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Parteien und Mitgliederschwund : Lust auf Partei

Möchten die Welt ein bisschen verändern: Claire Pflüger (rechts) und Parteikollegen der Jusos. Bild: Hoang Le, Kien

Kaum Nachwuchs, dafür Austritte: Viele Parteien leiden an Mitgliederschwund. Doch einige entscheiden sich dennoch dazu, ihre Freizeit dem Klein-Klein von Anträgen und Beschlüssen zu opfern. Drei von ihnen erzählen, warum.

          Einige Male hatte Robert Birnbaum den Satz geübt, ihn vor sich hin gemurmelt. Er sollte auf keinen Fall klingen wie ein schlechter Scherz. „Hallo, darf ich Sie für die FDP begeistern?“ Große Augen, fragender Blick. Dann nimmt die Dame das ihr gereichte Flugblatt doch noch an. Robert atmet durch. Der Anfang ist gemacht. Vielleicht kann so die nächste Wahl doch noch gewonnen werden.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Wenn Robert von seinem ersten Tag am Informationsstand der FDP erzählt, erinnert er sich an die beißende Kälte dieses Wintertages und an manch mitleidigen Blick. Wenn andere am Wochenende einkaufen gehen und Kaffee trinken, steht Robert unter einem gelb-blauen Schirm und verteilt Broschüren. Auch Mitgliedsanträge liegen stets bereit. Viele verteilen können Robert und seine Parteifreunde aber nicht.

          Die meisten Vereine haben es heutzutage schwer

          Parteien müssen um Mitglieder kämpfen - längst nicht mehr nur um neue, sondern auch um die, die zwar noch Beiträge zahlen, aber überlegen auszutreten. Weil ihnen die Politik, der Stil oder der Kanzlerkandidat der eigenen Partei nicht mehr passt. Manche treten mit großer Überzeugung ein - und mit ebenso großer Wut wieder aus. Davon betroffen sind vor allem die Volksparteien. Die CDU in Frankfurt hat über viele Jahre etliche Mitglieder verloren. Wie viele genau, teilte sie auf Anfrage nicht mit. Der Frankfurter SPD sind seit der Agenda 2010 rund 1200 der damals 4900 Mitglieder davongelaufen. Wahrscheinlich wird sie dieses Jahr um ein paar Mitglieder wachsen, Feldmann sei Dank. Parteien sind Vereine, und die meisten Vereine haben es heutzutage schwer. Nicht viele Menschen wollen ihre Freizeit dem Klein-Klein von Anträgen und Beschlüssen opfern.

          Aber Robert will genau das. Wenn er davon erzählt, wie er zur FDP kam, klingt das regelrecht entspannt. Er setzte sich vor drei Jahren an seinen Schreibtisch, ging ins Internet, rief den „Wahlomaten“ auf, eine Software, die ermittelt, welche Partei am besten zu den eigenen Überzeugungen und Einstellungen passt. Nach einigen Fragen erschien ein Balken auf dem Bildschirm, darunter drei Buchstaben: FDP.

          Freiheit oder Sozialismus?

          Schon vorher hatte Robert ein Gefühl beschlichen: Alles rückt nach links. Ihm schien es, nur eine Alternative zu haben: Freiheit oder Sozialismus. Für ihn zähle die Freiheit, wie er sagt. Zwar sei er schon immer politisch interessiert gewesen. Den Ausschlag gab aber die Landtagswahl von 2008. Ihm gefiel nicht, wie die SPD mit den vier Abgeordneten umging, die Andrea Ypsilanti nicht zur Ministerpräsidentin wählen wollten. So schied die SPD für Robert aus. Dann gab es da noch die Piraten. Für Robert sind sie eine „Linkspartei mit Internet“. So blieb ihm nur die FDP.

          Vor zwei Jahren ging er zu einem Fußballspiel der Jungen Liberalen. Die Truppe, die dort kickte, fand er nett. Dabei lernte er auch Christoph Schnurr kennen, Vorsitzender der Jungen Liberalen und Bundestagsabgeordneter. Dem jungen Parteimitglied gefällt, dass der sich dennoch regelmäßig in Frankfurt sehen lässt. Bald entschloss sich Robert dazu, nicht nur seine Mitgliedskarte in der Geldbörse herumzutragen, sondern auch Aufgaben zu übernehmen.

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