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Parteitag der Frankfurter SPD : Mike Josef und das Gift der CDU

SPD-Stadtparteitag im FSV Stadion Frankfurt: Parteivorsitzender Mike Josef Bild: Aders, Hannah

Der Chef der Frankfurter SPD lässt sich auf einem Parteitag in einem Stadion zum Spitzenkandidaten küren. Dabei greift er den Koalitionspartner scharf an.

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          Gegen Viertel nach eins laufen die Mitglieder der Zählkommission mit roten Plastikeimern über die Haupttribüne und sammeln die Zettel für die Wahl des Spitzenkandidaten ein. Es gibt nur einen, der es machen soll: Parteichef Mike Josef. 270 der rund 330 Delegierten der Frankfurter SPD sitzen seit Samstagmorgen mit Corona-Abstand über alle fünf Blöcke des Fußballstadions am Bornheimer Hang verteilt. Josef hat unten auf dem Spielfeld eine Rede gehalten, in der er den Koalitionspartner CDU scharf angegriffen hat. Auf dem Parteitag entscheiden die Sozialdemokraten, ob sie mit dem Parteivorsitzenden auf dem ersten Listenplatz in die Kommunalwahl im März 2021 gehen wollen.

          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine halbe Stunde später hat Josef es geschafft. Die Delegierten haben ihn mit 91,6 Prozent der Stimmen gewählt. Während er über den Rasen des Fußballfelds zum Präsidium eilt, zieht er noch eilig das Sakko über. Gefragt, ob er die Wahl annehme, antwortet der 37 Jahre alte Politiker, der als Planungsdezernent auch Mitglied des Frankfurter Magistrats ist und somit im Fall eines Wahlsiegs gar nicht Stadtverordneter im Römer würde: Wenn die Partei „mich immer wieder mit Ergebnissen von über 90 Prozent glücklich macht, kann ich die Wahl nur annehmen“.

          Vor fünf Jahren hat er als Spitzenkandidat für die vergangene Kommunalwahl 96,3 Prozent erhalten. Diesmal sind von 242 abgegebenen Stimmen 239 gültig, 219 Delegierte haben mit Ja, acht mit Nein gestimmt. Es gab zwölf Enthaltungen. Weil ihm nun kein „Tänzchen, sondern ein Kampf“ bevorstehe, bekommt Josef nicht nur Blumen, sondern auch Boxhandschuhe. Die sind so rot wie der Teppich, der vom Spielfeldrand bis zum Pavillon des Präsidiums ausgerollt ist. Applaus von den Delegierten. Josef geht zurück zur Tribüne. Dabei muss er Maske tragen wie alle, die ihre Plätze verlassen. Josef weiß schon, dass gleich noch zwei Kampfkandidaturen um hintere Listenplätze anstehen, aber das Schlimmste ist geschafft. Er berichtet, dass er nicht gut geschlafen hat in der vergangenen Nacht. „Die Liste zu erstellen war diesmal sehr schwierig, und ich wusste nicht, wie die Delegierten darauf reagieren.“

          CDU vergifte die Stimmung in der Koalition

          Viele aus der jetzigen Fraktion sind nicht mehr dabei, mit etlichen hat Josef in den vergangenen Wochen intensive Gespräche geführt. Ihm ist die Erleichterung anzumerken, als er sagt: „Jetzt ist alles gut.“ Abends will er noch auf eine Hochzeit nach Marburg. Aber bis zum Ende des Parteitags werden noch weitere Stunden vergehen.

          In seiner Rede sagt Josef, die CDU stehe für „inhaltliche Leere“ und vergifte die Stimmung in der Koalition. Die Genossen fordert er auf, sich vom „Klein-Klein der Römerblase“ zu verabschieden. Stattdessen müsse die SPD für jene Menschen in der Stadt „spielen“, die auf ein bezahlbares Dach hofften – Josef bemüht Fußball-Metaphorik und benennt gleichzeitig das wichtigste Wahlkampfthema der SPD, das bezahlbare Wohnen. „Wir spielen für die, die auf einen generellen Mietenstopp hoffen.“

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