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Paulskirche Frankfurt : Fest für Flüchtlingshelfer

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Musik auf dem Willkommensfest „Frankfurt Hilft“ in der Paulskirche: Die Musikgruppe «Chantelle» Bild: dpa

Mit Schauspiel und Musik hat Frankfurt ein Willkommensfest für Flüchtlinge in der Paulskirche gefeiert und sich bei den vielen Helfern bedankt. Bewusst hat sich die Stadt für diesen Veranstaltungsort entschieden.

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          In der symbolträchtigen Paulskirche hat Frankfurt am Sonntag ein Willkommensfest für Flüchtlinge veranstaltet. Den haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern der Stadt sollte mit zahlreichen Schauspiel- und Musikdarbietungen Dank ausgesprochen werden. Das Fest stand unter dem Motto „Frankfurt hilft, Willkommen an die Flüchtlinge und Dank an die Helfer“.

          Peter Altmaier (CDU), Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, sagte seine Teilnahme kurzfristig ab. Er wendete sich stattdessen in einer Videobotschaft an die rund tausend geladenen Gäste in der Paulskirche. Mit Blick auf die Flüchtlinge sagte er: „Sie gehören jetzt zu diesem Land“.

          Große Hilfsbereitschaft, aber auch ein dunkles Deutschland

          Von einem „Zeichen“, das angesichts des am Sonntag gescheiterten Flüchtlingsgipfels der Großen Koalition gesetzt werden müsse, sprach auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne). „In einer Zeit in der täglich Menschen im Mittelmeer ertrinken, können wir eine Orbanisierung der Politik nicht in Kauf nehmen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur und meinte die abschottende Flüchtlingspolitik des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

          Roth ergänzte: „Wir erleben eine unglaubliche Hilfsbereitschaft in der Zivilgesellschaft. Wir erleben aber auch ein dunkles Deutschland, in dem Flüchtlinge Gewalt erleben und Unterkünfte angezündet werden.“ Es sei daher wichtig, dass die Zivilgesellschaft, wie in der Paulskirche, für die Demokratie eintrete.

          Auch Vertreter der Landesregierung und der Stadt waren anwesend. „Frankfurt hat die Willkommenskultur mit Leben gefüllt“, befand der Frankfurter Oberbürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung, Peter Feldmann (SPD). Aus der Willkommenskultur müsse nun eine Integrationskultur werden.

          Paulskirche als Symbol für Demokratie und Freiheit

          Willkommensfeste für Flüchtlinge gibt es landauf und landab in etlichen Kommunen - oft organisiert von Vereinen oder Kirchengemeinden. Einige Kommunen haben bereits den vielen Helfern ihren Dank ausgedrückt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) etwa lud Ehrenamtliche ins Rote Rathaus ein. In München sagten mehrere hochkarätige Bands und Musiker den Helfern mit einem kostenlosen Konzert auf dem Königsplatz „Danke“, darunter die Sportfreunde Stiller, Fettes Brot, Judith Holofernes und Herbert Grönemeyer.

          Frankfurt verbindet den Dank an haupt- und ehrenamtliche Helfer mit dem Willkommen der Schutzsuchenden und hatte sich bewusst die Paulskirche ausgesucht - das Symbol für Demokratie und Freiheit. In der Kirche machte unter anderem der Musiker Shantel sein Aufwartung. Organisiert wurde die Veranstaltung durch den Direktor des Varieté-Theaters Tigerpalast, Johnny Klinke, zusammen mit Michel Friedman (CDU). „Wir wollen ein politisches Zeichen setzen“, sagte Klinke.

          Gemeinsames Gestalten der Zukunft

          Rund 4200 Flüchtlinge hat die Stadt nach Auskunft des Sozialdezernats derzeit an rund 140 Standorten untergebracht. Etwa 850 dieser Menschen leben an sieben Standorten in Turnhallen. Unter dem Motto „Frankfurt hilft - Engagement für Flüchtlinge“ hat die Stadt mit Hilfe von neun Stiftungen ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut. Eine neu eingerichtete Stabsstelle „Flüchtlingsmanagement“ soll von November an die Notversorgung ankommender Flüchtlinge koordinieren. Sie übernimmt zudem die Aufgaben der Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und die Integration der Schutzsuchenden.

          Michel Friedman berichtete von seiner eigenen Geschichte als Kind jüdischer Flüchtlinge. Das Asylrecht, die Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Gewährleistung dieser Errungenschaften im Grundgesetz hätten ihn dazu bewogen, in dem Land heimisch zu werden, in dem seine Eltern verfolgt worden waren. Die gesellschaftliche Aufgabe der Integration sei „anstrengend und es wird weiter anstrengend bleiben“, sagte Friedman. „Aber wer will, kann diese Flüchtlinge in unsere Gesellschaft integrieren.“ Zu den Gästen sagte er: „Ich freue mich, dass wir die Zukunft gemeinsam gestalten.“

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