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Partyzone Opernplatz : So viel Müll wie am Silvestermorgen

Nächtlicher Treffpunkt: An den Wochenenden kommen derzeit regelmäßig Tausende auf dem Platz vor der Alten Oper zusammen. Bild: Maximilian von Lachner

Der Opernplatz in Frankfurt ist zum Party-Hot-Spot geworden. Ob die Feiernden zu eng stehen, treibt die Stadt nicht um. Wohl aber der Müll.

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          Sonntagmorgens um sechs. Die ersten Radfahrer, die den Opernplatz in der Frankfurter Innenstadt passieren wollen, haben Mühe, sich zwischen Scherben, Abfällen und den letzten torkelnden Partygästen einen Weg zu bahnen. Erst eine Stunde später wird ein Trupp der Stadtreinigung mit Kehrmaschinen auftauchen, um die Hinterlassenschaften des derzeit größten Party-Hot-Spots in Frankfurt zu beseitigen. „Da liegt nicht mehr als an einem normalen Silvestermorgen“, sagt der Sprecher der Frankfurter Stadtreinigung FES. Nur sei es eben nicht normal, dass derzeit vor der Alten Oper und weiter bis zur Hauptwache jedes Wochenende Silvester gefeiert werde. Seit diesem Wochenende versucht die Stadt dagegenzuhalten: Freitagnacht rückten unter dem Schutz der Stadtpolizei schon kurz vor Mitternacht Reinigungskräfte der FES auf dem Opernplatz an und begannen aufzuräumen.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit Wochen wird auf dem Areal gefeiert, und die Anwohner beschweren sich. Die Stadt blieb lange ruhig, bis sich dieser Tage die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig „sprachlos“ zeigte angesichts der Müllberge und der Scherben auf dem Platz sowie der Spuren der sogenannten Wildpinkler. „Ehrlich gesagt, ist das eine unglaubliche Schweinerei“, sagte die Grünen-Politikerin. Sie sei schockiert, „wie die Frankfurter mit dem Wohnzimmer Stadt umgehen“. Eigentlich müsse man jedem Einwohner einen Müllmann an die Seite stellen.

          Bisher hatte Heilig als Chefin der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ stets auf Kommunikation und Überzeugung gesetzt, um Müllsünder beispielsweise am Mainufer zu bekehren. Jetzt musste sie eingestehen, dass sie zum Umdenken gezwungen worden sei. „Wir müssen Bußgelder verhängen“, forderte sie, „eigentlich hohe Bußgelder“, um Feiernde mit der Nase darauf zu stoßen, „dass das nicht okay ist, was sie am Opernplatz machen“.

          Bereits erfolgreich gegen den Müll am Friedberger Platz

          Am späten Freitagabend begleiten etliche Freiwillige, darunter auch Anwohner, die schon vor zwei Wochen von sich aus begonnen hatten, den Partymüll einzusammeln, die Mitarbeiter der Stadtreinigung und versuchen, die Feiernden davon zu überzeugen, ihre Gläser, Plastikbecher und Flaschen nicht stehen oder fallen zu lassen, sondern in einer der Mülltonnen auf dem Platz zu entsorgen. 70 Behältnisse stehen dort inzwischen, in dieser Woche werden zudem Altglascontainer auf dem Areal aufgestellt, von dem nicht wenige sagen, es sei das Einzige in der Stadt mit einem Hauch italienischer Anmutung.

          Wird die Rechnung aufgehen und zu geordneteren und vielleicht kürzeren Partys auf dem Opernplatz führen? Mit dem Dreiklang aus Freiwilligen, sogenannten Sauberkeitsbotschaftern der Stabstelle „Sauberes Frankfurt“ sowie Reinigungskräften und Stadtpolizei haben Heilig und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) schon an anderer Stelle Erfolg gehabt: am Friedberger Platz im Nordend, der seit Jahren freitags nach dem Wochenmarkt zum Party-Areal wird. Auf dem Platz genügt inzwischen das Auftauchen der Stadtreiniger gegen 22 Uhr, um die Party zu beenden. Ähnliches soll nun auf dem Opernplatz ausprobiert werden. „Wir machen das jetzt jeden Freitag und Samstag“, kündigte Heilig dort in der Nacht zum Samstag an. Sie ist überzeugt, zumindest die Müllmengen auf diese Weise in den Griff bekommen zu können.

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