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Dürre setzt Bäumen zu : Buche braucht Schatten der Eichenkrone

Ausgetrocknet: Die Dürre hat vor allem den Buchen im Darmstädter Ostwald schwer zugesetzt. Bild: Cornelia Sick

Die Trockenheit setzt den Bäumen zu, besonders der Buche, wie ein Rundgang durch den Ostwald bei Darmstadt zeigt. Unter diesen Bedingungen werden frühere Konkurrenten zu Partnern.

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          Der Baum zeigt auf den ersten Blick, wie es ihm geht: nicht gut. Zwar leuchten einige Blätter in frischem Grün, besonders in der unteren Hälfte des Baums. Aber nach oben hin werden die braunen Blätter immer mehr, die abgestorben und so vertrocknet sind, dass sie sich einrollen. Ganz oben an der Krone ist nur noch Braun statt Grün zu sehen. Die Buche im Ostwald bei Darmstadt leidet unter der Dürre des Sommers, das ist offensichtlich. Der Forstwissenschaftler Armin Bertram erläutert die praktische Wirkung der Trockenheit: Der Baum sei nicht mehr in der Lage, mit den Wurzeln genug Wasser aus dem Boden zu ziehen und durch Stamm und Äste bis zu den oberen Blättern zu leiten.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Dürre dieses Jahres sei mehr, als die heimischen Bäume vertragen könnten. Die rund 40 Jahre alte Buche ist „todkrank“, wie der Forstfachmann sagt, der auf Einladung der Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) auf einem Rundgang durch den Wald am östlichen Stadtrand erklärt, was die Trockenheit und das wärmer werdende Klima mit den Bäumen der Umgebung machen. Der ökologisch ausgerichtete Fachmann war als Berater für die Pflege des Walds schon in Südhessen, aber auch in Afrika tätig. Als ob der Wassermangel für den Baum nicht schlimm genug wäre, sei weiterer Schaden zu erwarten. Ein so strapazierter Baum werde anfällig für Krankheiten.

          Ein Drittel der Buchen durch Dürre geschädigt

          Die Buche, bei der Bertram seinen Rundgang begonnen hat, hat es besonders schwer. Sie steht an einer Kreuzung von Waldwegen in der Nähe der Bundesstraße 26, die vierspurig durch den Ostwald Darmstadts führt. Auf die Straße und die Wege kann die Sonne ungehindert scheinen, die Luft erwärmt sich, steigt nach oben und zieht dabei die kühle und feuchte Luft aus dem Wald hinter sich her, so dass die Umgebung noch heißer und trockener wird. Doch nicht nur an schwierigen Standorten wie diesem leiden die Bäume. Ein Drittel der Buchen in der Umgebung sei durch die Dürre geschädigt, sagt Jürgen Wolf vom BUND.

          Details: An diesem Ast wächst kein Blatt mehr.

          Eine andere heimische Baumart, die Eiche, verträgt die Hitze bisher besser, auch das zeigt der Spaziergang durch den Darmstädter Ostwald. Selbst in der Nähe der schwer geschädigten alten Buche wächst eine Eiche, die bis in die Krone grüne Blätter trägt. Ihre Wurzeln sind tief und stark genug, auch in diesem Jahr noch genug Wasser zu transportieren. In den vergangenen 5000 Jahren waren Buche und Eiche Konkurrenten im Wald, und die Buche setzte sich durch, weil sie sich schneller vermehrte, wie Bertram weiß. Doch das ändert sich gerade, weil die Eiche Trockenheit und Wärme besser vertrage.

          Ein Bild, das Hoffnung macht

          Bei einem wärmer werdenden Klima seien die beiden Baumarten auch keine Konkurrenten mehr. Vielmehr nutze es beiden Arten, in einem gemischten Bestand beieinander zu wachsen. Die Eiche spende mit ihrer Krone Schatten, in dem die sonnenempfindliche Buche gut gedeihe. Die Buche wiederum verbessere den Waldboden mit ihren herabgefallenen Blättern. Darin könnten Mikroorganismen besser leben als in Eichenlaub mit seiner Gerbsäure.

          Der Forstfachmann führt auch zu einem Bild, das Hoffnung macht: ein Gebiet, in dem junge Eichen sprießen, bis zu zwei Meter hoch und dicht nebeneinander. Doch diese jungen Gehölze haben noch einen anderen Feind als die Hitze, nämlich das Wild, wie Bertram sagt. Weil Rehe nicht mehr von natürlichen Feinden wie Luchsen und Wölfen gejagt und dezimiert werden, gibt es viel zu viele von ihnen, und die Tiere knabbern die jungen Bäumchen an und richten großen Schaden an, davon ist der Fachmann überzeugt. Da könne der Mensch durchaus helfen, und zwar mit dem Gewehr: „Der Wald braucht keine Förster, der Wald braucht Jäger.“

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