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Flughafen Frankfurt : Vorfreude auf den blauen Himmel

  • -Aktualisiert am

Startklar: An den Abflugschaltern des Frankfurter Flughafens bilden sich wieder Schlangen – Abstandhalten und Maskenpflicht gehören dazu. Bild: Diana Cabrera Rojas

Am Flughafen steigen die Passagierzahlen langsam wieder. Viele haben lange auf die Reise gewartet, doch nicht jeder fliegt mit gutem Gefühl.

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          Ein paar Plüschhasen sind durch die gläsernen Türen zu sehen. Daneben stehen Narzissen aus Plastik, bunte Ostereier und grüner Kunstrasen. Lichter brennen in diesem Souvenirshop am Frankfurter Flughafen wohl schon seit Wochen nicht mehr. Der hintere Teil des Ladens ist komplett dunkel. Kuckucksuhren und Hampelmänner könnten aber wohl bald schon wieder über die Ladentheke gehen.

          Seit dieser Woche sind die Reisewarnungen der Bundesregierung für die Mitgliedstaaten der EU und weitere europäische Länder aufgehoben. Am Montagmorgen ist es noch ruhig am Terminal 1. In der riesigen Empfangshalle schieben einzelne Menschen ihren Koffer gemächlich neben sich her, schauen auf die Auskunftstafeln. Die meisten Check-in-Schalter sind noch nicht besetzt. Hektisch scheint hier niemand zu sein. Nur in die Gruppe vor dem Schalter nach Athen kommt etwas Bewegung. Zwei Flughafen-Mitarbeiter in grünen Westen versuchen die Menschentraube in eine geordnete Reihe umzulenken. Alle müssen den Sicherheitsabstand einhalten. Eine Ansage verweist immer wieder auf die Pflicht, am Flughafen Mund und Nase zu bedecken.

          Geschäftlich in die Luft

          In der Warteschlange steht ein älterer Mann mit Hemd und Maske. Er reist aus geschäftlichen Gründen in die griechische Hauptstadt und hat sich gezielt für den Flug am Montag entschieden. „Ich habe das ständig verfolgt, wann der erste mögliche Zeitpunkt ist, um einzureisen“, sagt er. Heute nun sei es so weit, dass man nach Griechenland fliegen könne, ohne nach der Ankunft einen Test machen und sich in Quarantäne begeben zu müssen. Sorgen wegen des Coronavirus in Griechenland habe er nicht: Die Hotels würden beispielsweise kein Frühstück anbieten, sondern nur Zimmer. „Die Flugzeuge sehe ich eher als Risikofaktor“, sagt der Geschäftsmann. Eng an eng mit anderen Menschen – da sei er gespannt, wie die Fluggesellschaft das mit dem Sicherheitsabstand nun regeln wolle.

          Eine sportlich gekleidete Frau mit großem Wanderrucksack zeigt sich unbesorgt. Sie habe überhaupt keine Bedenken wegen eventueller Ansteckungsgefahren. Ihren Flug habe sie erst vor ein paar Tagen gebucht. „Ich bleibe nicht in Athen, ich gehe in die Berge zum Wandern“, erzählt sie. „Ich werde da nur Schafe und keine Menschen treffen und freue mich auf Sonne und blauen Himmel.“ Angst, dass sie nach einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen in Griechenland festsitzen könnte, hat sie auch nicht: „Zur Not laufe ich nach Hause.“

          Dem Einzelhandel fehlt die Kundschaft

          Insgesamt 335 Starts und Landungen mit rund 23.000 Passagieren wurden nach Angaben eines Fraport-Sprechers für den Montag am Frankfurter Flughafen erwartet. „Wir gehen davon aus, dass es in den kommenden Wochen peu à peu mehr wird“, sagte der Sprecher mit Blick auf die Aufhebung der Reisewarnungen durch die Bundesregierung. Der Betrieb bleibe aber weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau.

          Das bekommt auch der Einzelhandel am Flughafen zu spüren. Viele Geschäfte sind weiterhin geschlossen. Eine Verkäuferin in einer Boutique für Damenbekleidung sortiert einige bunte Kleider. Sie erzählt, dass sie den Laden erst vor zwei Wochen wieder geöffnet haben. Jetzt erledige sie all die Sachen, die liegen geblieben seien. „Ich mache hier meine Arbeit und lasse die Türe offen, wenn jemand reinkommen will“, sagt sie. Aber eigentlich gebe es keine Kundschaft. „Man merkt, dass wieder etwas mehr Leben ist am Flughafen, aber die Leute haben keinen Nerv mehr shoppen zu gehen“, sagt sie. Man spüre auch, dass die Fraport-Mitarbeiter in Kurzarbeit seien, denn die machten einen großen Teil ihrer Kundschaft aus. „Das wird ein bisschen Zeit brauchen bis zur Normalität“, sagt die Verkäuferin nachdenklich.

          Vor dem Laden steht eine junge Frau mit einem Baby auf dem Arm. Sie will zu ihrer Familie nach Portugal reisen. „Damit die auch mal das Kind kennenlernen können“, sagt sie. Bedenken, wie das so am Flughafen werde, ob es lange Wartezeiten gebe, hatte die junge Mutter schon, aber am Ende habe es keine Probleme gegeben.

          Am späteren Vormittag gibt es dann schon mehr Betrieb im Terminal 1. Zwei Flughafen-Mitarbeiter radeln an einer Gruppe Reisender vorbei. An anderer Stelle hört man einen Hund in seiner Reisebox winseln. Die Reihen vor den Check-in-Schaltern sind deutlich länger geworden. So auch die für einen Flug nach Reykjavík. Am Ende der Warteschlange steht ein älteres Paar mit zwei großen Koffern. „Wir haben die Reise eigentlich schon seit einem Jahr gebucht“, sagt die Frau. Sie hätten ihren Urlaub nun um vier Tage verschieben müssen. Und worauf freuen sie sich am meisten? „Dass Island jetzt so leer sein wird“, antwortet die Frau und die strahlenden Augen lassen ein Lächeln hinter der Maske erahnen. Selbst die Dame im Reisebüro sei neidisch gewesen, dass sie die nun die ganzen Sehenswürdigkeiten ohne große Menschenscharen sehen könnten.

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