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Zum Reformationstag : Pauken und Trompeten

Tritt am Reformationstag auf: Bachchor Mainz Bild: Cornelia Sick

Einen Überblick über das Angebot an Kirchenmusik zu gewinnen ist dieser Tage schwer: Zum Reformationstag, zum Totengedenken im November und zum Advent gibt es unzählige Konzerte. Ein Versuch.

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          Der Anlass liegt auf der Hand: Mit dem Reformationstag am Dienstag kulminieren die Veranstaltungen zum 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag vielerorts mit Festkonzerten. Und die nachfolgenden zwei Monate bis Weihnachten sind ohnehin immer die Zeit, in denen das kirchenmusikalische Konzertleben auf Hochtouren läuft. Im Rhein-Main-Gebiet ist das Angebot so erdrückend groß, dass man am besten zunächst die Außenperspektive einnimmt, um einen Überblick zu gewinnen. An erster Stelle ist daher das Riesenprojekt zu nennen, das überregional derzeit das meiste Interesse auf sich zieht.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Zusammenarbeit mit der Frankfurter Musikhochschule sind die Kantorei von Sankt Katharinen und die Schiersteiner Kantorei schon seit 2004 und noch bis 2024 damit beschäftigt, im Zuge der „Bachvespern Frankfurt-Wiesbaden“ alle 199 Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs in beiden Städten und speziell auf die Werke zugeschnittenen Kantatengottesdienste aufzuführen. Musikalisch federführend sind der Katharinenkantor und frühere Landeskirchenmusikdirektor Michael Graf Münster und der Schiersteiner Kantor Martin Lutz.

          Bachvespern werden fortgesetzt

          Mit Lutz tritt zum Jahreswechsel einer der prägenden hiesigen Kirchenmusiker in den Ruhestand. Im 1985 geborenen Clemens Bosselmann, der seine Ausbildung beim Dresdner Kreuzchor erhielt, ist allerdings schon ein verheißungsvoller Nachfolger gefunden worden, mit dessen Unterstützung die Bachvespern sicher fortgesetzt werden können. Lutz seinerseits ist als künstlerischer Leiter der gerade angelaufenen und erst am 13. Januar zu Ende gehenden Wiesbadener Bachwochen derzeit wieder hochgradig aktiv. Zu den Höhepunkten zählen von ihm geleitete Aufführungen des „Requiems“ von Verdi am 18. November und des „Weihnachtsoratoriums“ von Bach am 9. Dezember (Schiersteiner Kantorei, Wiesbadener Marktkirche).

          Beethovens „Missa solemnis“ mit dem Bachchor Wiesbaden leitet am 25. November in der Wiesbadener Lutherkirche deren Kantor Jörg Endebrock. Er ist im Hinblick auf die chorische Ausbildung eine weitere prägende Gestalt der Stadt, wo darüber hinaus traditionell auch in der evangelischen Bergkirche der Musik eine tragende Rolle zukommt. Dort widmet sich Kantor Christian Pfeiffer am 2. Dezember einem Programm mit drei bedeutenden Chorwerken Vivaldis. Ähnlich wie an der Lutherkirche ist in den vergangenen Jahren in der gesamten Region eine erfreuliche Fülle von Chorschulen entstanden, so etwa an der Darmstädter Stadtkirche oder in Groß-Gerau, sagt der in Mörfelden-Walldorf tätige Kirchenmusiker Stefan Küchler. Er ist Vorsitzender des Verbands evangelischer Kirchenmusiker in Hessen und Nassau. Eine sonst selten zu findende Einrichtung ist zudem die vor drei Jahren gegründete und von der Trompeterin Sunhild Pfeiffer geleitete Frankfurter Bläserschule, sozusagen das instrumentale und evangelische Pendant zu der von Dommusikdirektor Andreas Boltz aufgebauten Domsingschule.

          Damit fällt der Blick auf die Frankfurter Domkonzerte, bei denen am 8. Dezember das Sächsische Vokalensemble und am 15. Dezember der exzellente Knabenchor Hannover zu Gast sind. Eine große Konzertreihe der Stadt betreibt der Kirchenmusikverein Frankfurt in der Heiliggeistkirche am Börneplatz, besser bekannt als Dominikanerkloster. Dort sind schon übermorgen Frankfurter Kräfte im Einsatz. Der Kurt-Thomas-Kammerchor, der sich unter der Leitung des Dreikönigskantors Andreas Köhs immer wieder um Aufführungen von Raritäten verdient macht, singt Auszüge aus den 1619 entstandenen Psalmen Davids von Heinrich Schütz.

          In der Katharinenkirche gestaltet die dortige Kantorei unter Graf Münsters Leitung am Tag darauf ein Programm mit Musik aus dem barocken Frankfurt und Werken von Johann Andreas Herbst und dem Jubilar Telemann. Dazu wird die Decke der zentralen Stadtkirche künstlerisch illuminiert. Das obligate „Weihnachtsoratorium“ erklingt in der Katharinenkirche zusammen mit Bachs „Magnificat“ am dritten Advent, also am 17. Dezember. Zu hören sind die ersten drei Teile des Oratoriums.

          „Zur Recreation des Gemueths“

          Ein Werk, das zum Totengedenkmonat November gehört wie das Jauchzen und Frohlocken zur Vorweihnachtszeit, ist in diesem Jahr etwas außerhalb zu hören. Das „Deutsche Requiem“ von Brahms erklingt mit der Jungen Kantorei, die 1961 von Joachim Carlos Martini im Auftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gegründet wurde, unter der Leitung Jonathan Hofmanns am 11. November in Sankt Josef in Höchst. Einer der ältesten Oratorienchöre, der 1818 gegründete und nach der Patronin der Kirchenmusik benannte Cäcilienchor, widmet sich am 20. November unter der Leitung von Christian Kabitz im Dominikanerkloster einem französischen Programm mit Werken von Fauré, Poulenc, Duruflé, Vierne und anderen.

          Der von Ralf Otto geleitete Bachchor Mainz, der als einer der besten großbesetzten Chöre der Region gilt, musste unterdessen die geplante Uraufführung eines neuen Werkes von Gerhard Müller-Hornbach auf das nächste Jahr verschieben, was in einer Entscheidung der Landeskirche begründet ist, die als Trägerin des Chores auch den Kompositionsauftrag vergeben hat. So führt der Bachchor zum Reformationstag am Dienstag in der Mainzer Christuskirche nun ein Programm „Zur Recreation des Gemueths“ mit Werken von Ockeghem bis Bruckner auf. Im katholisch geprägten Mainz spielen daneben natürlich der Domchor und die Ensembles der Dommusik eine gewichtige Rolle. Sie widmen sich am 5. November unter der Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck vor allem Mozarts „Requiem“. Ein Großeinsatztag im Monat des Totengedenkens ist für evangelische Kirchenmusiker immer der Totensonntag am 26. November. Sehr reizvolle Programme bringen an diesem Tag die Darmstädter Kantorei in der Stadtkirche mit Strawinskys Psalmensinfonie, Poulencs „Gloria“ und der Uraufführung eines weiteren Werks von Müller-Hornbach sowie der Bachchor der Erlöserkirche Bad Homburg mit „Belshazzar’s Feast“ von William Walton und dem „Requiem“ von Maurice Duruflé.

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