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Junior-Professoren im Exzellenzcluster : „Oxford ist nicht besser als Frankfurt“

Verstärkung für den Exzellenzcluster: Eric Geertsma, Michaela Müller-McNicoll und Nina Morgner (von links) forschen in Frankfurt an Proteinen und RNA Bild: Universität Frankfurt

Gut, dass sie verglichen haben: Drei neue Juniorprofessoren mit Auslandserfahrung verstärken den Exzellenzcluster „Makromolekulare Komplexe“ an der Goethe-Universität in Frankfurt.

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          Seit er von Zürich nach Frankfurt gewechselt ist, geht es mit Eric Geertsmas Deutsch bergauf. Womit nichts gegen das eidgenössische Idiom gesagt sein soll. Es ist nur so, dass der Niederländer Geertsma sich nun öfter der für ihn fremden Sprache bedienen muss, nämlich dann, wenn er es mit der deutschen Bürokratie zu tun bekommt. Die sei schon „sehr schlimm“, sagt der Molekularbiologe und lacht. Was ihn besonders stört: „Es dauert einfach alles so lang.“ In der Schweiz, da sei es „mehr zack, zack“ gegangen. Wie kompliziert es zum Beispiel sein kann, ein Konto zu eröffnen, hat er erst hier gelernt.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit seinen neuen Kolleginnen Nina Morgner und Michaela Müller-McNicoll kann sich Geertsma auf Englisch unterhalten, wenn er mag, und zum Entwicklungsstand der Verwaltung in verschiedenen Ländern wissen die beiden auch einiges zu sagen. Morgner hat in Cambridge und Oxford gearbeitet, bevor sie an die Goethe-Universität berufen wurde. Müller-McNicoll ist vom Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik gekommen, ihre wissenschaftlichen Lehrjahre verbrachte sie im kanadischen Québec. In Frankfurt zusammengeführt hat die drei ihr Interesse an Proteinen - an ihrer Synthese, ihrer Struktur, ihrer Funktion. Seit kurzem sind die Nachwuchsforscher, alle Ende dreißig, Juniorprofessoren im Exzellenzcluster „Makromolekulare Komplexe“.

          Ein guter Ort für Studien

          Geertsma ist Spezialist für Membranproteine, die „Türen und Fenster der Zellen“, wie er sie nennt, weil sie den Transport von Molekülen zwischen Zelle und Umgebung ermöglichen. Wie solche Proteine zusammengesetzt sind, untersucht die Physikerin Morgner. Sie zerlegt sie in ihre Bestandteile und analysiert sie dann mit einem Massenspektrometer. Dabei benutzt sie ein Verfahren, das sie vor ihrem Aufenthalt in England als Doktorandin in Frankfurt entwickelt hat.

          Müller-McNicoll wiederum konzentriert sich auf die Ribonukleinsäure (RNA), die als Matrize für die Herstellung von Proteinen gebraucht wird. Die sogenannte Messenger-RNA bringt die Information, wie ein Eiweiß aufgebaut sein soll, von den Genen des Zellkerns zu den „Proteinfabriken“ im Cytoplasma. Für all diese Studien ist Frankfurt ein guter Ort, besonders seitdem der Forschungszweig durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern mit vielen Millionen Euro gefördert wird. Mittlerweile hat der Cluster ein eigenes Gebäude, das Buchmann-Institut für Molekulare Lebenswissenschaften. Viele Arbeitsgruppen - wie auch die der neuen Juniorprofessuren - haben ihren Sitz aber in anderen Instituten auf dem Riedberg-Campus.

          „Sprung ins kalte Wasser“

          Als Müller-McNicoll die Ausschreibung für die Frankfurter Stelle sah, wusste sie sofort: „Das passt wie die Faust aufs Auge.“ Trotzdem war der Wechsel vom Max-Planck-Institut an die Uni ein „Sprung ins kalte Wasser“, wie sie sagt. In Dresden konnte sie sich ganz der Forschung widmen, mit Verwaltungs- und Lehraufgaben werden Max-Planck-Wissenschaftler kaum behelligt. Auch Morgner ist von ihrer früheren Wirkungsstätte viel Komfort gewöhnt. Ihre Chefin sei in Oxford ein „Superstar“ gewesen, und wer an der Elite-Uni ein so hohes Ansehen genieße, müsse sich um sein Budget keine Gedanken machen.

          Geertsma konnte sich über seine Arbeitsbedingungen in Zürich ebenfalls nicht beklagen, auch wenn die dortige Universität, an der er tätig war, nicht so berühmt ist wie die Eidgenössische Technische Hochschule. Verglichen mit dem niederländischen Groningen, wo er promoviert wurde, habe er in der Schweiz mehr Freiheit beim Experimentieren gehabt: „Dort durfte auch mal etwas nicht klappen.“

          Müller-McNicolls alte Uni in Québec sei für die zweckfreie Grundlagenforschung derzeit kein guter Ort, wie die Biologin meint: In ihrem Fach würden dort fast nur noch Arbeiten gefördert, die medizinischen Nutzen versprächen. An der Goethe-Uni hoffen alle drei die nötigen Freiräume zu finden, aber auch eine gute Ausstattung und vor allem Kollegen, mit denen sich fruchtbare Kooperationen entwickeln. Morgner gibt sich in dieser Hinsicht sehr optimistisch: „Oxford ist toll, aber ich kann nicht sagen, dass es besser ist als Frankfurt. Hier gibt es auch sehr gute Leute - man macht nur weniger Aufhebens darum.“

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