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Palmengarten-Chef Matthias Jenny : Netzwerker für Grünes

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Spezialgebiet Wachstum in allen Formen: Matthias Jenny im Palmenhaus des Palmengartens Bild: Röth, Frank

Der Vater ein Arzt, er selbst ist Biologe. Das akademische Leben hat er gekostet und sich dann anders entschieden: Wie Matthias Jenny Chef des Palmengartens wurde, ein Schweizer in Frankfurt.

          Diplom, Promotion, Habilitation. Das alles hat er in der Schublade. So könnte er heute Uni-Professor sein, einen Lehrstuhl für Botanik haben, Studenten unterrichten, Bücher schreiben, Forschungsreisen machen. Vor 17 Jahren aber hat Matthias Jenny einer Vita ganz im Dienst der Wissenschaft den Rücken gekehrt, freiwillig, in voller Absicht. Sein Arbeitsplatz seither: 22 Hektar Garten, gut 100 Mitarbeiter und 700000 Besucher jedes Jahr, Abertausende Pflanzen. 1998, zwei Jahre, nachdem er dort angefangen hatte, wurde der Schweizer Biologe Direktor des Frankfurter Palmengartens. 2012 wurde auch der benachbarte Botanische Garten in seine Obhut gegeben: weitere sechs Hektar, 25 Beschäftigte.

          Wieso Frankfurt? Nach Forschungsaufträgen in Berlin, Bochum und Hamburg? „Ursprünglich kam ich ja nicht nach Frankfurt“, sagt Jenny mit feiner Ironie in Tonlage und Blick, „ich kam in den Palmengarten.“ Punkt. Angelockt hatten ihn der berühmte Publikumsgarten mit seinem öffentlichen Bildungsauftrag und die Pflanzenschätze, die er Anfang 1996 unter seine Fittiche nehmen sollte, als Leiter der Botanik und Pädagogik und als Stellvertreter der damaligen Gartendirektorin Isolde Hagemann. Die Stadt dagegen interessierte ihn damals nicht, er nahm sie billigend in Kauf: „Nach mehr als zehn Jahren Berlin kam mir hier alles doch etwas klein vor.“ Ist da wieder ein Schalk in den Augen? Längst schwärmt er ja heute für Frankfurt, über dessen politisches, soziales und wirtschaftliches Gefüge er besser Bescheid weiß als viele Urfrankfurter. Ein Zeitungsleser eben. Einer auch, der mitmischt, als passionierter Netzwerker und stiller Kämpfer, fürs städtische Grün und für eine lebendige Wissenschaft.

          Vorhandenes verknüpfen und Neues daraus machen

          „Immer noch soll es hier Menschen geben, die nicht gemerkt haben, dass diese Stadt ein einmaliges Angebot hat, kulturell sowieso, aber auch in der Wissenschaft“, sagt Jenny. Er nennt das Netzwerk „BioFrankfurt“ als Beispiel, das mit seinen 20 Mitgliedern von der Johann Wolfgang Goethe- Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung über Palmengarten und Zoo Institutionen und Organisationen zum Schutz der Natur verbindet. „Mich fasziniert es einfach, Vorhandenes zu verknüpfen und daraus Neues zu machen“, sagt Jenny. Ein bisschen sei ihm das gelungen, nicht nur als Geburtshelfer von BioFrankfurt, sondern auch „mit der Rettung des Botanischen Gartens für die Stadt und der heftig umkämpften Wiedergeburt des Gesellschaftshauses“.

          In seinen ersten Frankfurter Jahren aber waren es eher praktische Dinge, die den Botaniker mit der Stadt versöhnten. „Nach und nach lernte ich die kurzen Wege schätzen und heute bin ich begeistert, dass hier die wichtigsten Ziele mit dem Rad zu erreichen sind.“ Voilà: Matthias Jenny und sein „Velo“. Steigt er in ein Auto, hockt er am liebsten auf dem Beifahrersitz. Stickige S- und U-Bahnen benutzt er nur, wenn es in Strömen regnet oder knöchelhoch der Schnee liegt. Sonst fährt er Fahrrad. Tagein, tagaus. Notfalls zieht er einen Overall in knalliger Warnfarbe übers adrette Outfit - der Amtsleiter in der Kluft eines Müllmanns. Je nach Terminkalender radelt er, stets ein grün-goldenes Ginkgo-Blatt am Revers, auch im Abendanzug quer durch die Stadt. Ein ferner Bekannter, der ihn jüngst munter in die Pedale treten sah, dichtete aus dem Stegreif: „Wer radelt so flink durch Nacht und Wind, es ist der Jenny, unterwegs geschwind.“

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