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Oxfam sucht Nachwuchs : „Ganz oben steht Teamfähigkeit“

Sehr günstige Verkäufer: Oxfam-Laden im Frankfurter Nordend Bild: Ly, Martin

In den fünf Frankfurter Oxfam-Geschäften verkaufen nur Ehrenamtliche Gebrauchtes. Nun sucht die Hilfsorganisation dafür Nachwuchs. Doch nicht jeder ist auch geeignet, wie Shop-Referentin Marion Fuchs berichtet.

          Warum setzten Sie auf Ehrenamtliche?

          Unsere Shops werden ausschließlich von Ehrenamtlichen geführt. Aktuell haben wir bundesweit um die 3300 Kollegen in 53 Läden. Sie nehmen Spenden an, sortieren und preisen sie aus, bedienen die Kasse und präsentieren die Sachen im Laden und den Schaufenstern. Alle Ehrenamtlichen haben dabei einen bestimmten Zuständigkeitsbereich, in den sie ihre Expertise einbringen. Außerdem prägen sie das Gesicht der Organisation, denn die Kollegen kommen oft aus dem Kiez, in dem sich der Shop befindet.

          Am heutigen Tag der offenen Tür in der Filiale am Oeder Weg wollen Sie auch Nachwuchs suchen. Warum ist es problematisch, welchen zu finden?

          Das würde ich anders formulieren: Wir haben zum Glück keine Probleme, Ehrenamtliche zu gewinnen, unser Angebot wird gut angenommen. Aber es ist ein normaler Verlauf, dass sich ein Team, das zwischen 50 und 90 Kollegen pro Shop hat, verändert. Leute gehen, weil sie umziehen oder sich ihre familiäre Situation ändert. Diese Fluktuation ist normal, aber wir brauchen eine gute Basis an Ehrenamtlichen, um den Betrieb in den Shops aufrechtzuerhalten. Wenn jeder nur noch rackern muss, weil zu wenig Leute im Laden stehen, verfliegt der Spaß an der Arbeit sehr schnell.

          Betreut den Oxfam-Shop im Frankfurter Nordend: Marion Fuchs

          Ist die Suche in Frankfurt, einer Stadt mit sehr hoher Fluktuation, schwerer?

          Das würde ich ganz klar verneinen. Das lässt sich nicht an einer Stadt festmachen. Wir haben viele Kollegen, die zwanzig Jahre und länger bei uns sind, das finde ich großartig. Ich würde gerne eine Zahl aus unserem aktuellen Jahresbericht nennen. Im letzten Jahr haben wir 754 Ehrenamtliche geehrt, die insgesamt 6500 Jahre ehrenamtliche Arbeit in unseren Shops geleistet haben. Wir haben nicht damit zu kämpfen, dass die Leute kommen und gehen. Eher beobachte ich eine geänderte Ehrenamtskultur bei den Jüngeren. Bei denen, die noch in der Orientierungsphase sind, in der sich noch vieles, vom Studium bis zum Lebenspartner, ändert. Der Wunsch, flexibel zu bleiben, ist da stärker ausgeprägt. Meist spüren wir aber eh schon im ersten Gespräch und der Einarbeitungsphase, ob es passt und jemand wirklich Lust auf die Arbeit hat.

          Welche Erwartungen haben sie denn an die Ehrenamtlichen?

          Ganz oben steht Teamfähigkeit, der Betrieb gelingt nur miteinander. Man muss Lust auf Menschen haben, kommunikativ und vor allem zuverlässig sein. Wir bauen darauf, dass jemand seine Schichten verbindlich einhält. Wer sich für eine ehrenamtliche Arbeit in den Läden entscheidet, verpflichtet sich, einmal in der Woche fünf Stunden an einem festen Tag zu kommen. Es ist kein flexibles System, das es zulässt, spontan zu entscheiden, wann ich komme und wann nicht. Das lässt die Organisationsstruktur nicht zu, dann können wir leider nicht zusammenarbeiten.

          Wie gehen Sie mit dem Konkurrenzdruck um die Kräfte um?

          Es ist wunderbar, wenn ich als ehrenamtlicher Interessent aus dem Vollen schöpfen kann, um mir genau das Passende aussuchen zu können. Auf der anderen Seite muss man als Organisation ein gutes Angebot machen. Die Konkurrenz können wir schlecht messen. Am Ende verdient aber jedes Ehrenamt Respekt und Wertschätzung, weil es Menschen sind, die sich aus ihrer Komfortzone begeben.

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