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Outdoor-Branche : Mc Trek wächst gegen den Trend

Alles für draußen: Mc Trek in Bruchköbel. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Auf die Euphorie folgt die Ernüchterung. Die Outdoor-Branche, jahrelang verwöhnt mit zweistelligen Umsatzzuwächsen, schwächelt. Der Discounter Mc Trek hält mit günstigen Preisen dagegen.

          „Wir sind optimistisch. Bei uns läuft es“, stellt Ulrich Dausien in seinem neuen klimatisierten Büro in Bruchköbel fest. Ende Mai ist der Unternehmer mit seiner Yeah AG, zu der inzwischen 26 Mc-Trek-Filialen gehören, von Hanau quasi um die Ecke in einen Neubau nach Bruchköbel umgezogen, in dem im Erdgeschoss auch eine neue Filiale eröffnet wurde. In Hanau seien die Büroräume zu klein geworden, und man habe ihm dort keinen passenden Standort angeboten.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Firmensitz und Filiale liegen in einem Gewerbegebiet direkt an der B 45 und in unmittelbarer Nachbarschaft einer für Kommunen dieser Größe typischen Ansammlung von Fachmärkten. Tegut, Rossmann, die Tiernahrungskette „Das Futterhaus“, eine Easy-Apotheke, ein Blumengeschäft - Kunden, die hier mit dem Auto vorfahren, können auf einen Schlag alle Einkäufe für die Woche erledigen.


          30,5 Millionen Euro umgesetzt

          Bei Mc Trek finden sie Funktionsjacken, Trekkingschuhe, Zelte und Campingstühle zu reduzierten Preisen. Zur Hälfte handelt es sich um Restposten und Retouren, zur Hälfte um Neuware. „Wir sind die günstigsten“, lautet das Credo des Chefs. Nicht ohne Grund hatten die Mc Treks anfangs noch den Zusatz „Der Outdoor-Schotte“ in ihrem Namen. Bis heute gilt: Wer ein Sporthemd bei der Konkurrenz im Internet günstiger findet als in einer Mc-Trek-Filiale, bekommt es auch zum besseren Preis. Selbst dann, wenn der Artikel teurer eingekauft wurde.

          Das kommt offenbar an. Im vergangenen Jahr hat die Yeah AG mit Mc Trek knapp 30,5 Millionen Euro umgesetzt, ein Plus - flächenbereinigt - von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vier neue Filialen wurden 2012 eröffnet, zwei Geschäfte aufgegeben. Für 2013 plant das Unternehmen mit einem Plus von knapp 18 Prozent. Das erste Halbjahr liege trotz oder gerade wegen des schlechten Wetters bereits über Plan - Fleece und Softshell verkauften sich im Frühjahr und Frühsommer gut.

          Der Verdrängungswettbewerb wird härter

          Von solchen Zahlen können Konkurrenten nur träumen. Nach der Outdoor-Studie der Kölner BBE Handelsberatung endete das Jahr 2012 im Vergleich zu 2011 mit ein Gesamtminus von 1,6 Prozent, beim Sortiment Bekleidung lag das Minus sogar bei 3,7 Prozent. Offenbar hat der schwer zu definierende Outdoor-Markt, dessen Volumen zwischen 1,7 und zwei Milliarden Euro geschätzt wird, seine Sättigungsgrenze erreicht. Das hat verschiedene Gründe. Die Qualität der Ware steigt, sie hält einfach länger, zum anderen sind in den vergangenen Jahren immer mehr Anbieter in den Markt eingetreten. Auch in Frankfurt betreiben Schöffel, Mammut, Jack Wolfskin und Northface längst eigene Markengeschäfte. Globetrotter hat im Osten groß gebaut, Karstadt seine Sportabteilung nahezu auf doppelte Größe gebracht und Kaufhof Laufschuhe und Wanderjacken wieder neu ins Sortiment genommen. Inhabergeführte Fachgeschäfte wie Alpin Sport gibt es dagegen nur noch selten. Dausien selbst hat im vergangenen Jahr sein letztes Fachgeschäft in der Frankfurter Innenstadt, Sine, aufgegeben, um sich ausschließlich auf die Discounter-Schiene zu konzentrieren. Das Geschäft war in die Jahre gekommen.

          Der Verdrängungswettbewerb wird härter. „Kleine Geschäfte in schwierigen Lagen ohne klare Positionierung, gefangen im Mittelmaß, werden langfristig vom Markt verschwinden“, prophezeit BBE-Branchenexperte Dominik Nuss. Positionieren könnten sich Händler vor allem über Größe und eine damit verbundene Auswahl sowie über besondere Angebote, wie etwa Kältekammern. Emotionalisierung nennt das Nuss. Globetrotter gebe in diesem Punkt den Weg vor. Doch selbst der Marktführer der Outdoor-Händler, der sieben Flaggschiff-Häuser betreibt, hat das Ende Februar abgelaufene Geschäftsjahr nur auf Vorjahresniveau abgeschlossen. Im Interview mit der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ sprachen die beiden geschäftsführenden Gesellschafter von „kriegsähnlichen Zuständen“ im Handel, befeuert durch die preisaggressive Konkurrenz aus dem Netz.

          Neue Läden geplant

          In diesem mischt auch Mc Trek kräftig mit. Das Online-Geschäft wuchs im vergangenen Jahr mit rund 30 Prozent doppelt so stark, aber nicht mehr ganz so kräftig wie im Vorjahr. Nach Abzug der Retouren wurden Waren im Wert von knapp 4,7 Millionen Euro online verkauft. Seit einem Jahr werden die Waren zentral von einem neuen Versandlager in Metzingen aus verschickt. Besteller können sie sich auch in den Laden schicken lassen. Hier stehen ebenfalls Computer zum Bestellen. Mitarbeiter helfen auf Wunsch dabei. Vor allem ältere Kunden schätzten die Beratung, sagt Dausien. Den Anteil der Online-Ware, die nach der Lieferung wieder zurückgeschickt wird, beziffert er mit 40 Prozent, Tendenz steigend. „Die Leute bestellen wie verrückt.“ Und werden immer verwöhnter, etwa durch Angebote wie beim Versender Zalando, der Waren auch nach 100 Tagen noch zurücknimmt.

          Zwei Mc-Trek-Filialen, eine bei Gießen und die am neuen Firmensitz in Bruchköbel, hat Dausien in diesem Jahr schon eröffnet, zwei weitere sind geplant, unter anderem in Bad Füssing. Dort hofft der Unternehmer auf ausrüstungsarme Kurgäste mit Bewegungsdrang. Wenn es so gut läuft wie in Bruchköbel, kann er sich gelassen zurücklehnen. Das Jahresziel habe die neue Niederlassung schon nach zwei Monaten so gut wie erreicht.

          Das Outdoor-Urgestein

          Bereits zu Studentenzeiten verkaufte Ulrich Dausien, Sohn einer Hanauer Verlegerfamilie, Wanderrucksäcke aus Asien und eröffnete unter seinem Pfadfinder-Spitznamen Sine seine ersten Outdoor-Geschäfte. Nach der Begegnung mit einem Bären in Kanada gründete er 1981 die Marke Jack Wolfskin, die er zehn Jahre später wieder verkaufte. Heute ist Dausien, der 1995 das Mc-Trek-Konzept startete, ein guter Kunde seines ehemaligen Unternehmens. Seine letzte noch übrig gebliebene Sine-Filiale an der Großen Eschenheimer Straße hat der 56 Jahre alte Unternehmer im vergangenen Jahr geschlossen. (hoff.)

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