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Paul-Ehrlich-Institut : Ein Platz für Viren

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Ortswechsel: Seit 1983 arbeiten die Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts in dem Gebäudekomplex in Langen. Bild: Wonge Bergmann

Nach drei Jahrzehnten ist ein Neubau fällig. Das Paul-Ehrlich-Institut sucht einen geeigneten Standort, will aber im Rhein-Main-Gebiet bleiben. Einen Wegzug möchte die Stadt Langen verhindern und sieht sich noch gut im Rennen.

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          Durch die Glastür fällt der Blick in ein Labor der Sicherheitsstufe zwei. „Hier kein Eingang!!“ ist auf einem Schild an der Tür zu lesen; „die gentechnischen Anlagen PEI 19, PEI 22 und PEI 23 dürfen nur über die Schleusen und mit entsprechender Schutzkleidung (Kittel und Handschuhe) betreten werden“. Die Abkürzung PE steht für das Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Jeder, der im Sicherheitsbereich zu tun hat, muss aber nicht nur Schutzkleidung tragen, sondern auch eine entsprechende Schulung vorweisen. Ein gelbschwarzes „Biohazard“-Dreieck macht auf eine mögliche biologische Gefährdung aufmerksam, denn die Mitarbeiter in den Labors hantieren mit Viren, die Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können.

          Beim Wechsel von der Stufe zwei in einen Sicherheitsbereich der Stufe drei ist die Schutzkleidung zu wechseln: grüner Kittel, Überschuhe, doppelte Handschuhe. Doppelter Unterdruck verhindert, dass gefährliche Partikel mit der Luft nach draußen entweichen. In den Labors der Sicherheitsstufe drei arbeiten die Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV), besser bekannt als Aids-Virus, und dem entsprechenden Affenvirus SIV (Simianes Immundefizienz-Virus).

          Neun Gebäude miteinander verbunden

          Lichtdurchflutete Gänge verbinden die neun Gebäude des Paul-Ehrlich-Instituts miteinander. Zur besseren Orientierung sind Türen, Türrahmen und Fliesen in den Labortrakten in unterschiedlichen Farben – etwa Gelb, Orange und Lila – markiert. Nutzgeschosse wechseln sich mit begehbaren Technikgeschossen ab, in denen Versorgungsleitungen und Filteranlagen untergebracht sind. Als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel erledigt das Paul-Ehrlich-Institut eine Vielzahl wichtiger Aufgaben: So prüfen und bewerten die Mitarbeiter Nutzen und Risiko biomedizinischer Human-Arzneimittel und immunologischer Tier-Arzneimittel bei der klinischen Entwicklung, der Zulassung und danach. Dazu gehören Arzneimittel für Menschen wie etwa Impfstoffe zum Schutz vor Infektionskrankheiten, Antikörper und Sera zur Behandlung von Krebs, Rheuma und Auto-Immunkrankheiten, Gentherapeutika, biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte, Blutprodukte und Stammzellzubereitungen. Die Arzneimittel für Tiere umfassen Impfstoffe, Immunmodulatoren und Sera.

          1989 zog das Paul-Ehrlich-Institut von Frankfurt in den damals neu errichteten Gebäudekomplex an der Paul-Ehrlich-Straße in Langen um. Die Stadt schmückt sich gerne damit, dass sich mit der Deutschen Flugsicherung und dem Paul-Ehrlich-Institut gleich zwei wichtige und international bekannte Institutionen für Langen entschieden. Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, ist mit dem Standort ebenfalls zufrieden. Man verfüge dort über funktionale und vernünftige Gebäude mit sehr schönen Übergängen zwischen den Häusern. Die Gebäude sind inzwischen allerdings etwas in die Jahre gekommen. „Energetisch sind wir nicht mehr so ganz auf dem höchsten Stand“, sagte Cichutek. Man brauche eine Menge Energie: Heizung, Strom, Gas, Kälte und Reindampf für den Betrieb von Autoklaven, die dazu dienen, Zellkulturen und anderes Labormaterial zu inaktivieren, bevor sie entsorgt werden. Cichutek machte deutlich, man würde „heute so bauen, dass man die Gebäude insgesamt energiesparender anlegt“. Als die Häuser in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden, habe zudem das Thema Energierückgewinnung noch keine große Rolle gespielt; „auch da muss etwas getan werden“. Inzwischen häufen sich außerdem die Reparaturen. Parallel dazu wuchs die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen fast drei Jahrzehnten mit den Aufgaben: Waren beim Umzug 1989 gerade rund 250 Menschen beim Paul-Ehrlich-Institut beschäftigt, so sind es heute ungefähr 800. Ein Viertel von ihnen wohnt in Langen. Das Institut musste inzwischen vier Außenstellen mieten, um alle Beschäftigten unterzubringen.

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