwand, es sei unlogisch, wegen einer Forderung der katholischen Kirche aus der evangelischen Kirche auszutreten, entgegnet er: "Damals war ich noch sehr jung, heute würde ich anders reagieren."

          Wie dem auch sei: Seinen Glauben hat er nach dem Austritt nicht verloren, wie er sagt. Dafür sei eine Kirchenmitgliedschaft auch nicht so wichtig. "Außerdem hat meine Tochter im Religionsunterricht eine Eins. Selbst das geht also, auch wenn der Vater lange Zeit nicht in der Kirche war." (toe.)

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