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Fuldaer Bischof : Papst nimmt Algermissens Verzicht an

„In Fulda bin ich zu Hause“: der scheidende Bischof Algermissen Bild: dpa

Das Fuldaer Bistum wird einen neuen Oberhirten bekommen. Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch von Heinz Josef Algermissen angenommen.

          Papst Franziskus hat gestern den Amtsverzicht des Fuldaer Bischofs Heinz Josef Algermissen angenommen und damit dessen fast 17 Jahre dauernde Amtszeit beendet. Die Leitung des Bistums übernimmt bis zur Wahl eines innerhalb von acht Tagen vom Domkapitel zu bestimmenden Diözesanadministrators Weihbischof Karlheinz Diez. Der Administrator wiederum leitet das Bistum solange, bis der Papst einen neuen Bischof ernannt hat. Algermissens Nachfolger dürfte frühestens nächstes Jahr gefunden sein.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Algermissen, 1943 in Hermeskeil bei Trier geboren und 1969 zum Priester geweiht, hatte das Amt im September 2001 übernommen. Zu seinem 75.Geburtstag im Februar bot er dem Papst seinen Verzicht an, denn ein Bischof der römisch-katholischen Kirche kann nicht selbständig von seinem Amt zurücktreten. Damals hatte Algermissen gesagt: „Nach 17 Jahren bin ich nun Bischof in dieser Diözese, und ich bin es gerne. Nicht an einem Tag dieser Zeit kam auch nur eine Spur von Langeweile auf.“ Den Bischofstitel behält er trotz des Rückzugs, weil die Bischofsweihe für die katholische Kirche ein nicht umkehrbares Sakrament ist.

          Komplexes Verfahren um den Nachfolger

          Mit dem Ende der Amtszeit hat auch ein mehrstufiges Verfahren begonnen, durch das ein Nachfolger bestimmt werden soll. Vorschlagsberechtigt sind laut dem Preußischen Konkordat von 1929 das Fuldaer Domkapitel, also das bei der Kathedralkirche bestehende Priesterkollegium, außerdem der Apostolische Nuntius und diejenigen Bischöfe, für deren Bistümer die Regelungen des Konkordats ebenso gelten. Alle Vorschläge werden im Vatikan gesammelt. Dessen Behörden erstellen daraufhin eine Liste mit drei Kandidaten, sie sind aber nicht an die Vorschläge gebunden. Aus dieser Liste wiederum wählt das Domkapitel in geheimer Wahl den neuen Bischof, der schließlich vom Papst ernannt wird. Damit endet die Sedisvakanz, die „bischofslose Zeit“.

          Das Bistum Fulda liegt größtenteils in Nord- und Osthessen, umfasst aber auch Gebiete in Thüringen und eine bayerische Enklave im unterfränkischen Ostheim. Die Diözese zählt gut 390.000 Katholiken, das entspricht einem Anteil von rund 23 Prozent der Bevölkerung. Als sogenanntes Suffraganbistum gehört das Bistum Fulda zum Erzbistum Paderborn. In Deutschland gibt es 20 Bistümer, die sieben Erzbistümern zugeordnet sind.

          Papst dank für „unermüdlichen Eifer“

          Die Annahme des Amtsverzichts durch den Papst am Festtag des heiligen Bonifatius verkündete gestern der päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović. Er dankte Algermissen für dessen „unermüdlichen Eifer“. Der Nuntius erinnerte auch an die jedes Jahr im Herbst in der Bonifatiusstadt Fulda stattfindenden Treffen der Deutschen Bischofskonferenz.

          Die Pressestelle des Bistums hob unter anderem hervor, Algermissen habe früh erkannt, dass der Kirche immer mehr Priester und Gläubige fehlten. Deshalb habe der Bischof schon 2002 einen Prozess begonnen, an dessen Ende eine neue Struktur aus 43Pastoralverbünden in zehn Dekanaten gestanden habe. Nach Algermissens eigener Ansicht leidet die Kirche daran, dass sogar vielen Gläubigen das religiöse Wissen fehle, was sie zunehmend gleichgültig mache. Er sagte: „Wenn viele heute einen immer dichteren Vorhang vor den Himmel ziehen und die Emanzipation von Gott zum Programm erklären, sind wir dringend zur Gegenbewegung aufgerufen.“

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