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Pegelstand : Niedrigwasser macht der Rheinschifffahrt zu schaffen

  • -Aktualisiert am

Auf dem Trockenen: Die geringe Wassertiefe des Rheins macht es der Schifffahrt schwer. Bild: dpa

Viele Schiffe können nur noch zur Hälfte beladen werden. Vor allem die Chemieindustrie hängt am Wasserweg. Am Ende hilft nur Regen.

          Das bisschen Regen reicht nicht. Damit der Pegelstand des Rheins wieder steigt, muss schon mehr Wasser vom Himmel fallen als an diesem Wochenende. Am Montag meldete die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung für das mittelrheinische Städtchen Kaub gerade mal einen Pegelstand von 52 Zentimetern, nochmals vier Zentimeter weniger als am Freitag. Der durchschnittliche Wert liegt mit 2,24 Meter mehr als viermal so hoch.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Das Niedrigwasser wird zum Problem, denn je länger es anhält, desto teurer werden die Transporte auf dem Rhein. Der Pegel der Ufergemeinde am Fuße der Loreley ist dabei ein guter Gradmesser, denn für den Transport ist die Flussenge ein neuralgischer Punkt: Der gesamte Schiffsverkehr des Rheins und der Nebenflüsse Neckar und Main muss das Nadelöhr von und zu den Seehäfen in Antwerpen und Rotterdam passieren. Um die 50.000 Schiffe fahren jedes Jahr an Kaub vorbei, schätzt Ralf Schäfer vom Schifffahrtsamt Bingen. Wie neuralgisch die Stelle ist, hatte vor vier Jahren ein Schiffsunglück vor Augen geführt: Damals musste der Fluss für den Schiffsverkehr gesperrt werden, nachdem ein Tankschiff gekentert war.

          Reeder müssen mehr Schiffe einsetzen

          Der Pegelstand von 52 Zentimetern ist nicht gleichzusetzen mit der tatsächlichen Wassertiefe, die liegt nach Angaben des Schifffahrtsamtes rund 1 Meter tiefer. Vor allem große Schiffe aber können die Passage aktuell nur mit erheblich weniger Ladung queren. Folge: Um dieselbe Menge Fracht zu transportieren, müssen die Reeder mehr Schiffe einsetzen, Transport wird teurer. „Kleinwasserzuschlag“ heißt das in der Branche und kann die Frachtkosten schon mal verdoppeln. Schwierig wird es vor allem für die Kunden, die keine langfristigen Verträge abgeschlossen haben – in denen solche Zuschläge in der Regel schon vereinbart sind – also für diejenigen, die kurzfristig Schiffskapazitäten brauchen.

          „Das Preisniveau am Spotmarkt steigt“, sagt Jörg Rusche vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg. Niedrigwasser ist nach seinen Worten kein ungewöhnliches Phänomen, aber die Ausprägung aktuell sei schon beträchtlich, lediglich 2003 war der Stand noch niedriger. Anders als bei Hochwasser gibt es keinen Pegelstand, von dem an der Schiffsverkehr eingestellt wird. Das sei jedem Schiffsführer selbst überlassen, sagt Rusche. Selbst 2003, bei einem Pegel von 35 Zentimetern, sind noch Schiffe gefahren. Solche Manöver können aber die wenigsten Schiffe. Schon heute transportieren viele Schiffer nur die Hälfte der sonst üblichen Ladung, teilweise sogar deutlich weniger, sagt Rusche.

          Verlagerung auf alternative Verkehrsträger

          Über Binnenschiffe werden etwa 10 Prozent der Güter in Deutschland transportiert. Der Rhein ist dabei die mit weitem Abstand wichtigste Wasserstraße. Neben Containern werden vor allem Schüttgüter wie Kohle, Erz, Sand, Kies, aber auch Öl an Kraftwerke und Fabriken im Inland gefahren. Richtung See sind die Schiffe dann häufig mit Containern oder Zwischenprodukten beladen. Für einzelne Branchen wie die Chemie ist die Bedeutung der Wasserstraße noch höher, nicht zufällig liegen entlang des Rheins fast alle großen Chemieunternehmen. Branchenführer BASF fertigt 40 Prozent seiner 14 Millionen Tonnen Güterverkehre über den Rhein ab, 20 Binnenschiffe legen täglich in Ludwigshafen an.

          Die geringere Wassertiefe könne man aktuell durch den Einsatz einer größeren Anzahl von Schiffen und eine Verlagerung auf alternative Verkehrsträger ausgleichen, sagte eine Sprecherin. Sollte der Pegelstand weiter sinken, müsse auch BASF mit Einschränkungen rechnen. Am Ende hilft nur Regen. Spätestens mit dem Adventswasser werde sich die Lage entspannen, sagt Rusche. Nach Regenfällen im Spätherbst und erstem Schnee vor Weihnachten steigen die Pegel in der Regel an. Die Binnenschiffer würden auch diese Situation meistern. „Schwankende Wasserstände gibt es schließlich schon seit der Arche Noah.“

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